WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Pentagon hat eine sechste Veröffentlichung von UAP-Dateien mit insgesamt 71 Dokumenten gestartet. Unter den Unterlagen ragt das AAWSAP-Programm hervor, das ab 2008 bis 2012 Studien zu zukünftigen „aerospace threats“ anstoßen sollte. Zudem taucht in den Akten eine 38-seitige technische Untersuchung zu angeblich unbeabsichtigten Verletzungen bei menschlichen Beobachtern durch anomale Systeme auf. Gleichzeitig bleiben die beigefügten Videomits aus früheren Freigaben ähnlich unscharf, werden aber durch neue Kontextberichte ergänzt.

Pentagon veröffentlicht sechste UAP-Akten: Fokus auf AAWSAP und Verletzungsstudie
Pentagon veröffentlicht sechste UAP-Akten: Fokus auf AAWSAP und Verletzungsstudie (Foto: IT BOLTWISE)
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Mit der sechsten Aktenfreigabe zu „Unidentified Anomalous Phenomena“ (UAP) legt das Pentagon erneut Zahlen und Formate offen, die vor allem für technische Leser relevant sind: Insgesamt 71 Dateien, davon 67 vom Verteidigungsministerium und vier aus lokalen Meldesystemen in Colorado. Die Pakete bestehen aus 55 PDF-Dokumenten, 15 Videodateien und einer Audioaufnahme. Besonders auffällig ist der hohe Anteil geschwärzter Inhalte: 64 von 71 Dateien enthalten Redaktionen. Die Datierung der Dokumente reicht dabei von 1952 bis 2025, wodurch sich die Freigabe weniger wie ein einzelnes Ereignis, sondern eher wie ein fortlaufendes Archivierungs- und Freigabeschema lesen lässt.

Im Zentrum der aktuellen Veröffentlichung steht eine Initiative mit dem Namen „Advanced Aerospace Weapon System Applications Program“ (AAWSAP). Laut den Angaben in den Dokumenten wurde das Programm 2008 von der Defense Intelligence Agency (DIA) eingerichtet, um verschiedene „aerospace threats“ jahrzehntelang in die Zukunft hinein zu untersuchen; abgeschlossen wurde die Initiative 2012. Technisch interessant ist dabei vor allem der Zielzuschnitt: Ein Dokument beschreibt die Programmlogik als Analyse von Physik und Engineering für solche Anwendungen, wobei der Zeithorizont „from now through the year 2050“ genannt wird. In der Beschreibung wird außerdem ein Fokus auf Technologien betont, die „discontinuities“ zu bestehenden Entwicklungstrends erzeugen könnten – also nicht nur schrittweise Verbesserungen, sondern potenziell neue Prinzipien oder Umsetzungswege in der Raumfahrt- und Waffentechnologie.

Die Freigabe umfasst 37 „Defense Intelligence Reference Documents“ (DIRDs), die unter AAWSAP entstanden sind. Diese DIRDs decken Themen ab, die in der Außensicht häufig wie Science-Fiction wirken, darunter unter anderem Warp Drives, Wormholes, Antigravity, negative Mass Propulsion und Invisibility Cloaking. Entscheidend ist aber die Einordnung, die das Pentagon in den Begleitnotizen selbst liefert: Die DIRDs seien „best understood as reference and synthesis products rather than as original research“ und sollten nicht als Bestätigung der diskutierten Konzepte im Sinne einer aktuellen Validierung verstanden werden. Für Technik-Entscheider heißt das: Selbst wenn Begriffe aus Randbereichen auftauchen, geht es nach Dokumentensprache zunächst um Referenz- und Synthesearbeit – also das Zusammenführen vorhandener physikalischer und ingenieurtechnischer Argumente, nicht um den Nachweis einsatzfähiger Systeme.

Am stärksten rückt jedoch eine andere Dokumentkategorie die technische und medizinische Dimension in den Vordergrund: eine 38-seitige, hochspezialisierte Studie aus dem Jahr 2010, die nach den Unterlagen „evidence of unintended injury to human observers by anomalous advanced aerospace systems“ analysiert. In dieser Studie heißt es, drei Personen hätten jeweils ein anomales, „irregular, incongruous and inconsistent with their domain“ beschriebenes Ereignis mit Bezug zu „aerospace“ erlebt und im Anschluss verschiedene medizinische Symptome gezeigt. Genannt werden unter anderem Hitze- und Rötungserscheinungen auf der Haut sowie Haarausfall; eine Person habe „signs of radiation illness“ gezeigt, und über mehrere Jahre hätten sich Hinweise auf „malignant transformations“ ergeben. Das Dokument identifiziert dabei keine konkrete Expositionsquelle, hält aber fest, dass die drei Betroffenen „antennae engineers“ gewesen seien. Zudem vergleicht der Autor die Fälle mit 42 veröffentlichten und rund 300 unveröffentlichten Vorfällen konventioneller Radiofrequenz-Verletzungen, bei denen die Strahlungsquelle bekannt gewesen sei – und kommt dabei zu der Aussage, dass eine Hypothese plausibel sei, wonach manche fortgeschrittenen Systeme bereits eingesetzt seien und für ein vollständiges US-Verständnis „opaque“ blieben.

