UNIVERSITY PARK, Pa. – Forscherinnen und Forscher der Penn State College of Agricultural Sciences testen gemeinsam mit der Startup-Idee von Woodland Biomass Innovations, ob ein geplantes Woody-Biomasse-zu-Energie-Konzept ökologisch tragfähig ist. Vorgesehen ist, täglich rund 1.000 Tonnen Holzreste zu verarbeiten und daraus 42.000 Gallonen Benzin, Biochar sowie erneuerbaren Strom zu gewinnen. Im Fokus stehen dabei Modellierungen zur Umweltbilanz, insbesondere eine Carbon-Life-Cycle-Assessment und die Frage, ob genügend Biomasse regional verfügbar ist. Bis zum Herbst sollen verifizierte Endberechnungen vorliegen.

Penn State prüft Woody-Biomasse zu Benzin: 1.000 Tonnen Holzabfälle pro Tag
Penn State prüft Woody-Biomasse zu Benzin: 1.000 Tonnen Holzabfälle pro Tag (Foto: IT BOLTWISE)
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In zentralen Regionen Nord-Pennsylvanias stößt eine Art Energiewende-Experiment auf eine sehr konkrete Hürde: die Frage, ob sich Holzreste wirklich so skalieren lassen, dass am Ende sowohl das Klima als auch die lokalen Wälder profitieren. Genau hier setzt die Zusammenarbeit der Penn State College of Agricultural Sciences mit dem Gründer von Woodland Biomass Innovations an. Das Projekt soll eine Anlage in Tioga County realisieren, die täglich etwa 1.000 Tonnen Holzabfälle aus der Umgebung verarbeiten will. Als Zielgröße nennt der Plan rund 42.000 Gallonen Benzin, dazu Biochar und erneuerbaren Strom.

Technisch ist der Ansatz dabei nicht nur als „Brennstoff aus Restholz“ zu verstehen, sondern als Kette aus Materialbeschaffung, Prozessauslegung und anschließender Bilanzierung. Die Penn-State-Arbeitsgruppe modelliert bereits, welche Umweltwirkungen und -nutzen der geplante Prozess erwarten lässt. Ein entscheidender Baustein ist eine Carbon Life Cycle Assessment, also eine wissenschaftliche Methode, die die gesamten Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts oder Prozesses quantifiziert. Auf dieser Basis sollen die Ergebnisse einer Benzinherstellung aus fossilen Kraftstoffen mit der Herstellung aus holzbasierten Rohstoffen verglichen werden. In den vorliegenden Projektdaten schnitt holzbasiertes Benzin nach Darstellung der Forschenden deutlich besser ab.

Damit diese Vergleichsrechnung nicht nur plausibel wirkt, sondern auch investierbar ist, rückt Penn State die Datenqualität in den Mittelpunkt. Juliana Vasco-Correa, Assistant Professor für Agricultural and Biological Engineering, hat dafür ein Capstone-Projekt mit Studierenden des vierten Studienjahres angestoßen. Die Studierenden sollten anhand von US-Forstservice-Daten zur Waldressourcenlage klären, ob innerhalb eines sinnvollen Einzugsgebiets überhaupt ausreichend Biomasse verfügbar ist. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Wälder im Umkreis von 25 Meilen um den geplanten Anlagenstandort nachhaltig genug holzige Biomasse liefern können, um den erwarteten Bedarf des Startups zu decken. Die 25-Meilen-Grenze ist aus einer früheren Erkenntnis abgeleitet: Sobald Transporte über größere Distanzen nötig werden, steigen nicht nur die Kosten, sondern auch die ökologischen Belastungen durch Logistikemissionen so stark, dass Projekte dieser Art schnell an Tragfähigkeit verlieren.

