BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Umfrage von Moonfare zeigt: Trotz anhaltender Exit-Flaute planen mehr Privatinvestor: innen 2027 neue Allokationen in Private Markets. 63 % der Befragten wollen zusätzlich investieren, während 58 % erwarten, dass Privatmärkte in 1 bis 3 Jahren besser abschneiden als öffentliche Märkte. Besonders stark ist die Nachfrage nach Wachstums- und Venture-Capital-Investments, und KI bleibt der zentrale Disruptor-Treiber. Für DACH zeigt sich dabei Optimismus, aber mit spürbar selektiverem Risiko-Blick.

In einem Umfeld, in dem Private-Equity-Exits vielerorts langsamer laufen als Anleger es gewohnt waren, verschiebt sich die Aufmerksamkeit der Privatinvestor: innen spürbar: Sie planen offenbar nicht gegen den Zyklus, sondern trotz ihm. Eine neue Moonfare-Investorenumfrage, erhoben im Zeitraum Juni bis September 2026 und mit 303 befragten Nutzer: innen der Plattform aus Europa, Nordamerika, Asien und dem Nahen Osten, liefert dazu eine recht klare Kernaussage. 63 % der vermögenden Privatanleger: innen planen für 2027 neue Allokationen in Privatmärkte – nach 55 % im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt das Thema Exit präsent: Zwar geben 66 % an, dass Exits entscheidend sind, doch das langsame Ausschüttungstempo reicht für die Mehrheit nicht aus, um die Investitionsbereitschaft zu bremsen.
Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass viele Anleger: innen ihre Renditelogik inzwischen stärker über die Haltedauer und weniger über kurzfristige Liquidität steuern. Mehr als die Hälfte (58 %) geht davon aus, dass Privatmärkte in den nächsten 1–3 Jahren besser abschneiden werden als öffentliche Märkte – ein Anstieg gegenüber 54 % im Vorjahr. Auffällig ist zudem der Umstand, dass die Bereitschaft zur Kapitalbindung nicht automatisch mit dem Wunsch nach Discount-Verkäufen kollidiert: Fast zwei Drittel (62 %) würden ihren Private-Equity-Bestand nicht mit einem kleinen Abschlag verkaufen, um sofort Liquidität zu erhalten. In der Praxis bedeutet das: Wer Liquidität braucht, muss eher Alternativen finden (beispielsweise Strukturierung oder spätere Exit-Fenster), statt kurzfristig den Preis zu akzeptieren.
Technisch betrachtet steckt hinter dieser Haltung weniger ein Bauchgefühl als eine Erwartung an die nächste Phase in der Renditeerzielung. Die Studie verbindet das mit einer These, die in der Branche seit Monaten diskutiert wird: Höhere Finanzierungskosten und ein anspruchsvolleres Exit-Umfeld führen dazu, dass Wertsteigerung stärker aus operativer Verbesserung und belastbarer Deal-Qualität kommen muss. In diesem Kontext erwarten mehr als zwei Drittel (68 %), dass Mid-Market-Buyouts in den nächsten ein bis drei Jahren andere Strategien übertreffen. Noch deutlicher wird das Bild bei der Frage, wie Anleger: innen mit Risiken und Bewertungen umgehen: Wenn die Bereitschaft zu Abschlagsverkäufen gering bleibt, wächst die Bedeutung selektiver Managerauswahl und passender Investmentstrukturen – also genau jener Stellhebel, die im Private-Market-Alltag die Renditequalität maßgeblich prägen.
Besonders spannend ist, wie stark das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in den Anlagepräferenzen verankert ist. Laut Umfrage sehen 95 % der befragten Private-Market-Investor: innen KI als Disruptor für traditionelle Softwareunternehmen; gleichzeitig ist die Nachfrage nach Wachstums- und Venture-Capital-Investments nahezu verdoppelt (von 26 % auf 46 %). Künstliche Intelligenz hatte mit 61 % die größte Überzeugungskraft unter den Branchen, und mehr als die Hälfte der Befragten plant, zwischen 11 % und 30 % des Portfolios in KI-bezogene Investments zu allokieren; 11 % würden sogar 31 % bis 50 % investieren. Diese Verteilung wirkt wie ein Signal an den Markt: KI wird nicht nur als Technologie-Thema gesehen, sondern als potenzieller Beschleuniger für Geschäftsmodelle, die im Wachstums- und Frühphasenbereich schneller skaliert werden können.