Während die Textdokumente vor allem Fragen nach Zielsystemen und Hypothesen beantworten, liefern die Videos die typische zweite Spur: unscharfe, körnige Aufnahmen aus militärischen Kameras, in denen Objekte teils mit hoher Geschwindigkeit über den Bildausschnitt ziehen. Ein Vorfall aus dem Jahr 2022 wird in den Unterlagen als UAP beschrieben, das „traveling at various speeds between 80-180 miles per hour“ unterwegs gewesen sei. In einem begleitenden Bericht wird das Szenario als Mission im Nahen Osten beschrieben: Operatoren hätten Objekte in unbekannter Höhe wahrgenommen, die zwischen 1 und 2 Metern groß gewesen seien und „flying sporadically within the target area“ hätten. In einem weiteren Video heißt es, dass etwa ein halbes Dutzend Objekte in einer Art Formation bzw. Tandem-Bewegung unterwegs gewesen sei; davon ist die Rede von „six small spherical objects“, die „seemed to be agile“ und „frequently changing direction“ gezeigt hätten. Das Pentagon ordnet diese Ereignisse nicht abschließend, wodurch die technischen Unklarheiten vor allem in der fehlenden oder nicht beweisenden Quantifizierung von Sensorparametern, Bahndaten und Systemidentität liegen.

Ergänzend kommen vier Videos aus lokalen Meldungen in Colorado hinzu. Dort wurden nach Pentagon-Angaben Berichte über ein UAP-Untersuchungsbüro bereitgestellt, und die Aufnahmen sollen im Oktober 2023 per Smartphone entstanden sein. In den Notizen wird das Phänomen als „silent“ beschrieben und mit „red, blue, and green flashing lights“ in Verbindung gebracht. Daneben enthält die Freigabe auch historische Materialien: eine etwa einstündige Audioaufnahme und ein Transkript von Beiträgen des Air-Force-Officers Edward Ruppelt aus dem Jahr 1952, in denen er die damalige Untersuchung von UFO-Vorfällen erklärt. Ruppelt wird dabei mit den Worten zitiert: „We’ve gone through these reports and come up with the fact that about 20% are very good reports offered by very reliable people and … just absolutely no conclusions can be drawn.“ Seine Tätigkeit führte später zum Project Blue Book, das UFO-Fälle von 1952 bis 1969 untersuchte; in der aktuellen Freigabe tauchen laut den Unterlagen auch weitere Materialien zu diesem Programm auf. Für die Einordnung im Jahr 2026 ist weniger die historische Kontroverse entscheidend, sondern die wiederkehrende Struktur: ein signifikanter Anteil an Meldungen, die als plausibel gelten, ohne dass eine belastbare, technisch überprüfbare Schlussfolgerung daraus entsteht.

Parallel zur Aktenfreigabe hat das Pentagon zudem eine rechtliche Weichenstellung angekündigt: Es gehe um die Schaffung einer „legal waiver“, die es aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern ermöglichen soll, UAP-bezogene Informationen mit der Regierung zu teilen, obwohl sie zuvor durch Nichtoffenlegungsvereinbarungen gebunden waren. Damit verschiebt sich das Ringen um Details von reinem Archivzugang hin zu der Frage, wer künftig überhaupt Datenbestände ergänzen oder technische Kontexte liefern kann. Für Unternehmen und Forschungsorganisationen ergibt sich daraus vor allem ein operatives Bild: Wenn zukünftige Freigaben stärker von nachgelagerten Erfahrungsberichten profitieren, könnten sich auch Lücken in der Dokumentation schließen – etwa dort, wo Sensorbeschreibungen, interne Parameter oder Prozessketten bislang geschwärzt sind. Ob die AAWSAP-Begriffe wie Warp-Antrieb, negative Masse oder unsichtbarkeitsnahe Konzepte jemals in überprüfbare Technik überspringen, bleibt dagegen nach den eigenen Pentagon-Hinweisen an die DIRDs zunächst offen; technisch „synthetisiert“ ist nicht automatisch „validiert“.


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