LONDON (IT BOLTWISE) – Ripple-CEO Brad Garlinghouse stellt XRP als „Bridge Asset“ nicht grundsätzlich in den Mittelpunkt und lässt offen, dass Stablecoins Zahlungen in manchen Fällen besser abwickeln können. Gleichzeitig zeigt RLUSD bereits, wie das Unternehmen eigene Stablecoin-Lösungen neben XRP positioniert. Für XRP wird damit weniger automatisch aus Wachstum bei Ripple auch mehr Nachfrage nach dem Token. Entscheidend wird nun, ob neue Kunden XRP tatsächlich als Settlement-Asset wählen.

Ripple: Wenn Stablecoins Zahlungen dominieren, wovon hängt dann XRP-Nachfrage ab?
Ripple: Wenn Stablecoins Zahlungen dominieren, wovon hängt dann XRP-Nachfrage ab? (Foto: IT BOLTWISE)
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Brad Garlinghouse hat die Debatte um XRP einen spürbaren Schritt in Richtung Realität verschoben: In Clips, die am 24. September 2026 veröffentlicht wurden, stellte er die Maximalisten-Logik explizit infrage. Er sagte sinngemäß, XRP könne zwar als „Bridge Asset“ funktionieren, es könne aber genauso gut sein, dass ein Stablecoin das Zahlungsproblem in bestimmten Fällen besser löst. Solche Aussagen wirken auf den ersten Blick wie ein Tonfallwechsel. Tatsächlich berühren sie aber den Kern dessen, was den Markt bei XRP als Nachfragegrundlage interpretiert.

Technisch betrachtet hängt der Unterschied zwischen XRP und Stablecoins weniger mit der eigentlichen Transaktionsfähigkeit zusammen, sondern mit dem Zweck, für den ein Asset eingesetzt wird. Ripple positioniert XRP traditionell als Brückenlösung, um Gelder grenzüberschreitend schnell zu übertragen, ohne dass Kunden umfangreiches Vorfinanzieren in ausländischen Konten benötigen. Genau hier liegt allerdings auch das Problem für Corporate-Treasurer: XRP ist volatil. Laut den im Ausgangstext genannten Beispielen schwankte der Kurs zeitweise innerhalb weniger Tage stark, was bedeutet, dass ein Unternehmen Preisbewegungen erklären und intern absichern muss – selbst wenn die Haltedauer kurz bleibt und die Prüfung für Audit-Zwecke sauber dokumentiert sein will.

Im Gegensatz dazu „settled“ ein Stablecoin eng an einen Zielwert gekoppelt und verläuft damit aus Sicht der Finanzfunktion planbarer. Der Artikel nennt als praktisches Argument: Dollar-Stablecoins lassen sich für Monats- und Bilanzstichtage konsistenter darstellen, wodurch Hedging-Aufwand sinkt. Ripple hat diesen Ansatz außerdem nicht nur theoretisch, sondern mit RLUSD konkretisiert. RLUSD wird im Ausgangstext als Stablecoin beschrieben, der auf einen Wert von 1 US-Dollar ausgerichtet ist; im Zusammenspiel bietet Ripple zudem auch USDC und USDT sowie traditionelle Währungen an. Dadurch können Zahlungs- und Transferprozesse so gestaltet werden, dass das „faktische“ Settlement-Asset vom Kunden nach Liquiditäts-, Prüf- und Prozesslogik gewählt wird.

Markt- und Geschäftslogik wird damit besonders interessant: Ripple kann laut den genannten Mechanismen sein Volumen aus Transaktionen vergrößern, ohne dafür zwingend mehr XRP nach sich zu ziehen. Jede Abwicklung über RLUSD, USDC oder USDT generiert Einnahmen für Ripple, ohne dass dafür XRP gekauft werden muss. Zusätzlich verdient Ripple Zinsen auf die Liquidität und Treasuries, die zur Unterstützung von RLUSD dienen. Der Ausgangstext nennt dafür eine relevante Größenordnung: Ripple adressiert demnach rund 1.200 Finanzentscheider und verwaltet in diesem Umfeld jährlich Transaktionen mit einem Volumen von etwa 13 Billionen US-Dollar. Wenn diese Kunden tatsächlich das Asset wählen, das zu Audit-Anforderungen und Risiko-Profilen passt, verschiebt sich die Korrelation zwischen „Ripple wächst“ und „XRP steigt“ spürbar.

Dass Garlinghouses Aussage in der XRP-Dynamik Gewicht hat, liegt auch an der Kapitalmarkt-Sicht auf XRP: Ripple hält dem Text zufolge eine substanzielle Menge XRP und setzt monatlich laut Angabe bis zu 1 Milliarde XRP aus einem Escrow frei. Mit einer im Ausgangstext genannten Größenordnung von etwa 1,55 Milliarden US-Dollar beim genannten Kurswert wird klar, warum der Markt stark beobachtet, wie die Unternehmenskommunikation zur künftigen Rolle des Tokens passt. Wenn ein CEO deutlich macht, dass nicht jede Zahlungsanwendung automatisch XRP benötigt, dann ist das auch eine indirekte Ansprache an die Annahme, dass Nachfrage aus Ripple-Deals „automatisch“ in Token-Käufe übersetzt wird.

Für die Frage nach der XRP-Nachfrage bedeutet das: Sie hängt künftig stärker davon ab, ob Kunden XRP als Settlement-Asset auswählen – und weniger davon, dass Ripple allgemein neue Geschäftsfelder erschließt. Der Ausgangstext stellt außerdem einen zweiten wichtigen Befund heraus: Die Kursbewegungen wirkten zuletzt eher durch Trading getrieben als durch die reine Payment-Nutzung. XRP sei demnach zwischen dem 15. und 22. September um rund 23% gestiegen, parallel zu hohen Handelsumsätzen. Wenn der Markt eher spekulative Flüsse als Zahlungsnachfrage einpreist, wird jede zukünftige Produkt- oder Kundenkommunikation zum Indikator dafür, welche Rolle XRP im tatsächlichen Abwicklungsprozess spielt.

Aus Industry-Impact-Sicht folgt daraus ein konkreter Prüfpunkt für Unternehmen, die heute mit Ripple-ähnlichen Zahlungs-Workflows planen: Die Auswahl des Settlement-Assets ist nicht nur eine technische, sondern eine prozessuale Entscheidung. Stablecoins reduzieren die Notwendigkeit, Kursrisiken kurzfristig zu managen; XRP kann dagegen dort Sinn ergeben, wo sich ein „Bridge“-Mechanismus in den internen Cash- und Liquiditätskreislauf einfügt. Wie Ripple diese Entscheidung in der Praxis bei neuen Kunden kommuniziert, wird daher zum entscheidenden Signal: Wenn XRP explizit als Settlement-Komponente hervorgehoben wird, steigt die Chance auf eine engere Kopplung zwischen Ripple-Wachstum und XRP-Nachfrage. Wenn dagegen RLUSD in den Vordergrund rückt oder der Settlement-Asset-Teil bewusst offen bleibt, dürfte XRP weiter stärker den allgemeinen Krypto-Marktdynamiken folgen statt der Unternehmenspipeline.


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