Die logistische Seite ist auch deshalb zentral, weil die Treibhausgasbilanz im realen Betrieb stark davon abhängt, wie das Material bewegt wird. Christine Costello, Associate Professor im selben Fachbereich, beschreibt die Transportkosten und die damit verbundenen Emissionen als bedeutende Einflussgrößen. Laut ihrem Hinweis variieren Transportwege und -bedingungen erheblich; zusätzlich können steigende Dieselpreise die Wirtschaftlichkeit der Holzbeschaffung spürbar drücken. Ökologisch gilt dasselbe Muster: „Wo“ die Rohstoffe herkommen, entscheidet mit darüber, wie niedrig die Netto-Emissionen des entstehenden Benzins im Vergleich zu fossilem Benzin am Ende wirklich ausfallen. Genau deshalb arbeiten die Forschenden an einer Bewertung der regionalen Waldverfügbarkeit, an Supply-Chain-Logistikfragen sowie an den Umweltwirkungen der Nutzung holziger Biomasse.

Für die inhaltliche Tiefe ergänzt eine postdoktorale Bearbeitung das studentische Fundament. Dominic Aboagye, Postdoctoral Researcher am Projekt, bringt Expertise in Bioenergie und spatial optimization ein. Unterstützt wird er unter anderem durch Gamini Mendis, Assistant Professor an Penn State Behrend, in der Polymersparte. Unter Aufsicht von Christine Costello erstellt das Team eine genauere regionale Bestandsaufnahme, inklusive der Abbildung von Versorgungswegen und der Auswirkungen auf die Wälder. Auch Luca Pandolfi, Gründer von Woodland Biomass Innovations, betont die Effizienz des geplanten Systems: Es soll einen großen Teil der benötigten Energie selbst bereitstellen und nur wenig Abfall erzeugen. Für Investoren zählt das besonders, weil eine belastbare CO2-Intensität und eine nachvollziehbare Wirkung auf die Waldressourcen die Risikoabschätzung für Finanzierungs- und Skalierungsentscheidungen direkt beeinflussen.

Parallel zur modellgestützten Umweltprüfung setzt Penn State auf den Transfer in die Praxis. Extension-Educators, die sich auf Biofuels spezialisiert haben, helfen Pandolfi dabei, den Kontakt zur Wood-Products-Community herzustellen, etwa über eine Arbeitsgruppe rund um „Pennsylvania Fuels for Schools and Communities“. Ciolkosz ordnet die Startup-Idee dabei als gut passend für Nord-Zentral-Pennsylvania ein: Die Region habe reichlich Waldressourcen und verfüge über „low use“-Strukturen, die in einem laufenden Prozess geerntet werden müssten, damit Förster Qualität und Gesundheit der Waldflächen besser steuern können. In dieser Perspektive würde das Startup einen Markt für solche Materialien schaffen, indem es die holzigen Stoffströme in Benzin umwandelt. Genau diese Einbettung in lokale Nutzungsketten ist für die Umsetzbarkeit oft wichtiger als die reine Laborbilanz.

Dass der Weg von einer Konzeptskizze zu einer neuen Industrie langsam ist, beschreibt auch die organisatorische Flanke: Penn State nutzt dafür seine Initiative „Technologies for Agriculture and Living Systems (TALiS)“. Ziel ist es, Unternehmen zu fördern, die Naturschutz mit wirtschaftlichem Nutzen verbinden, etwa durch Innovation und die Schaffung neuer Jobmöglichkeiten. TALiS soll dabei als „living laboratory“ dienen, also als Testumgebung, in der integrierte Agroökosysteme in Pennsylvania praktisch erprobt werden. Das TALiS-Konzept setzt auf robuste Kooperation über Sektoren hinweg, um die Lücke zwischen frühem Forschungsstadium und realer Anwendung zu schließen; zuletzt wurden entsprechende Partnerschaftsmodelle beim 2026 TALiS Symposium herausgestellt, in dem Woodland Biomass Innovations als Beispiel genannt wurde. Für die nächsten Schritte bleibt damit vor allem die methodische Verifikation: Vasco-Correa und das Team wollen die endgültigen Berechnungen bis zum Herbst vorlegen.


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