LONDON (IT BOLTWISE) – Planet Labs ging 2021 über einen SPAC-Deal an die Börse und schoss danach zeitweise von 11,35 US-Dollar auf 51,40 US-Dollar. Heute liegt die Aktie bei rund 25 US-Dollar und wird an einer deutlich anderen Bewertung gemessen als andere Newcomer der Raumfahrt. Ein Kursrückgang folgte unter anderem einem 1,5-Milliarden-US-Dollar-at-the-market-Angebot. Gleichzeitig setzt das Unternehmen stärker auf staatliche Verträge, wächst aber auch in kommerzielle Märkte und baut KI-gestützte Analytik auf.

Die Frage, ob Planet Labs „günstig“ bewertet ist, wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Value-Check. Betrachtet man jedoch nur die Kennzahl, springt sofort eine zweite Ebene ins Bild: Planet Labs wird mit dem 27-fachen des Umsatzes gehandelt, während SpaceX und AST SpaceMobile laut den Angaben im Artikel deutlich höhere Kurs-Umsatz-Multiples aufweisen. Genau diese Differenz ist der Kern der Debatte – nicht unbedingt, weil Planet Labs automatisch besser dasteht, sondern weil sich Erwartungen und Marktvergleiche in der noch jungen Raumfahrtökonomie stark auseinanderentwickeln.
Technisch und operativ lohnt sich der Blick auf das Geschäftsmodell, denn es erklärt, warum die Bewertung überhaupt so unterschiedlich ausfallen kann. Planet Labs entwickelt, baut und startet Satellitenkonstellationen für Regierungs- und kommerzielle Kunden. Seit 2013 wurden 462 Satelliten ausgebracht, von denen rund 200 weiterhin im Orbit sind. Für die Erlösmischung ist entscheidend, dass ein Großteil der Einnahmen aus Regierungs- und Verteidigungsaufträgen stammt – insbesondere in Bereichen, die mit „sovereign intelligence infrastructure“ beschrieben werden. Gleichzeitig arbeitet das Unternehmen daran, zusätzliche kommerzielle Kunden etwa in Landwirtschaft, digitale Kartierung, Versicherung, Energie sowie bei Versorgern zu gewinnen.
Das Produkt selbst entsteht nicht „aus der Cloud“, sondern über eine harte Kette aus Startkapazität, Satellitenlebensdauer und Datenverwertung. Planet Labs setzt dafür überwiegend auf Raketen von SpaceX (Falcon 9) und Rocket Lab (Electron) und positioniert seine Satelliten in der Low Earth Orbit (LEO)-Zone. Die Satelliten sind dabei auf eine maximale Einsatzdauer von drei bis fünf Jahren ausgelegt. Das führt zu einem natürlichen Erneuerungszyklus: Wer langfristig liefern will, muss laufend neue Hardware in den Orbit bringen, Datenprodukte aktualisieren und technische Risiken in der Produktions- und Startplanung laufend managen. Im Vergleich werden im Artikel die Größenunterschiede betont: Planet Labs arbeitet mit deutlich kleineren Satelliten als AST SpaceMobile; sie sind dennoch nicht zwangsläufig „ersetzbar“, weil die Satellitenmärkte jeweils andere Zielgruppen adressieren.
Für den Markt kommt noch eine zweite Spannung hinzu: Planet Labs hat sich an der Börse über einen SPAC-Weg kapitalisiert. Der Börsenstart über den Merger mit einer Special Purpose Acquisition Company erfolgte am 8. Dezember 2021. Laut Artikel schloss die Aktie am ersten Handelstag bei 11,35 US-Dollar und erreichte später am 28. Mai 2026 ein Rekordhoch von 51,40 US-Dollar. Dass der Kurs heute bei etwa 25 US-Dollar liegt, lässt sich unter anderem mit dem Umfeld erklären, in dem sich Investoren häufig erst auf große „Headline“-Events stürzen und danach Risiko umschichten. Der Text verweist zudem auf ein massives at-the-market Stock Offering über 1,5 Milliarden US-Dollar im selben Monat, das die Entwicklung zusätzlich belastet haben soll.
In Zahlen verdichtet sich der langfristige Teil der Story in Wachstum und Auftragspolster. Von Fiskaljahr 2022 bis Fiskaljahr 2026 (Ende im Januar) stiegen die Einnahmen von 131 Millionen US-Dollar auf 308 Millionen US-Dollar; parallel habe das bereinigte EBITDA im Fiskaljahr 2026 erstmals positiv gearbeitet. Für die Planbarkeit ist aber vor allem der Backlog relevant: Bis zum Ende des ersten Quartals des Fiskaljahrs 2027 wuchs er um 72 Prozent im Jahresvergleich auf 906 Millionen US-Dollar. Treiber seien insbesondere die Verteidigungs- und Intelligence-Märkte. Gleichzeitig dehnt Planet Labs seine AI-getriebenen Analytics-Services aus, um Kunden enger an ein Ökosystem zu binden – ein Ansatz, der für Satellitenanbieter immer mehr zur Differenzierung wird, weil der Rohdatenwert alleine selten dauerhaft Premium-Margen trägt.
Für Unternehmen und Investoren bedeutet das: Ein „günstiger“ Multiplikator kann ein Indikator für abwartende Marktmeinungen sein, gleichzeitig aber auch ein Hinweis auf Risiken, die der Markt noch nicht eingepreist hat. Planet Labs bewegt sich in einer Phase, in der sowohl Hardware-Kapazität als auch Datenprodukte skaliert werden müssen – und beides kostet. Auch wenn die Satelliten vergleichbar wirken, entscheidet letztlich der Kundenzugang (Regierung versus kommerziell), die Wiederholrate bei Projekten und die Fähigkeit, KI-Analytik so zu verpacken, dass sie in bestehende Workflows integriert werden kann. Genau diese Kombination aus Orbit-Execution, Umsatzwachstum und KI-gestützter Verwertung ist der Grund, warum die Aktie in der Bewertung nach dem Artikel zwar „billiger“ erscheinen kann als manch anderer Raumfahrt-Wert – aber eben nicht, weil das Geschäft automatisch einfacher wäre.
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