SCHAFFHAUSEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Parallels bringt mit „Parallels Desktop 27“ eine neue Version für Macs mit Apple Silicon. Im Mittelpunkt steht ein Metal-basierter Grafiktreiber mit OpenGL-4.3-Unterstützung für Windows-VMs. Zusätzlich integriert die Lösung KI-Beschleunigung über SME-Befehle auf aktuellen Apple-Chips. Für Unternehmen kommen weitere Funktionen zur Bereitstellung und Verwaltung von Windows-Umgebungen hinzu.

Parallels Desktop 27: Neuer OpenGL- und KI-Beschleuniger für Windows auf Apple Silicon
Parallels Desktop 27: Neuer OpenGL- und KI-Beschleuniger für Windows auf Apple Silicon (Foto: IT BOLTWISE)
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Parallels Desktop 27 adressiert ein Kernproblem, das viele Fachanwender auf Apple Silicon seit dem Umstieg spüren: Windows-Programme laufen zwar in virtuellen Maschinen, aber grafik- und rechenintensive Workflows hängen im Zweifel an der Rendering- oder Hardware-Übersetzung. Laut Hersteller ergänzt die neue Version den bisherigen Stack um einen Metal-basierten Grafiktreiber und schaltet damit die OpenGL-4.3-Unterstützung für Windows-VMs auf Apple Silicon frei. Das ist vor allem dann relevant, wenn Softwarehersteller ihre Anwendungen zunehmend auf moderne Grafik-APIs ausrichten und dadurch Kompatibilität und Performance in Virtualisierungsszenarien neu bewertet werden müssen.

Damit ist Parallels Desktop 27 nicht nur ein „Update“, sondern zielt auf messbare Verbesserungen im Alltag. Der Treiber erfüllt die OpenGL-Mindestanforderungen weiterer professioneller Windows-Anwendungen; in der Ankündigung werden unter anderem ArcGIS Pro, ZWCAD und Blender 4.3 genannt. Für Anwender mit M3-Chips und neueren Modellen nennt der Anbieter bis zu 160 % schnellere OpenGL-Grafikleistung. Bei ArcGIS Pro wurden ausgewählte Aufgaben laut Angaben zudem mit bis zu 35 % schnellerem 3D-Rendering getestet; daraus leitet sich eine Reduktion der gesamten Arbeitsablaufzeit um bis zu 24 % ab. Gerade bei GIS- und CAD-typischen Iterationsschleifen kann eine solche Verkürzung spürbar sein, weil weniger Zeit zwischen Modelländerung, Rendern und Analyse verstreicht.

Parallel verschiebt Parallels Desktop 27 den Fokus auf lokale KI-Entwicklung in virtuellen Umgebungen. Während viele Teams KI-Workloads aus Gründen der Skalierung und Entwicklungsdynamik in der Cloud ausführen, entsteht in der Praxis schnell der Bedarf, Modelle und Pipelines lokal zu erstellen und zu testen – etwa um Latenz zu senken, Kosten zu kontrollieren oder sensible Daten nicht über das Netzwerk zu bewegen. Der Hersteller nennt als technischen Hebel die Unterstützung von SME-Befehlen (Scalable Matrix Extension) in virtuellen Linux- und Windows-Maschinen auf Macs mit M4-Chips und neueren Modellen. Dadurch sollen lokale Machine-Learning-Workflows beschleunigt werden, ohne dass zwingend eine Cloud-Infrastruktur erforderlich ist.

Die Details zeigen, dass es nicht bei einem allgemeinen „KI-Speedup“ bleibt, sondern konkrete Low-Level-Mechanismen adressiert werden. Für Entwickler nennt Parallels Unterstützung von SME2-Befehlen für Linux- und Windows-VMs, dazu bis zu 7-mal schnellere Matrixoperationen für KI und maschinelles Lernen sowie bis zu 1,75-mal schnellere Inferenz in neuronalen Netzen. Außerdem verbessert die Version die Leistung von KI-Tools in VMs, die typischerweise für lokale Inferenzumgebungen genutzt werden, etwa Ollama und llama.cpp. Für die praktische Umsetzung heißt das: Teams können Modellparametererstellung, Testläufe und Inferenzexperimente stärker in den Entwicklungsprozess ziehen, weil die Ausführungszeiten in der VM sinken – und damit auch die Iterationskosten.

