KENNEDY SPACE CENTER / LONDON (IT BOLTWISE) – Bei Artemis II entscheidet sich Missionserfolg nicht nur an großen Triebwerken, sondern an den versteckten Schweißnähten. Wabtec Inspection Technologies setzt hierfür auf ultraschallbasierte PAUT-Inspektionen, um mögliche Defekte wie Wormholes oder unvollständige Eindringtiefe aufzudecken. Das Verfahren nutzt elektronisch steuerbare Schallstrahlen statt starrer Einzelsonden. Damit wird die Qualität kritischer Baugruppen messbar, wiederholbar und skalierbar – bis hin in den Weltraumkontext.

PAUT-Inspektion bei Artemis II: So Wabtec die Friktionsrührschweiß-Nähte sichert
PAUT-Inspektion bei Artemis II: So Wabtec die Friktionsrührschweiß-Nähte sichert (Foto: IT BOLTWISE)
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Artemis II macht eine Perspektive deutlich, die in der Öffentlichkeit oft untergeht: Zwischen den spektakulären Momenten eines bemannten Mondvorflugs entscheidet sich die Mission an vielen kleinen, millimetergenauen Qualitätsprüfungen. Berichten zufolge startete die Orion-Kapsel am 1. April 2026 vom Kennedy Space Center aus zu einer Reise, die vier Astronauten weiter in den Weltraum führt als jede bemannte Mission zuvor. Gleichzeitig steht diese Phase exemplarisch für eine neue „Space-Race“-Logik: Nicht nur die Rakete ist technologisch, sondern auch die Fertigungs- und Prüfketten, die Risiken frühzeitig reduzieren. Genau hier spielt zerstörungsfreie Prüfung (Non-Destructive Testing, NDT) eine zentrale Rolle.

Technisch betrachtet baut das Artemis-Programm auf den Erkenntnissen aus Artemis I auf, bei dem die neue Kombination aus Space Launch System (SLS) und Orion bereits einen unbemannten Mondumrundungsflug erfolgreich absolvierte. Bei Artemis II steigen die Anforderungen: Man testet nicht nur Systeme unter Weltraumbedingungen, sondern auch neue Hardware und Verarbeitungsroutinen, die spätere Landemissionen wie Artemis IV vorbereiten. Für die industrielle Zulieferkette bedeutet das, dass Prüfverfahren nicht „irgendwie“ funktionieren dürfen, sondern reproduzierbar, robust gegen Fertigungstoleranzen und schnell genug für Produktionszyklen sein müssen. Der entscheidende Kontext: Artemis II zeigt, wie sich industrielle Inspektions-Methoden aus dem Anlagenbau in den Raumfahrtmaßstab übertragen lassen.

Ein Fokus der Berichterstattung liegt auf dem Schweißen der Treibstofftanks: Über die gesamte Montage kommen laut Angaben 111.000 Zoll Schweißnähte zusammen – umgerechnet etwa 1,76 Meilen. Das ist mehr als eine Zahl; es ist eine statistische Herausforderung. Je länger die zu prüfenden Nahtstrecken sind, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass sich einzelne Defekte in unterschiedlicher Orientierung verbergen. Der Einsatz von Reibungsrührschweißen (Friction Stir Welding) kommt dabei besonders zum Tragen, weil das Verfahren auch bei Werkstoffpaarungen und Aluminiumlegierungen Vorteile bietet, wo klassische Schmelzschweißprozesse weniger geeignet sind. Genau solche Schweißprozesse können jedoch charakteristische Fehlerbilder erzeugen.

Die potenziellen Defekte reichen von unvollständiger Eindringtiefe über „Wormholes“ bis zu „Kissing Bonds“ sowie „Root Toe Defects“. Auch wenn Reibungsrührschweißen grundsätzlich als belastbar gilt, können Anomalien in verschiedenen Richtungen auftreten – und damit werden Inspektionsrouten komplexer. An dieser Stelle rückt das Verfahren der phasengesteuerten Ultraschallprüfung (Phased Array Ultrasonic Testing, PAUT) in den Mittelpunkt. PAUT nutzt mehrere Ultraschallelemente und elektronisch gesteuerte Zeitverzögerungen, um Schallstrahlen konstruktiv und destruktiv zu formen. Dadurch lassen sich Strahlen schwenken, scannen, fokussieren und gezielt abtasten, ohne die Sonde mechanisch ständig neu auszurichten.

Historisch ist PAUT kein „neuer Hype“, sondern eine Weiterentwicklung aus der Zeit, als Ultraschallverfahren zunächst in der Medizin, etwa für Sonografie, an Bedeutung gewannen. In der industriellen Praxis verschob sich der Schwerpunkt später in Richtung mission-critical Assets – insbesondere in Öl und Gas sowie in der Luft- und Raumfahrt. Der Marktvorteil entsteht aus dem Wechsel von starren Einzelsonden zu elektronisch steuerbaren Prüfgeometrien: Das verbessert die Detailauflösung und reduziert gleichzeitig die Abhängigkeit von manueller Handhabung. Genau das passt zu Artemis II, weil die Qualitätssicherung entlang langer Nahtlängen nicht nur „fehlerfrei“, sondern auch prozessfähig sein muss. PAUT wird damit zu einer Brücke zwischen Laborvalidierung und Serienfertigung.

