LONDON (IT BOLTWISE) – Das US-Verteidigungsministerium benennt vier gerichtete Energiewaffen für einen Pilotbetrieb gegen Drohnen an Standorten in den USA. Getestet werden sowohl Hochenergie-Laser als auch eine Hochleistungs-Mikrowellen-Lösung im Rahmen des vom Militär koordinierten JIATF-401-Programms. Die Piloten sollen vor allem Realdaten zu Leistung, Kosten und Betriebsaufwand liefern, während Soldaten die Systeme an den Basen betreiben. Wie genau sich die Systeme auf einzelne Installationen verteilen, bleibt vorerst offen.

Das US-Verteidigungsministerium will gerichtete Energiewaffen (Directed Energy, DE) gegen Drohnen im Heimatgebiet schneller vom Labor in den Betrieb überführen. Dafür wurden vier Systeme für einen Pilotbetrieb an US-Standorten ausgewählt, der von Joint Interagency Task Force 401 (JIATF-401) gesteuert wird. JIATF-401 ist eine im vergangenen Jahr eingerichtete, armeegeführte Koordinationsstruktur, die die Drohnenabwehr militär- und ressortübergreifend zusammenzieht. Ziel ist nicht nur die technische Wirksamkeit, sondern auch die Frage, wie sich Laser und Mikrowellen in einem Einsatzumfeld tatsächlich integrieren und über längere Zeit betreiben lassen.
Zum Pilot gehören AeroVironments Palletized High-Energy Laser, Epirus’ Leonidas (High-Powered Microwave), Kord’s Firefly (High-Energy Laser) sowie Boeing’s Compact Laser Weapon System. Die Auswahl folgt dem Muster einer „layered drone defense“: Hochenergie-Laser können jeweils auf ein Ziel „einrasten“ und es sukzessive durchbrennen, während Hochleistungs-Mikrowellen eher für das Abfangen von Drohnenschwärmen in kurzer Zeit ausgelegt sind, indem sie Elektronik stören. Dieses unterschiedliche Wirkprinzip beeinflusst die Taktik spürbar. Laser benötigen typischerweise, dass das System lange genug auf ein einzelnes Ziel ausgerichtet bleibt; Mikrowellen versprechen dafür einen Burst-Ansatz, bringen aber wegen ihrer größeren Wirkfläche zusätzliche Anforderungen an die Absicherung der Umgebung mit.
Entscheidend ist dabei, dass das Programm bewusst Realwelt-Parameter sammelt: Das Pentagon spricht davon, Daten in Echtzeit zu Leistung, Kosten und operativem sowie Instandhaltungsaufwand zu erheben. Damit steht der Pilot auch im direkten Spannungsfeld zwischen „Stückkosten pro Schuss“ und den gesamten Systemkosten. JIATF-401-Direktor Matt Ross stellte die Perspektive auf das reine Pro-Schuss-Rechnen infrage und verwies sinngemäß darauf, dass sich die Wirtschaftlichkeit nicht aus einer einzelnen Energiekosten-Schätzung ableiten lässt, wenn etwa Beschaffung, Einsatzbereitschaft und Betrieb eines Systems ein Vielfaches ausmachen. Genau deshalb soll der Pilot auch zeigen, wie viel Aufwand es erfordert, ein DE-System dauerhaft verfügbar zu halten.
