LONDON (IT BOLTWISE) – Ripple-CEO Brad Garlinghouse stellt die Annahme infrage, dass die Unternehmensentwicklung automatisch die Nachfrage nach XRP treibt. In einem Panel deutete er an, dass für Zahlungen je nach Use Case auch ein Stablecoin die bessere Brücke sein kann. Gleichzeitig betont er, verschiedene Krypto-Assets positiv zu sehen, während XRP im Jahres- und 12‑Monatsvergleich deutlich unter Druck steht. Für Corporate-Treasurer rückt damit die Frage in den Vordergrund, ob XRP als Liquidity Asset oder eher Stablecoins als Zahlungsinstrument eingesetzt werden.

Ripple-Chef Brad Garlinghouse liefert mit seinen jüngsten Aussagen zur Rolle von XRP eine interessante Verschiebung im Narrativ der Krypto-Industrie: Nicht jede Ripple-Expansion muss zwangsläufig in einer höheren Nachfrage nach dem Token enden. Garlinghouse sagte auf einem Panel zu Krypto-Assets sinngemäß, dass XRP zwar als Brückenasset dienen kann, aber nicht in jedem Zahlungsfall die beste Lösung ist: „It could be that XRP is the best bridge asset for that purpose, or it could be that, no, a stablecoin is going to solve that problem better.“ Diese Einordnung wirkt vor allem deshalb wie ein Spalt zwischen „Ökosystem-Wachstum“ und „Token-Nachfrage“, weil sie die Zahlungslogik stärker in Richtung Wertstabilität und weniger in Richtung Volatilität lenkt.
Technisch ist der Kern dabei simpel: XRP ist ein volatiles Asset, dessen Preis sich an Marktaktivität ausrichtet, während Stablecoins wie RLUSD oder USDC in der Praxis darauf ausgelegt sind, den Wert eng an eine Zielgröße zu koppeln. Für Zahlungs- und Treasury-Prozesse bedeutet das oft weniger Risiko im Tagesgeschäft, weil die Kosten für „falsche“ Kursbewegungen zwischen Abrechnung, Buchung und Weiterverarbeitung sinken können. Der in der Quelle beschriebene Kontext geht sogar weiter: Dort wird argumentiert, dass einige Unternehmen wegen der „Audit-Headaches“ bei volatilen Assets vermehrt auf dollar-stabile Alternativen setzen könnten. Damit verschiebt sich die Debatte von der Frage „Wie schnell wächst Ripple?“ hin zu „Wie gut lässt sich ein Asset für Buchhaltung, Reporting und Zahlungsabwicklung operationalisieren?“
Marktseitig spiegelt sich die Spannung zwischen Narrativ und Kursentwicklung in den genannten Zahlen: XRP wird in dem Beitrag am 25. September 2026 mit 1,55 US-Dollar geführt, am gleichen Tag werden plus 4,5 % Tagesplus genannt. Gleichzeitig liegt der Token über die längere Perspektive klar schwächer: 2026 werden -15,6 % ausgewiesen, und über das vergangene Jahr werden -43,4 % erwähnt. Solche Spannen sind für Unternehmen relevant, weil sie die Risikoparameter für Preisvolatilität und Liquiditätsplanung festlegen. Wenn ein Corporate Treasurer die Zahlungsdurchführung plant, ist die Frage nicht nur, wie „groß“ ein Ökosystem ist, sondern auch, welche Wertschwankungen in den Abwicklungs- und Prüfpfaden akzeptiert werden können.
Bemerkenswert ist dabei, dass Ripple bereits selbst Stablecoins in sein Produktportfolio integriert. Laut Quelle wird Ripple USD (RLUSD) als Pendant zu anderen Zahlungsoptionen wie USDC und USDT beschrieben und zugleich im Verbund mit „traditionellen Währungen“ genannt. RLUSD soll den Wert auf 1 US-Dollar ausrichten, während XRP explizit als Asset mit schwankendem Preis eingeordnet wird. Die Quelle behauptet zudem, dass RLUSD bereits sehr hohe Tagesvolumina abdeckt und über eine Gesamtmenge in Milliardenhöhe verfügt; in der Logik des Beitrags entsteht so ein Szenario, in dem Ripple Umsätze generieren kann, ohne dass Kunden zwingend XRP anfassen müssen. Für die Token-Nachfrage wäre das langfristig ein wichtiger Punkt: Wenn stabile Zahlungsflüsse hauptsächlich über Stablecoins laufen, wird XRP eher zur optionalen Brücke als zum Standardinstrument.
Aus einer Historie-Perspektive passt das in einen größeren Trend der letzten Jahre: Stablecoins sind für viele Unternehmen deshalb attraktiv geworden, weil sie im Zahlungsverkehr die funktionalen Eigenschaften eines „digitalen Dollars“ mit schnelleren Transferwegen kombinieren. XRP dagegen wird in solchen Modellen häufiger als Brücken- oder Liquiditätsasset diskutiert, also dort, wo mehrere Währungs- und Tokenwelten kurzfristig „ineinander übersetzt“ werden. Der Beitrag macht zudem einen psychologisch-technischen Punkt stark: „Building a portfolio“ und „living off one“ seien zwei unterschiedliche Fähigkeiten. Übertragen auf die Zahlungsdiskussion heißt das: Selbst wenn ein Unternehmen mit Krypto-Assets experimentiert, folgt daraus nicht automatisch, dass es Token-Volatilität als operatives Zahlungsmittel dauerhaft „mitliefert“.
Für die Praxis bei Enterprise-Teams ergibt sich daraus eine klare Konsequenz: Die Auswahl zwischen XRP und Stablecoins dürfte weniger eine Ideologiefrage sein, sondern eine Frage der Prozessintegration. Teams müssen klären, wie sich Werte in ERP- und Buchhaltungssysteme abbilden lassen, wie Kontrollen im Audit aussehen und wie Liquidität in kurzen Zeitfenstern beschafft wird. Wenn XRP als Brückenasset eingesetzt wird, entsteht oft ein zusätzlicher Schritt im Wertmanagement; wenn Stablecoins den Zahlungszweck direkt erfüllen, reduziert sich dagegen die Notwendigkeit, Tokenpreisrisiken in den Abrechnungsprozess hineinzunehmen. Unterm Strich verschiebt Garlinghouses Aussage damit den Fokus: Nicht „Ripple fördert XRP“ steht im Zentrum, sondern „welches Asset löst den konkreten Zahlungsfall am zuverlässigsten?“
Gleichzeitig bleibt die Marktdynamik offen, weil der Beitrag auch erwähnt, dass Garlinghouse nicht als XRP-Maximalist auftritt und sogar Solana hält. Das deutet darauf hin, dass er Krypto nicht als monolithisches Spiel um einen einzigen Token betrachtet, sondern als Portfolio- und Technologiefrage. Für die Nachfrage nach XRP heißt das: Selbst wenn Ripple und Partnertechnologien reifen, muss der Token nicht zwingend der erste Berührungspunkt für Zahlungen sein. Entscheidend wird sein, ob sich in der Praxis mehr Use Cases herausbilden, in denen XRP als bevorzugte Brücke gegenüber Stablecoins fungiert, oder ob sich der Zahlungsalltag stärker zu wertstabilen Optionen verschiebt.
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