SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Startup Prismm will Banken dabei helfen, Gelder nach dem Tod eines Kontoinhabers in der eigenen Institution zu halten. Das Unternehmen integriert Begünstigten- und Nachlassplanung bereits in die Kontoführung und ermöglicht so eine digitale Überleitung, sobald der Todesfall eintritt. Familien sollen dadurch nicht mehr von mehreren Instituten und Dokumentenstapeln abhängig sein. Prismm präsentiert seine Lösung auf der Startup-Bühne der Tech-Event-Reihe in San Francisco, wo der Wettbewerbsvorteil auf dem Thema „Transition“ statt „Neukundenakquise“ liegt.

Wenn ein Kontoinhaber stirbt, entscheidet in der Praxis oft nicht die Strategie des Finanzhauses über den Verbleib der Gelder, sondern die fehlende Systematik im Übergang. Genau dort setzt Prismm an: Das Startup positioniert seine Technologie als „Infrastruktur“, die Banken die Begünstigten- und Nachlassplanung in die Konten integrieren lässt, statt den Prozess später von Hand und über verschiedene Kanäle zu organisieren. Im Kern geht es um den Moment, in dem Erben Zugriff auf Konten, Dokumente und damit verbundene Vermögenswerte bekommen sollen, ohne dass Familienangehörige erst mühsam Institutionen und Unterlagen zusammen suchen müssen.
Die Ausgangsidee stammt aus persönlichen Erfahrungen der Gründerinnen Martha Underwood und Shella Sylla, die beide langjährige Praxis in Banking und Finance mitbringen. Im Jahr 2017 wurde der Vater einer der Gründerinnen nach einem Unfall im Kontext von Hurrikan „Irma“ hospitalisiert; die Familie stand danach vor der Herausforderung, wichtige Dokumente und Finanzinformationen schnell zu finden, obwohl diese bislang stark an einer Person hingen. Auch eine im späteren Verlauf klarere Genesung änderte nichts daran, dass das Gefühl des „Nicht-Wissens“ über Zugänge und Unterlagen als dauerhaftes Muster zurückblieb. Unterwood beschreibt daraus abgeleitet, dass das Problem weniger mit „Vermögenswachstum“ zu tun hat, sondern mit Übergabe- und Transferprozessen, die bisher kaum systematisch digitalisiert wurden.
Technisch betrachtet verspricht Prismm, den Transfer in zwei Teile zu zerlegen: erst das vorbereitende Hinterlegen von Identität, Zustimmung und relevanten Unterlagen, dann die anschließende Aktivierung durch die berechtigten Personen. Kontoinhaber können demnach ausgewiesenen Familienmitgliedern bereits vorab Zugriff auf Konten und Dokumente geben. Stirbt der Kontoinhaber, kann die designierte Person laut Konzept in einem Zugriffspunkt einsteigen, Assets und Dokumente gebündelt sehen und anschließend digitale Begünstigten-Übertragungen anstoßen. Entscheidend ist dabei, dass der Prozess remote funktionieren soll – auch wenn Angehörige in unterschiedlichen Bundesstaaten leben – weil die für den Vollzug nötigen Informationen in der Institution bereits vorliegen.
Im Produktportfolio unterscheidet Prismm zwei „institutionelle“ Basiskomponenten und einen dritten Schritt, der gerade vorbereitet wird. Prismm Designate soll Banken eine digitale Möglichkeit geben, Begünstigte selbst zu pflegen und Updates schneller verfügbar zu machen. Der Fokus liegt damit auf Geschwindigkeit und weniger Reibung bei der Aktualisierung von Zuständigkeiten – ein Punkt, der in Übergangssituationen häufig erst dann sichtbar wird, wenn es schon zu spät ist. Prismm Anchor ergänzt das Setup um einen sicheren Ablageort für Konten, Dokumente, Eigentum und weitere Vermögenswerte über mehrere Institute hinweg, allerdings eingebettet in Angebote, die über Finanzinstitute bereitgestellt werden. Dadurch soll ein separater Consumer-Account oder eine zusätzliche App im Alltag entfallen, während kontrollierte Zugriffe für designierte Personen erhalten bleiben.
Der dritte Baustein, Prismm Continuity, zielt auf die operative Durchführung: Das System soll Mitarbeitende und Familien Schritt für Schritt durch den Transferprozess führen. Damit verschiebt sich – zumindest nach dem Anspruch des Startups – der „schwierigste Teil“ von den Betroffenen hin zur Bankseite, wo Prozesse, Nachweise und Freigaben typischerweise ohnehin zusammenlaufen. Genau hier wird der Unterschied zu reinen Endkunden-Produkten sichtbar, die laut Underwood häufig zu spät abgefordert werden: Wenn Verbraucher im Todesfall „nebenbei“ auch noch eine komplizierte digitale Aufgabe erledigen sollen, wird diese im Alltag schnell nach hinten geschoben. Unterwood führt zudem an, dass in der Realität häufig Angehörige die organisatorische Arbeit übernehmen – gerade dann, wenn neben dem Trauerfall auch Kinderbetreuung und weitere Verpflichtungen anfallen.
Für Banken ist die strategische Logik dabei vor allem markt- und kostengetrieben. Prismm argumentiert, dass Finanzinstitute jährlich Milliarden an Einlagen durch „estate attrition“ verlieren, wenn Erben vererbtes Vermögen zu anderen Instituten transferieren. Der Mechanismus wirkt aus Systemsicht plausibel: Wo Banken keine nachvollziehbaren Übergangsprozesse und keinen vernetzten Zugriff auf Begünstigteninformationen haben, entsteht ein Zeit- und Vertrauensvakuum, das Erben gerne mit einem Wechsel der Bankfüllung adressieren. Stattdessen will Prismm Banken ermöglichen, Übergaben mit vorhandenen Begünstigungsdaten und vereinfachten Erbschaftsabläufen zu vollziehen – mit dem Ziel, Assets und potenzielle Anschlusskundschaft innerhalb der Institution zu halten.
Damit stellt sich auch die Wettbewerbsfrage, wie „digitale Nachlassprozesse“ künftig in die Core-Systeme integriert werden. Prismm betont die direkte Einbettung in Bank-Backends, was in der Praxis bedeutet: Nicht nur eine hübsche Benutzeroberfläche ist entscheidend, sondern die saubere Kopplung von Identität, Einwilligungen, Dokumentenbereitstellung und späteren Berechtigungslogiken. Für die Umsetzung im Bankbetrieb heißt das auch, dass Datensicherheit, Rollenmodelle und Auditierbarkeit von Anfang an mitgedacht werden müssen, weil der Zugriff in einem besonders sensiblen Lebensereignis freigeschaltet wird. Unternehmen, die diese Übergangsphase als Teil ihres Kundenlebenszyklus betrachten, könnten dadurch die technische Lücke schließen, die sonst zwischen Kontoeröffnung und Nachlassbearbeitung klafft – und genau diese Lücke adressiert Prismm mit seinem Ansatz, von „Tag eins“ an Infrastruktur statt Nacharbeit aufzubauen.
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