WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Verteidigungsminister Pete Hegseth hat laut einem Memo den Einsatz von nichtöffentlichen Informationen für Wetten auf US-Militäreinsätze untersagt. Das Verbot betrifft sowohl klassifizierte als auch nicht klassifizierte Daten und nennt explizit Prediction-Markets wie Polymarket und Kalshi. Hegseth argumentiert, solche Finanztransaktionen könnten sensible Bewegungen sichtbar machen und damit Risiken für US-Truppen erhöhen. Das Memo kündigt zudem mögliche disziplinarische oder strafrechtliche Konsequenzen nach Bundesrecht und dem Uniform Code of Military Justice an.

Das Verbot, auf militärische Operationen zu wetten, sobald dafür nichtöffentliche Informationen genutzt werden, zielt auf einen spezifischen Risikopunkt: die Schnittstelle zwischen Finanzmärkten und operativem Informationsfluss. Laut einem am 20. Oktober versandten Schreiben an die oberste Führungsebene im Pentagon sowie an die Kommandierenden der US-Kampfverbände soll das Verbot sowohl klassifizierte als auch nicht klassifizierte Informationen abdecken. Entscheidend ist dabei nicht das Wetten als solches, sondern die Nutzung von Daten, die außerhalb der Öffentlichkeit liegen – denn genau dort entsteht die Gefahr, dass Muster aus Handelsaktivitäten Rückschlüsse auf bevorstehende oder laufende militärische Bewegungen zulassen.
Der Text benennt dabei konkret, dass das Verbot auch Prediction Markets umfasst – also Plattformen, auf denen Marktteilnehmer die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen wie politischen Entscheidungen oder konkreten Operationsergebnissen handeln. In dem Memo werden Polymarket und Kalshi ausdrücklich erwähnt. Fachlich ist das relevant, weil Prediction-Markets häufig mit vergleichsweise transparenten Kursverläufen arbeiten: Wenn insidersystematisch Positionen in einem bestimmten Zeitfenster aufbauen, kann das für Außenstehende zu einem Signal werden. Genau dieses Signal-Risiko beschreibt Hegseth in einer warnenden Formulierung; er schreibt: „Make no mistake why this matters. Our enemies watch movements in these markets, “ und ergänzt: „When an American Service member, intelligence professional, or other Department civilian engages in a financial transaction on a military outcome, they create a signal.“
Im Kern geht es damit um Vertraulichkeit und Umgehungsresistenz: Selbst wenn keine klassifizierten Dokumente weitergegeben werden, kann der Zeitpunkt einer Transaktion – etwa kurz vor einem operativen Ereignis – Muster erzeugen, die technisch auswertbar sind. Wenn aus dem Handel Bewegungszeitpunkte, Zielräume oder sogar Timing-Entscheidungen abgeleitet werden könnten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass gegnerische Nachrichtendienste Marktmechanismen als zusätzliche Datenquelle nutzen. Das Memo stellt daher nicht nur auf rechtliche Kategorien ab, sondern auf die praktische Frage, ob Finanzaktivität als indirekter Kanal für militärische Informationen fungiert. Interessant ist zudem, dass die Warnung ausdrücklich sowohl Service-Mitglieder als auch Intelligence-Profis und andere zivile Mitarbeitende im Verteidigungsbereich adressiert.
Die Maßnahme folgt einer Entwicklung, die in der US-Praxis bereits zuvor für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Berichten zufolge wurde im April ein Angehöriger der US-Special-Forces im Zusammenhang mit einer militärischen Operation verhaftet, bei der nach Angaben aus den Ermittlungen der venezolanische Anführer Nicolás Maduro festgenommen worden sein soll, nachdem vor Veröffentlichung der Raid-Nachrichten auf dessen Absetzung gewettet worden war. Laut den Angaben der Ermittlungsbehörden soll der U.S. Army Master Sgt. Gannon Ken Van Dyke innerhalb weniger Stunden nach einer entsprechenden Ankündigung im Januar auf Polymarket Positionen aufgebaut haben; der Text nennt dabei Wetten von mehr als $33.000 und Gewinne von mehr als $409.000. Wichtig für die rechtliche Einordnung: Dem Bericht zufolge handelt es sich um einen Verdacht – der Soldat habe in einem New-York-Bundesgericht eine nicht schuldig lautende Erklärung abgegeben.
Für die betroffenen Organisationen im Verteidigungsumfeld verschiebt sich damit die Compliance-Aufgabe von einer reinen Informations- oder Dokumentenpolitik hin zu einer breiteren Kontrolle von Verhaltensmustern. Wenn das Memo Verstöße mit administrativen Disziplinarmaßnahmen oder strafrechtlichen Schritten verknüpft, dann muss in der Praxis geprüft werden, wie „nichtöffentliche Informationen“ im Alltag operationalisiert werden. Das betrifft beispielsweise Fragen wie: Welche internen Erkenntnisse gelten als nicht öffentlich, wie wird deren Zugang nachgewiesen oder ausgeschlossen, und wie werden Handelsaktivitäten zeitlich zu internen Entscheidungszyklen gemappt? Gleichzeitig zeigt die Nennung von Prediction Markets, dass das Pentagon diese Plattformtypen nicht als Randphänomen betrachtet, sondern als Bestandteil eines Informationsökosystems, das von externen Akteuren beobachtet und interpretiert werden kann.
Auch marktseitig ist die Entscheidung ein Signal dafür, wie eng sich Finanzmärkte und Informationssicherheit inzwischen berühren. Dass die Vorgabe ausdrücklich sowohl klassifizierte als auch nicht klassifizierte Informationen umfasst, deutet auf einen bewusst weiten Ansatz hin: Der Schutz soll nicht nur gegen „hart“ klassifizierte Daten wirken, sondern auch gegen weniger offensichtliche Leaks über timing- und signalfähige Aktivitäten. Für Unternehmen, die Prediction-Markets-Technik für ähnliche Anwendungsfälle betreiben (oder als Infrastrukturkomponenten liefern), wird damit vermutlich stärker nach Mechanismen verlangt, die Missbrauch reduzieren und auffällige Muster frühzeitig erkennen können – etwa durch proaktive Policy-Durchsetzung und technische Plausibilisierung. Gleichzeitig bleibt die praktische Herausforderung bestehen, zwischen legitimen Marktteilnahmen und solchen Transaktionen zu unterscheiden, die auf operativer Sonderkenntnis basieren. Genau diese Trennlinie dürfte in den kommenden Monaten im Zentrum interner Schulungen, Richtlinien-Reviews und gegebenenfalls zusätzlicher Prüfprozesse stehen.
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