VENLO/HILDEN / LONDON (IT BOLTWISE) – QIAGEN hat im zweiten Quartal 2026 beim Umsatz mit 535 Millionen US-Dollar in etwa auf Vorjahresniveau geliefert und damit die Erwartungen vieler Marktteilnehmer übertroffen. Das Management verweist auf solide Zuwächse bei Probentechnologien und Verbrauchsmaterialien, während der Instrumentenbereich weiter schwächelt. Beim Tuberkulosetest Quantiferon gelang ein währungsbereinigtes Plus von 1 Prozent, gleichzeitig bleibt die Dynamik wegen geringerer Tests in den USA begrenzt. Unverändert ist die Prognose, die auf einen Umsatzanstieg und ein währungsbereinigtes Ergebniswachstum in der zweiten Jahreshälfte setzt.

Der Labordienstleister QIAGEN startet zwar nicht mit Rückenwind ins Jahr, liefert aber im zweiten Quartal ein deutlich besseres Bild als viele es nach dem Jahresauftakt erwartet hatten. Für die drei Monate bis Ende Juni meldete das DAX-Unternehmen einen Umsatz von 535 Millionen US-Dollar – nahezu unverändert zum Vorjahresniveau. Entscheidend ist dabei weniger die nackte Zahl als die Abweichung zu den Marktannahmen: Branchenkonsens rechnete mit einem Rückgang, QIAGEN übertraf zudem die eigenen Erwartungen bei konstanten Wechselkursen.
Operativ zeigt sich die Story in der Zusammensetzung: Während die Instrumentensparte insgesamt rückläufig war, blieb die Nachfrage nach Probentechnologien und leichten Zuwächsen bei Verbrauchsmaterialien stabil. Dazu zählt das Portfolio rund um QIAcuity und QDI, das als Wachstumstreiber genannt wurde. Gleichzeitig macht das Unternehmen die Ursache für die schwächere Entwicklung bei Instrumenten konkret fest: Life-Science-Kunden in den USA investieren weiterhin zurückhaltend, was sich direkt auf Verkäufe von Mess- und Laborsystemen auswirkt.
Ein zentrales Augenmerk liegt auf dem Tuberkulosetest Quantiferon, der für die Profitabilität und Planbarkeit des Geschäfts historisch wichtig war. Für Quantiferon nennt QIAGEN im Quartal ein Wachstum von währungsbereinigt 1 Prozent. Der Hintergrund ist jedoch nicht nur operativ, sondern gesellschaftlich: Die strengere Einwanderungspolitik in den USA führt dazu, dass weniger Menschen getestet werden. Für QIAGEN bedeutet das, dass Absatz und damit Umsatzentwicklung kurzfristig gegen einen realen Nachfragerückgang laufen – auch wenn das Unternehmen an einer sukzessiven Verbesserung im Jahresverlauf festhält.
Auf der Ergebnis-Ebene dämpft QIAGEN die Auswirkungen, indem Kosten gesenkt werden und die operative Lage besser ausfällt als gedacht. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis sank zwar im Vergleich um 2 Prozent auf 157 Millionen US-Dollar, aber es blieb ebenfalls über den Erwartungen. Unter dem Strich erhöhte der Konzern den Gewinn um 7 Prozent auf 103 Millionen US-Dollar – ausdrücklich auch dank Kosteneffekten. In den Zahlen spiegelt sich damit ein typisches Muster der Diagnostikbranche: Wenn die Nachfrage nach bestimmten Gerätelinien schwankt, stabilisieren Verbrauchsmaterialien und softwarenahe Workflows häufig die Margen, während der Ergebnishebel über Effizienzmaßnahmen ergänzt wird.
Für die weitere Entwicklung bestätigt das Management die Prognose, die im April nach einer schwächeren Quantiferon-Entwicklung und der trägeren Investitionslaune in den USA gesenkt worden war. Für QIAGEN steht damit in Aussicht, dass der Umsatz zu konstanten Wechselkursen um 1 bis 2 Prozent zulegen dürfte; beim bereinigten Gewinn je Aktie wird mindestens 2,43 US-Dollar erwartet. Zusätzlich soll die zweite Jahreshälfte spürbar besser laufen, unter anderem weil die Vergleichsbasis sinkt: Bereits im Vorjahreszeitraum fielen Umsätze durch die Einstellung des Geräts NeumoDX weg, was künftig als Gegenüber weniger belastet.
Operativ konkreter wird die Guidance bei der Roadmap für Quantiferon: Im restlichen Jahresverlauf soll der Test sukzessive in Richtung eines 2026-Zielumsatzes von 500 Millionen US-Dollar laufen. Zum ersten Halbjahr waren davon nicht ganz die Hälfte erreicht. Für das dritte Quartal kündigt das Management ebenfalls einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von 1 bis 2 Prozent an – gemessen am Vergleich mit 533 Millionen US-Dollar im Vorjahr. Auch bei der Ergebniskennzahl wird Transparenz geliefert: Der bereinigte Gewinn je Aktie soll im dritten Quartal währungsbereinigt bei mindestens 62 US-Cent liegen, nach 61 Cent im Jahr 2025.
Neben der operativen Steuerung bleibt ein zweiter Faktor im Fokus: Der Wechsel an der Konzernspitze. Thierry Bernard, scheidender Vorstandsvorsitzender, hatte bereits im vergangenen November seine Ausstiegspläne angekündigt; wer ihn später ablöst, bleibt laut den bisherigen Angaben offen, soll aber in der zweiten Jahreshälfte feststehen. Für Anleger und Geschäftspartner ist das relevant, weil in der Diagnostik häufig Produktzyklen, Vertriebsinvestments und die Priorisierung zwischen Instrumenten- und Verbrauchslogik stark vom Führungsteam mitgetragen werden. Bis dahin dürfte QIAGEN versuchen, die positive Entwicklung der Probentechnologien weiter zu verstetigen und gleichzeitig die Investitionszurückhaltung in den USA im Instrumentengeschäft durch neue Produkte abzufedern.
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