LONDON (IT BOLTWISE) – Presight berichtet für das zweite Quartal 2026 ein Umsatzplus von 36,1 % und schafft es zugleich, EBITDA und Nettogewinn spürbar zu steigern. Im Halbjahr wächst der Umsatz um 28,9 % auf AED 1,4 Mrd., während der Auftragsbestand zum 30. Juni 2026 auf AED 4,9 Mrd. klettert. Damit rückt die Frage in den Fokus, wie KI-gestützte Produktivität sich in wiederkehrende Kundenverträge übersetzt. Parallel gewinnt der regulatorische Rahmen durch den EU AI Act für Anbieter und Anwender an Bedeutung.

Die jüngsten Zahlen von Presight zeigen, wie stark der Markt derzeit zwischen KI-Nutzenversprechen und messbarer Kennziffernlogik unterscheidet. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 36,1 % auf AED 713,2 Mio. Gleichzeitig wuchs das EBITDA um 37,4 % auf AED 143,7 Mio. Das ist für viele KI-Teams mehr als ein „Outcome“-Label: Es deutet darauf hin, dass KI-Produktivitätslösungen nicht nur Pilotprojekte bleiben, sondern in betriebliche Abläufe übergehen, die sich in Kostenstruktur und Auslastung der Lieferung niederschlagen.
Technisch betrachtet entsteht dieser Hebel typischerweise an mehreren Stellen der Prozesskette: Daten werden in ein Modell- oder Regel-Setup gebracht, die Ergebnisqualität wird anhand betrieblicher Zielgrößen geprüft und die KI-Anwendung wird in bestehende Workflows integriert. Bei Presight schlägt sich das im Ergebnisformat nieder, weil neben dem Umsatz auch die operative Ertragskraft zulegt. Der Nettogewinn nach Steuern lag im Quartal bei AED 116,8 Mio. und damit 30,2 % über dem Vorjahresquartal. Für Entscheider ist das vor allem deshalb relevant, weil „KI macht effizienter“ im Alltag meist mit Reibungsverlusten bezahlt wird – etwa durch Einführungsaufwand, Datenbereinigung oder Change-Management. Dass die Profitabilität dennoch stabil bleibt, spricht dafür, dass die Skalierung der Produktivitätswirkung in der Umsetzung zumindest weitgehend planbar ist.
Im Marktbild ergänzt die Halbjahresentwicklung die Quartalsdynamik und macht sie belastbarer. In den ersten sechs Monaten 2026 legte der Umsatz um 28,9 % auf AED 1,4 Mrd. zu, während das EBITDA um 23,2 % auf AED 302,7 Mio. stieg. Der Gesamtgewinn wuchs um 19,5 % auf AED 250,7 Mio. Besonders aussagekräftig ist dabei der Auftragsbestand: Zum 30. Juni 2026 belief er sich auf AED 4,9 Mrd., was einer Steigerung von 44,3 % seit Jahresbeginn entspricht. Hohe Auftragsbestände sind für Software- und KI-Dienstleister ein wichtiges Signal, weil sie die zukünftige Umsatzrealisierung zeitlich vorziehen und häufig auch die Verhandlungsmacht bei Folgeprojekten stärken.
Damit rückt auch die „Visibilitäts“-Perspektive in den Vordergrund: KI-gestützte Produktivität wird im Idealfall als wiederkehrender Wert verkauft, etwa über Service Level Agreements, Optimierungszyklen oder kontinuierliche Verbesserungen. Genau dort entsteht oft der Unterschied zwischen kurzfristiger Automatisierung und langfristigem Produktivitätswachstum. Für die Budgetplanung vieler Unternehmen zählt, dass der KI-Einsatz nicht nach dem ersten Rollout ausläuft, sondern sich in messbare, wiederholbare Verbesserungen übersetzen lässt. Der Bericht deutet an, dass Presight in diesem Sinne auf breit akzeptierte Strategien setzt, weil der Auftragsbestand stark wächst und damit langfristige Kundenbindung wahrscheinlicher wird.
Parallel verschiebt sich die Pflichtendiskussion für Anbieter und Anwender: Die zunehmende Nutzung von KI-Systemen bringt Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten mit sich. Im Kontext des EU AI Act bedeutet das für technische Teams, dass Modellverhalten, Datenherkunft und Risikobewertungen nicht nur intern nachvollziehbar sein müssen, sondern in Prozessen und Nachweisen landen, die auditsicher handhabbar sind. Für Rechts- und IT-Abteilungen entsteht damit ein zusätzlicher Engineering-Takt: Nicht jede Funktion muss regulatorisch gleich behandelt werden, aber ohne saubere Abgrenzung der Risikoklassen und ohne dokumentierte Entscheidungswege wird die Implementierung in Unternehmen schnell zum Bottleneck.
Ein weiterer Aspekt ist die Internationalisierung der Erlöse. Im zweiten Quartal stiegen die internationalen Umsätze um 19,1 %, über das gesamte erste Halbjahr sogar um 39,9 %. Entsprechend liegt der Anteil der internationalen Erlöse mittlerweile bei 26,7 % am gesamten Gruppenumsatz. Für die Planung heißt das: KI-Produktivität wird zunehmend als exportierbares Angebot verstanden, nicht als lokale Besonderheit. Die Prognosen für 2025 bis 2029 nennen eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate (CAGR) beim Umsatz von 20–25 %; beim EBITDA werden 23–28 % erwartet. Für Technologie-Executives ist das weniger eine „Wette auf Wachstum“ als eine Abfrage, wie robust die Umsetzungspipeline skaliert, wenn Kundenerwartungen, Datenverfügbarkeiten und regulatorische Anforderungen in mehreren Märkten parallel erfüllt werden müssen.
Unterm Strich liefern die Presight-Kennzahlen ein konsistentes Bild: Umsatzwachstum, operative Skalierung und Gewinnentwicklung laufen im zweiten Quartal zusammen, und der Auftragsbestand stützt die Erwartung einer fortgesetzten Ausrollung. Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass KI-Produktivität in der Unternehmensrealität nicht ohne Governance-Mechanik funktioniert. Wer KI-Lösungen einführt, muss daher zugleich die technische Implementierung und die Compliance-Überführung in belastbare Prozesse im Blick behalten. Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, ob aus KI-Projekten dauerhaftes Geschäft wird – oder ob die Einführung in der Tiefe hängen bleibt.
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