WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Quantenelektronenoptik verspricht eine Revolution in der Mikroskopie. Forscher der TU Wien arbeiten an einer Methode, die es ermöglicht, kleinste biologische Strukturen zerstörungsfrei sichtbar zu machen. Diese Technologie könnte nicht nur die Untersuchung von DNA-Strängen revolutionieren, sondern auch neue Möglichkeiten in der Materialforschung und Energiespeichertechnologie eröffnen.

Die Welt der Mikroskopie steht vor einem potenziellen Paradigmenwechsel. Während herkömmliche Transmissionselektronenmikroskope bereits beeindruckende Auflösungen von bis zu 0,045 Nanometern erreichen, stoßen sie bei der Untersuchung biologischer Proben an ihre Grenzen. Der Elektronenstrahl kann die empfindlichen Bindungen in organischen Materialien zerstören, was die Analyse von DNA-Strängen oder Proteinstrukturen erschwert.
Hier setzt die Forschung von Professor Philipp Haslinger und seinem Team an der TU Wien an. Sie entwickeln eine innovative Methode namens Quantenelektronenoptik, die auf der Kombination von Transmissionselektronenmikroskopie und Spinresonanzspektroskopie basiert. Diese Technik, inspiriert von der Magnetresonanztomografie (MRT), verspricht eine zerstörungsfreie Untersuchung auf atomarer Ebene.
Die potenziellen Anwendungen dieser Technologie sind vielfältig. Neben der Biologie könnten auch die Materialforschung und Energiespeichertechnologien von den neuen Möglichkeiten profitieren. Haslinger betont, dass die Quantenelektronenoptik der Mikroskopie eine neue Dimension verleiht, indem sie bisher unsichtbare Informationen sichtbar macht. Dies könnte zu bahnbrechenden Erkenntnissen führen, ähnlich wie die Einführung der MRT in der medizinischen Bildgebung.
Obwohl die Technologie noch in der Entwicklung ist, hat das Team bereits erste Erfolge erzielt. Mit ihrem Prototypen können sie quantenmechanische Eigenschaften von mikroskopischen Objekten messen, was bisher nicht möglich war. Die angestrebte atomare Auflösung ist jedoch noch nicht erreicht, weshalb weitere Prototypen in Planung sind. Unterstützt wird das Projekt durch Förderungen, die es ermöglichen, die Forschung voranzutreiben und gleichzeitig an einer Spin-off-Gründung zu arbeiten.
Die Elektronenmikroskopie ist ein Milliardenmarkt, und die von Haslingers Team entwickelte Technologie könnte in Zukunft neue Anwendungen in diesem Bereich ermöglichen. Erste Kooperationen sind bereits in Aussicht, und der Rollout der Technologie könnte in einigen Jahren erfolgen. Ob die Technologie selbst hergestellt oder Lizenzen an Partner vergeben werden, ist noch offen. Entscheidend wird sein, wie gut die nächsten Prototypen funktionieren und wie groß das Interesse tatsächlich ist.
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