LUXEMBURG / SCHWERIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Trotz der anhaltend kritischen Lage der Fischbestände in der Ostsee haben die EU-Staaten beschlossen, die Fangmengen für deutsche Fischer weitgehend stabil zu halten. Dies betrifft insbesondere die Bestände von Dorsch und Hering, deren erlaubte Fangmengen im kommenden Jahr unverändert bleiben. Die Entscheidung stößt auf Kritik von Umweltschützern, die vor den ökologischen Folgen warnen.

Die Entscheidung der EU-Staaten, die Fangmengen für Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee im kommenden Jahr nicht zu reduzieren, hat für Aufsehen gesorgt. Trotz der Empfehlung der Europäischen Kommission, die Fangmengen drastisch zu senken, um die Bestände zu schützen, bleiben die Quoten stabil. Dies betrifft insbesondere die deutschen Fischer, die sich auf diese Bestände konzentrieren. Die Kommission hatte vorgeschlagen, die Fangmenge für westlichen Hering zu halbieren und die für westlichen Dorsch um 84 Prozent zu reduzieren.
In Schwerin zeigte sich der Agrarminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, erfreut über die Entscheidung. Er betonte, dass die Fischer in seinem Bundesland keine zusätzlichen Einschränkungen im Vergleich zum laufenden Jahr hinnehmen müssen. Die gezielte Fischerei auf Dorsch und Hering bleibt zwar grundsätzlich geschlossen, jedoch dürfen kleine Küstenfischer weiterhin Hering mit passiven Fanggeräten in begrenztem Umfang fangen. Dies gibt den Fischern eine gewisse Planungssicherheit, auch wenn die Bedingungen auf einem sehr niedrigen Niveau stabilisiert wurden.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hob die Bedeutung der Fischerei als Kulturgut hervor, das es zu bewahren gilt. Die Entscheidung sei ein Balanceakt zwischen dem Schutz der Bestände und der Nutzung durch die Fischer. Dennoch bleibt die Lage in der Ostsee ernst, wie der dänische Fischereiminister Jacob Jensen betonte. Dänemark hat derzeit den Vorsitz unter den EU-Staaten und sieht den Klimawandel, die Überfischung und andere Faktoren als Bedrohung für die Bestände.
Umweltschützer wie der Nabu kritisieren die Entscheidung scharf. Sie sehen darin ein wiederholtes politisches Versagen, das weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll sei. Mehrere Umweltverbände, darunter WWF und BUND, warnen davor, dass die festgelegten Fangmengen das Ökosystem der Ostsee gefährden könnten. Die EU-Länder sind nicht verpflichtet, den Vorschlägen der Kommission zu folgen, die auf wissenschaftlichen Empfehlungen basieren. Dies führt immer wieder zu Spannungen zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem notwendigen Schutz der Meeresumwelt.
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