Für die Umsetzung im Portfolio sind dabei nicht nur die Schlagworte entscheidend, sondern auch die Rangfolge innerhalb der KI-Investmentlogik. Die Studie nennt KI-Anwendungen als vielversprechendsten Bereich für KI-Investments – noch vor Infrastruktur, Robotik und großen Sprachmodellen (Large Language Models). Das ist plausibel, weil Anwendungen im Regelfall näher an messbaren Nutzungsszenarien liegen und damit eher eine nachvollziehbare Bruttowertschöpfungs-Story erlauben. Gleichzeitig bleibt der Blick auf die Makrolage regional unterschiedlich: In der DACH-Region erwarten zwar 63 % der Anleger: innen eine Outperformance von Privatmärkten gegenüber öffentlichen Märkten in den nächsten 1–3 Jahren (gegenüber 53 % in anderen Märkten), doch die Risikowahrnehmung variiert deutlich. Zölle und Handelskonflikte dominieren dort die Agenda: Fast jede: r zweite (49 %) nennt sie als zentrale Sorge, während Inflation mit 37 % deutlich weniger beunruhigt als andernorts (61 %). Bei Private Credit zeigt sich zudem Vorsicht: Nur 23 % der DACH-Befragten sind von dessen Widerstandsfähigkeit überzeugt, im Vergleich zu 35 % in anderen Märkten. Auch Secondaries und Finanzdienstleistungen gelten in der Region als weniger attraktiv – damit wird eine selektive Risikosteuerung im Portfolio konkret.
Damit rückt neben der Anlagestrategie auch die Frage in den Vordergrund, wie Privatanleger: innen überhaupt auf solche Märkte zugreifen und welche Rolle der Plattform-Ansatz spielt. Moonfare beschreibt sich als globale Plattform und Vermögensverwaltungsgruppe für Private Markets mit Fokus auf qualifizierte Privatanleger: innen und Family Offices; der Zugang soll über geringere Mindestanlagen und institutionelle Konditionen erleichtert werden. Interessant ist dabei die Einbettung in den regulatorischen Rahmen: Im Text heißt es, Moonfare Financial Services GmbH verfüge über eine Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) zur Erbringung von Wertpapierdienstleistungen wie Anlagevermittlung, Anlageberatung und Portfoliomanagement gemäß WpIG, und unterliege der laufenden Aufsicht. Für die Marktmechanik ist das relevant, weil Plattformen zwischen Anlegern und den zugrunde liegenden Investments eine operative Übersetzung leisten müssen – von Co-Investments und Secondaries bis hin zu Direktinvestitionen. Wenn Anleger: innen zugleich längere Haltedauern akzeptieren, wird diese Übersetzungsarbeit umso wichtiger: Deal-Qualität, Strukturierung und Timing können dann stärker zum Erfolgsfaktor werden als das kurzfristige Exit-Fenster.
Unterm Strich zeichnet die Umfrage ein Bild, das eher nach „selektivem Durchhalten“ als nach blindem Optimismus aussieht. Die Mehrheit plant neue Allokationen, die Bereitschaft zu Abschlagsverkäufen ist begrenzt, und KI wird als Disruptor sowie als wachstumsfähiger Investmentpfad bewertet. Für DACH-Anleger: innen kommt jedoch eine klare Differenzierung hinzu: Makrotreiber, Risikobudget und die Einschätzung einzelner Strategien fallen nicht identisch aus wie in anderen Regionen. Genau diese Kombination aus langfristiger Ausrichtung und regionaler Selektivität könnte die nächste Phase der Private-Markets-Stimmung prägen – und sie legt nahe, dass sich Anleger künftig noch stärker an Managerfähigkeit, operative Werttreiber und realistische Exit-Pfade orientieren.
Auch die Einordnung des Marktumfelds liefert dabei zusätzliche Spannung: Die Studie verweist auf ein Jahr, das von Gating-Vorfällen, vorübergehenden Rücknahmestopps, hohen Rücknahmen und allgemeiner Marktunsicherheit geprägt war. Dass die überwiegende Mehrheit dennoch Kapitalzusagen plant, ist damit weniger ein Widerspruch als ein Hinweis auf eine Veränderung der Entscheidungsparameter. Künftig wird vermutlich stärker bewertet, wie Investments in einem Umfeld mit höheren Finanzierungskosten Erträge steigern können und wie gut operative Prozesse verbessert werden. Die Auswahl des richtigen Teams und passender Investmentvehikel wird dadurch noch stärker zum praktischen Filter – und für Privatinvestor: innen wird die Plattformlogik damit zum zentralen Bestandteil der Umsetzung.
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