Die Ausgestaltung der Standorte bleibt zunächst unklar. Im Mai nannte JIATF-401 laut Berichten fünf mögliche Basen für den Pilot, darunter Fort Huachuca (Arizona) und Fort Bliss (Texas), Naval Base Kitsap (Washington), Grand Forks Air Force Base (North Dakota) sowie Whiteman Air Force Base (Missouri). Später verschob sich die Liste in den Aussagen eines Sprechers bzw. des Task-Force-Leiters auf vier Basen; genannt wurden unter anderem Grand Forks, Joint Base Lewis-McChord in Washington und Whiteman, zudem wurde Fort Bliss als vermutliches Ziel erwähnt. Das Pentagon-Statement vom Montag konkretisiert weiterhin nicht, welches System zu welcher Installation kommt, wie viele Exemplare eingeplant sind oder wie hoch das Gesamtbudget ausfällt. Für die Planungsseite der Betreiber wird das trotzdem interessant: Laut früheren Angaben sollen Deployment-Details über einen Zeitraum von 180 Tagen mit den Kommandeuren der jeweiligen Installationen ausgearbeitet werden, während der operative Betrieb später in diesem Jahr erwartet wird.
Technisch betrachtet unterscheidet sich nicht nur das Wirkprinzip, sondern auch die Transport- und Bereitstellungsphilosophie. AeroVironments System wird als palettierte Laserplattform beschrieben, die im „roll-on, roll-off“-Ansatz verpackt ist: Eine selbständige, mobil einsetzbare Einheit soll per LKW oder Schiff transportiert und am Einsatzort aufgestellt werden. Boeing setzt mit seinem Compact Laser Weapon System auf eine niedrigere Laserleistung, was in der Regel bedeutet, dass mehr Zeit pro Ziel nötig ist, dafür aber Größe und Mobilität im Vordergrund stehen. Kord bewirbt Firefly als skalierbar vom 5- bis 40-Kilowatt-Bereich und beschreibt es als auf Paletten montiert, mobil und damit vor allem für flexible Einsatzszenarien gedacht. Epirus’ Leonidas ist dagegen das einzige Mikrowellen-System im Pilot und knüpft an frühere Programme für Hochleistungs-Mikrowellen an, die speziell auf das Abdrängen von Drohnenschwärmen zielen.
Dass DE-Systeme im US-Luftraum nicht automatisch „einfach so“ funktionieren, zeigt die jüngere Entwicklung rund um Sicherheits- und Koordinationsfragen. In der Vergangenheit wurde der Luftraum zeitweise in der Nähe eines US-Standorts geschlossen, weil ein Anti-Drohnen-Laser eingesetzt wurde, ohne die Abstimmung mit der Luftfahrtaufsicht zu koordinieren. Um Risiken für zivile Flugzeuge zu adressieren, wurde anschließend eine Live-Demonstration in White Sands Missile Range durchgeführt. Danach führte die Luftfahrtaufsicht eine Sicherheitsprüfung durch und kam laut veröffentlichten Aussagen zu dem Schluss, dass die getesteten Laser-Systeme bei vorhandenen Sicherheitskontrollen keine unangemessene Gefährdung für Verkehrsflugzeuge darstellen. Parallel dazu bleibt das Programm offen: Das Pentagon kündigt an, weitere gerichtete Energietechnologien fortlaufend zu bewerten und im Dezember ein Shoot-off in Dugway Proving Ground im US-Bundesstaat Utah zu veranstalten.
Für die Industrie und für IT-nahe Betreiber ist das Pilotdesign besonders relevant, weil die Leistungsdaten nicht nur „unter Laborbedingungen“ gesammelt werden sollen. Wenn ein System im realen Betrieb Daten zu Zielerfassung, Durchsatz, Bedienaufwand und Wartung liefert, lassen sich daraus schneller belastbare Modelle für Beschaffungsentscheidungen, Einsatzplanung und Training ableiten. Gleichzeitig erweitert der Ansatz die Möglichkeiten für modularen Aufbau: DE-Systeme lassen sich als Baustein in eine mehrschichtige Abwehrstrategie einfügen, die Sensorik, Tracking und gegebenenfalls weitere Abfangmittel zusammenbringt. Unterm Strich ist der Pilot damit auch ein Test dafür, ob „Direktwirkung“ plus Integration in operative Prozesse in kurzer Zeit skalierbar wird – oder ob die Hürden vor allem in Betrieb, Koordination und Sicherheit liegen.
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