Aus Marktsicht ist interessant, dass solche NDT-Lösungen mittlerweile nicht nur am Boden getestet werden, sondern in einem weiteren Kontext bereits Anwendungen im Raumfahrtumfeld fanden. Wie aus Branchenberichten bekannt ist, halfen dort portable Inspektionswerkzeuge sogar, einen über dem Grenzwert liegenden Leckagebefund zu lokalisieren und zu beheben. Diese Entwicklung steht stellvertretend für einen Wettbewerb zwischen mehreren Technologieansätzen: Klassische manuelle Ultraschallverfahren bleiben zwar relevant, stoßen aber bei komplexen Schweißgeometrien schneller an Grenzen. Roboterbasierte oder automatisierte Zellen versprechen zwar Durchsatz, benötigen jedoch stabile Datenaufbereitung und Kalibrierstrategien. PAUT positioniert sich in diesem Spannungsfeld als daten- und skalierungsfähiger Kompromiss, der Präzision mit Industrieeinsatz verbindet.

Als Expertenzitat aus dem Umfeld der eingesetzten NDT-Lösungen wird typischerweise betont, dass derartige Systeme in unterschiedlichen Formfaktoren verfügbar sind – vom Handgerät bis zur vollautomatisierten Roboterzelle. Für Führungskräfte in der Fertigung bedeutet das: Man kann Inspektionsintelligenz modular aufbauen, statt ganze Werke neu zu konzipieren. Gleichzeitig wird die Marktwirkung dadurch verstärkt, dass Raumfahrtprogramme zunehmend als Proof-of-Concept für Industrie-Standards dienen. Genau diese Sicht lässt sich auf weitere Wettbewerber übertragen: Während etablierte Inspektionsanbieter oft entweder auf stark automatisierte Anlagen oder auf manuelle Portabilität setzen, zeigt Artemis II, dass eine Kombination aus skalierbarer Ultraschalltechnik sowie ergänzenden Sicht- und Schichtverfahren die Qualität ganzheitlich absichern kann.

Relevanz hat diese Entwicklung auch für die Sicherheits- und Compliance-Seite. Raumfahrt ist zwar ein Hochsicherheitsumfeld, aber die Lernkurven betreffen auch regulierte Industrien an Land: In der Luftfahrt, Medizintechnik oder Energieversorgung werden NDT-Ergebnisse zunehmend als Bestandteil von Qualitätsmanagementsystemen verstanden, die Auditierbarkeit verlangen. Für Unternehmen heißt das: Prüfprozesse müssen nachvollziehbar dokumentieren, welche Parameter verwendet wurden, wie Kalibrierungen erfolgten und wie die Detektionswahrscheinlichkeit für definierte Fehlerklassen aussieht. Datenschutz spielt dabei weniger im Sinne personenbezogener Daten eine Rolle als im Sinne der Kontrolle von Prozess- und Qualitätsdaten, also der Integrität von Prüfmetriken, Firmwareständen und Anlagenkonfigurationen.

Mit Blick in die Zukunft wird klar, warum Artemis II als „nahtgenaue“ Erfolgsmeldung gilt: Die Inspektionstechnologie muss nicht nur einmal funktionieren, sondern als wiederholbares Muster über Programme hinweg tragfähig sein. Für Artemis IV, das für frühe 2028 als bemannte Landemission geplant ist, dürfte die Prüfstrategie eher breiter werden: Mehr Baugruppen, komplexere Geometrien und strengere Integrationsfenster erhöhen den Druck auf Inspektionsqualität und Prozesszeit. Der Markt wird entsprechend stärker auf Software-gestützte Kalibrierung, Datenfusion und die Standardisierung von Prüfprotokollen setzen. Entwicklungsseitig eröffnen sich Chancen für Betreiber und Systemintegratoren, weil PAUT-Workflows zunehmend in digitale Produktionsketten eingebettet werden können – von der Ereignisprotokollierung bis zur Qualitätstransparenz.

Unterm Strich zeigt Artemis II, dass die „neue Space-Race“ nicht allein durch Antriebe oder Raketenverkleidungen entschieden wird, sondern durch die Qualitätssicherung im Hintergrund. Eine Schweißnaht, die im Millimeterbereich abweicht, kann sich im Gesamtsystem über Lastwechsel und thermische Zyklen verstärken. Verfahren wie PAUT adressieren genau diese Lücke, indem sie Defektklassen erkennen helfen, die durch alternative Prüfmethoden schwerer aufzulösen sind. Für Unternehmen außerhalb der Raumfahrt ist das eine Einladung, NDT strategisch als Teil von Sicherheitsarchitekturen zu begreifen – nicht als nachgelagerten Check. In einer Welt, in der Mission Assurance und Time-to-Quality enger zusammenrücken, wird die Fähigkeit, Prozesse zuverlässig zu prüfen, zur nachhaltigen Wettbewerbsbasis.


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