LONDON (IT BOLTWISE) – Zwei Drittel der CISOs melden eine wachsende Qualifikationslücke im Bereich IT-Sicherheit. Ransomware nimmt zu, Angriffe werden schneller, und neue Aufgaben wie KI-Absicherung verschärfen den Bedarf an spezialisierten Rollen im SOC. Der Beitrag ordnet ein, welche Zertifizierungen, regulatorischen Anforderungen (NIS-2) und Cloud-spezifischen Prozesse jetzt entscheidend werden.

Personalmangel im SOC: 60% der CISOs sehen Qualifikationslücke als Top-Risiko
Personalmangel im SOC: 60% der CISOs sehen Qualifikationslücke als Top-Risiko (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Lage in den Security Operations Centern (SOC) spitzt sich branchenweit zu, und das nicht nur wegen steigender Angriffszahlen. Laut einer Untersuchung sehen rund 60 Prozent der Chief Information Security Officers (CISOs) die Personalknappheit und vor allem die Qualifikationslücke als größtes aktuelles Problem. Diese Lücke wirkt wie ein Engpass in einer Produktionslinie: Je weniger erfahrene Analysten und Incident-Responder verfügbar sind, desto länger dauern Erkennung, Bewertung und Reaktion. Gleichzeitig erhöhen neue Einsatzfelder rund um KI-gestützte Risiken den Druck, Kompetenzen schneller aufzubauen, ohne die operative Sicherheit zu vernachlässigen.

Technisch zeigt sich der Mangel besonders dort, wo Teams komplexe Telemetrie in verwertbare Entscheidungen übersetzen müssen. In vielen Organisationen werden zwar Sensorik und Logsammlung bereits modernisiert, doch die eigentliche Wertschöpfung entsteht im Zusammenspiel von Detection Engineering, Triage-Workflows und forensischer Aufarbeitung. Experten berichten, dass klassische Playbooks zunehmend an Grenzen stoßen, sobald sich Angriffsmuster beschleunigen oder Umgebungen dynamischer werden. Wer Workforce-Engpässe überbrücken will, muss daher nicht nur zusätzliche Köpfe gewinnen, sondern auch die Qualifikationspfade so gestalten, dass sie messbar in operative Fähigkeiten münden.

Der Markt reagiert entsprechend: Bildungsanbieter bauen spezialisierte Programme aus, die auf SOC-Tätigkeiten und Incident Response zugeschnitten sind. Besonders im Fokus steht die ISACA-Zertifizierung „Certified Cybersecurity Operations Analyst“ (CCOA), die sich laut Anbieter an Analysten mit zwei bis drei Jahren Berufserfahrung richtet. Der Vorbereitungsaufbau zielt auf praxisnahe Problemstellungen ab, die in einem Testformat mit Multiple-Choice-Fragen und praktischen Aufgaben geprüft werden. Ergänzend wird häufig der Weg über Einstiegszertifikate wie CompTIA Security+ oder Plattformen für Sicherheitsübungen wie Hack The Box genannt, um Grundlagen schneller zu standardisieren und Lernkurven zu verkürzen.

Parallel treiben regulatorische Vorgaben den Bedarf an dokumentierbaren Sicherheitsprozessen. Die NIS-2-Richtlinie zwingt Unternehmen aus 18 Branchen, ein nachweisbares Cybersicherheitsniveau zu erbringen. Dazu gehören unter anderem belastbares Patchmanagement, Multi-Faktor-Authentifizierung sowie Netzwerksegmentierung – und damit Maßnahmen, die sich nicht „nebenbei“ betreiben lassen. In der Praxis bedeutet das: Rollenprofile müssen klar mit Verantwortlichkeiten verknüpft sein, und Reporting-Prozesse brauchen Lückenlosigkeit. Experten weisen zudem darauf hin, dass kürzere Vorlaufzeiten für Audits und Meldepflichten den operativen Druck auf bereits unterbesetzte Teams weiter erhöhen.

Ein weiterer Treiber ist die Cloud-Migration, in der SOC-Prozesse nicht 1:1 aus dem Rechenzentrumsumfeld übernommen werden können. In Cloud- und Plattformumgebungen übernimmt zwar teils der Provider den Betrieb der Infrastruktur, die Verantwortung für Anwendungssicherheit und Compliance bleibt jedoch beim Kunden. Dadurch verschieben sich Aufgaben: Bedrohungsanalysen müssen stärker an rollenbasierte Berechtigungen, API-Nutzung und Telemetriequellen gekoppelt werden, und Incident Response braucht klare Zuständigkeitsmodelle zwischen Betrieb, Entwicklung und Security. Als Lösungsansätze werden daher automatisierte Compliance-Audits sowie „Application Threat Hunting“ genannt, um Muster über mehrere Datenebenen hinweg zu identifizieren.

Auch im Wettbewerb um Fähigkeiten entstehen neue Signale. So versuchen große Ecosystem-Anbieter, Qualitätskriterien durch Partnerprogramme abzusichern; als Beispiel wird in der Branche berichtet, dass ein IT-Dienstleister den Status als „Microsoft Solutions Partner for Security“ erreichte – unter anderem auf Basis erfolgreich absolvierter Zertifizierungen wie der AZ-500. Solche Wege können für Unternehmen attraktiv sein, weil sie externe Expertise strukturieren und die internen Qualifikationspfade entlasten. Gleichzeitig kann das zu einer Verschiebung in Richtung „zertifizierungsgetriebener“ Sicherheitsorganisationen führen, wenn Ausbildungsziele nicht mit praktischen Übungs- und Einsatzzeiten verknüpft werden.

Für die Zukunft wird entscheidend, wie schnell Organisationen Kompetenzaufbau in Betrieb integrieren. Neben klassischen Kursen entstehen neue Rollen an den Schnittstellen von Datenmanagement und Sicherheit, etwa mit berufsbegleitenden Programmen wie einem „Certified Data Officer“ an der Universität Graz, der Datenstrategien und Governance-Kompetenzen in einem kompakten Zeitraum vermitteln soll. Ergänzend werden kurzfristige Workshops für Systemadministratoren empfohlen, die aktuelle Angriffstechniken und deren Abwehr adressieren, um die Reaktionsfähigkeit bei Sicherheitsvorfällen zu erhöhen. Aus Expertensicht führt das zu einem realistischen Zielbild: weniger „Wissensinseln“, mehr durchgängige Fähigkeiten über Teams hinweg, damit auch bei schneller Eskalation die richtigen Schritte mit geprüfter Kompetenz erfolgen.

Unterm Strich verbindet sich der Personalmangel mit einer dauerhaften Qualitätsaufgabe: Sicherheitsteams müssen Skalierung erreichen, ohne Qualität zu verlieren. Wer jetzt investiert, sollte Ausbildungsangebote nicht nur nach Zertifikatsnamen bewerten, sondern nach Übertragbarkeit in konkrete SOC-Workflows, etwa für Triage, Threat Hunting und Compliance-Reporting. Gleichzeitig sollten Unternehmen die KI-Absicherung als zusätzlichen Kompetenzbereich früh einplanen, weil sich damit neue Angriffsflächen und Anforderungen ergeben. Wenn diese Planung gelingt, entsteht ein stabilerer Sicherheitsbetrieb, der regulatorische Prüfungen besser übersteht und im Ernstfall schneller reagiert – genau dort, wo die Lücke aktuell am gefährlichsten ist.


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