Auf der Unternehmensseite setzt Parallels Desktop 27 auf verwertbare Betriebssicherheit und administrierbare Bereitstellungswege. In der Ankündigung wird unter anderem hervorgehoben, dass IT-Teams über eine Befehlszeilenschnittstelle (CLI) prüfen können, ob Parallels Desktop mit Lizenzschlüssel oder per Single Sign-On (SSO) aktiviert ist. Für Organisationen, die Jamf einsetzen, lassen sich demnach Erweiterungsattribute erstellen, um Geräteverwaltung und Reporting zu vereinfachen. Darüber hinaus erneuert der Anbieter seine SOC-2-Konformität als unabhängige Bestätigung für Kontrollen und Prozesse rund um Sicherheit und Zuverlässigkeit.

Technisch interessant ist auch, wie sich das Bereitstellungsmanagement in größere Umgebungen übersetzen soll. Parallels nennt hier „Secure Golden Images Provisioning“: Genehmigte virtuelle Maschinen-Images sollen sich sicher über Unternehmensspeicher wie Azure Blob Storage und SharePoint verteilen lassen. Ergänzend verbessert „deklarative Bereitstellung“ die Handhabung von vollständig bereitgestellten Zero-Touch-Windows-VMs. Für die IT bedeutet das im Kern weniger manuelle Konfiguration pro Gerät und mehr Standardisierung in der VM-Lieferkette – eine typische Stellschraube, wenn man Virtualisierung nicht nur für einzelne Power-User, sondern als wiederholbaren Service betreiben will.

Für DevOps-Teams geht Parallels Desktop 27 außerdem den Weg, Automation nicht nur über Skripte und APIs verfügbar zu machen. Die Lösung erhält eine neue native grafische Benutzeroberfläche für den Parallels DevOps Service, die die Verwaltung von Hosts, virtuellen Maschinen und Automatisierungs-Workflows vereinfachen soll, ohne dass Teams zwingend vollständig auf Kommandozeilentools und eine RESTful-API angewiesen sind. Ergänzend wird die dynamische Bereitstellung über Jenkins genannt, wodurch Build- und Testautomatisierung im Entwicklungszyklus auf Mac-gehosteten VMs unterstützt werden soll. Damit schließt Parallels Desktop 27 teilweise die Lücke, die entsteht, wenn KI- und Engineering-Teams zwar performante VMs wollen, aber gleichzeitig möglichst geringe Reibung in CI/CD-Prozessen brauchen.

Unterm Strich positioniert Parallels Desktop 27 die Virtualisierung auf Apple Silicon so, dass sie in zwei bislang zähen Bereichen attraktiver wird: Rendering unter professionellen Grafik-Workloads und lokale KI-Entwicklung in VM-Umgebungen. Die genannten Benchmarks basieren laut Ankündigung auf internen Tests unter kontrollierten Bedingungen; sie hängen damit wie üblich von Hardware, Softwarekonfiguration, Arbeitslast und Nutzungsmustern ab. Trotzdem lässt sich die Richtung klar erkennen: Statt Virtualisierung als „Windows-Notlösung“ zu betrachten, wird sie stärker als produktionsnahes Arbeitsumfeld ausgebaut – mit Treiber-Optimierung, beschleunigten Matrixoperationen und organisatorischen Funktionen für Enterprise-Betrieb. Wer auf Macs mit Apple Silicon weiterhin Windows-Software ausführen muss, bekommt damit mehr Gründe, die VM-Welt nicht nur als Kompatibilitätslayer, sondern als eng integrierten Teil des Toolchains-Setups zu evaluieren.


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