BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Psychische Erkrankungen sind mittlerweile die häufigste Ursache für Fehlzeiten in deutschen Unternehmen und übertreffen sogar Rückenleiden. Die Belastung durch Pflege und die Risiken der Künstlichen Intelligenz verschärfen die Situation weiter. Unternehmen stehen vor der Herausforderung, gesetzliche Pflichten zur Gefährdungsbeurteilung zu erfüllen, um rechtliche Risiken zu vermeiden.

Psychische Erkrankungen haben sich in den letzten Jahren zur Hauptursache für Fehlzeiten in deutschen Unternehmen entwickelt. Laut aktuellen Daten der Techniker Krankenkasse entfielen im ersten Quartal 2026 durchschnittlich 0,99 Fehltage pro Erwerbsperson auf psychische Erkrankungen. Dies stellt einen signifikanten Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren dar, in denen der Wert bei 0,92 Tagen lag. Damit übertreffen psychische Erkrankungen inzwischen sogar die traditionell häufigen Rücken- und Gelenkprobleme, die bei 0,65 Tagen liegen.
Ein wesentlicher Faktor, der zur Zunahme der psychisch bedingten Fehlzeiten beiträgt, ist die steigende Belastung durch Pflegeverantwortungen. In Deutschland sind mittlerweile fast sechs Millionen Menschen pflegebedürftig, was eine Verdopplung seit 2017 darstellt. Diese Entwicklung hat erhebliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, da 13 Prozent der Frauen und 8 Prozent der Männer Angehörige pflegen. Ein Drittel dieser pflegenden Personen fühlt sich stark belastet, was die psychische Gesundheit zusätzlich beeinträchtigt.
Die gesetzliche Verpflichtung zur psychischen Gefährdungsbeurteilung, die seit 2013 besteht, wird von vielen Unternehmen noch immer nicht ausreichend umgesetzt. Dies birgt erhebliche rechtliche Risiken, da im Ernstfall hohe Kosten auf die Betriebe zukommen können. Die Handwerkskammer Mannheim bietet daher spezielle Webseminare an, um Unternehmen bei der Umsetzung dieser Pflicht zu unterstützen. Besonders im Handwerk haben sich die psychisch bedingten Fehltage in den letzten 15 Jahren verzehnfacht.
Ein weiterer Aspekt, der die Debatte um psychische Gesundheit beeinflusst, ist der Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Eine Untersuchung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zeigt, dass 65 Prozent der 16- bis 39-Jährigen bereits mit KI-Chatbots über psychische Probleme gesprochen haben. Obwohl 85 Prozent der Nutzer die Gespräche als hilfreich empfanden, äußerten 53 Prozent nach der Interaktion verstärkt Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid. Die Stiftung warnt daher eindringlich davor, KI als Ersatz für professionelle Diagnostik zu betrachten.
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