LONDON (IT BOLTWISE) – Rabbit wendet sich vom dedizierten KI-Handgerät ab und startet OS3 als agentischen Betrieb über mehrere Bildschirme. Das System läuft als Cloud-Plattform, wird aber durch einen lokalen Agenten auf Windows, macOS oder Linux verbunden. Nutzer greifen auf OS3 per Desktop-Browser, Telegram oder iMessage zu, ohne ein Rabbit R1 besitzen zu müssen. Gleichzeitig verspricht Rabbit einen BYOK-Ansatz mit eigenen API-Keys und hält Dateiinhalte lokal, während nur die für das Modell benötigten Inhalte über Server an den Modellanbieter laufen.

Rabbit bringt mit OS3 einen agentischen KI-Betrieb auf mehrere Bildschirme
Rabbit bringt mit OS3 einen agentischen KI-Betrieb auf mehrere Bildschirme (Foto: IT BOLTWISE)
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Nach dem Hype um dedizierte KI-Hardware kommt bei Rabbit die zweite Welle – allerdings mit einer klaren Richtungsänderung. OS3 wird als „agentic operating system“ beschrieben und soll über mehrere Geräte hinweg funktionieren, statt nur auf einem einzelnen Handgerät zu sitzen. Damit adressiert der Startup-Ansatz genau das, was sich in den vergangenen 1,5 bis 2 Jahren bei KI-Assistants verändert hat: Die Nutzer erwarten heute weniger eine neue Gadget-Schublade, sondern eine nahtlose Ausführung von Aufgaben auf den Systemen, die sie ohnehin schon verwenden.

Im Kern setzt Rabbit auf eine Cloud-Komponente, die aber nicht als „fernes schwarzes Kästchen“ arbeitet. OS3 verbindet sich direkt mit Desktop-Software, Dateien und Webinhalten über einen lokalen Agenten, der auf Windows, macOS oder Linux installiert wird. Die Aufgabe, die der Nutzer im Chat formuliert, wird anschließend intern so koordiniert, dass das passende Gerät eine Aktion übernimmt. Pro Konto sollen bis zu fünf Maschinen angebunden sein, und OS3 entscheidet „hinter den Kulissen“, welcher Rechner die jeweilige Teilaufgabe ausführen soll – ein Ansatz, der besonders dann Sinn ergibt, wenn ein Teammitglied am Desktop arbeitet, aber unterwegs über Messenger steuert.

Technisch nennt Rabbit außerdem DLAM (Direct Large Action Model) als zentrale Technologie, mit der OS3 lokale Softwareaufgaben ausführen und sogar autonom Code schreiben sowie debuggen kann. Die Bedienung folgt dabei einem einzigen durchgehenden Chat-Stream, ohne seitliche Threads, was Rabbit als „brain dump“-Schnittstelle positioniert: Man beschreibt die Absicht, und das System organisiert die nötigen Modelle und Tools, um das Ergebnis zu liefern. Besonders praxisnah wirkt dabei die Idee „Universal Skill Compatibility“: Nutzer sollen einen öffentlichen URL zu Third-Party-Agent-Skills in den Chat einfügen können, worauf OS3 diese Fähigkeiten automatisch installieren soll – ohne dass Anwender technische Integrationsarbeit leisten.

Auch beim Kontenmodell und beim Zugriff auf KI-Ressourcen geht Rabbit einen ungewöhnlich klaren Weg. Statt einer monatlichen Abo-Pauschale setzt OS3 laut Darstellung auf „Bring Your Own Key“ (BYOK): Nutzer liefern eigene API-Keys von Anbietern wie OpenAI oder Anthropic oder binden lokale Open-Source-Modelle an. Damit lässt sich die Kostenstruktur besser steuern und die Abhängigkeit von einer einzelnen Plattform verringern. Gleichzeitig grenzt Rabbit die Datenverarbeitung nach eigener Aussage ein: Der lokale Agent speichert, kopiert oder verkauft keine Dateiinhalte; Gespräche und Memory-Logs liegen auf Rabbit-Servern, während Dateiinhalte auf dem eigenen Rechner verbleiben. Sobald jedoch Modell-Razonning benötigt wird, sollen die relevanten Prompts über Rabbit-Server an den jeweiligen Modellanbieter laufen – die Entkopplung ist also nur teilweise, weil für das eigentliche „Denken“ weiterhin ein externer Modellweg erforderlich sein kann.

Die Umstellung wirkt auch deshalb strategisch, weil Rabbit nach der R1-Erfahrung offenbar gelernt hat, was im Alltag wirklich zählt. Beim R1 hatte das Unternehmen auf ein dediziertes Gerät gesetzt, das per Sprach- oder Tasking-Kommandos Handlungen in Apps anstoßen sollte – inklusive der bekannten Kritik, dass „agentische“ Funktionen nicht zuverlässig genug liefen. Rabbit ordnet den Schritt nun als Pivot ein: OS3 soll nicht als neuer Chatkanal funktionieren, der neben Apps steht, sondern als Orchestrator, der Routineabläufe übernimmt. Dafür nennt das Unternehmen konkrete Beispiele aus dem Alltag: Ein Excel-Report zu R1-Verkäufen wird wöchentlich als Datei zugestellt; OS3 soll die Auswertung und das Eintragen in eine Master-Übersicht mit einer Nachricht über Telegram anstoßen können. Ebenso schildert Rabbit, dass OS3 in einem Fall eine rund 50-minütige Unterhaltung für den Gründer in Slack geführt haben soll und dabei sogar auf lokale Dateien zugreifen konnte, um Fragen zu beantworten.

Marktseitig ist die Timing-Logik nachvollziehbar. Rabbit steht nicht allein da: In der Branche wird aktuell intensiv darüber diskutiert, wie Agenten im Rahmen von Nutzerszenarien auch außerhalb einzelner Apps handeln dürfen – und welche Grenzen technische Systeme dabei respektieren müssen. Auch wenn Rabbit OS3 stärker auf den eigenen lokalen Agenten und BYOK fokussiert, bleibt das Grundprinzip ähnlich: Agenten sollen nicht nur „antworten“, sondern Aktionen ausführen und dabei den Nutzerfluss entlasten. Dass Rabbit im R1-Kontext auf dedizierte Hardware verzichtet, reduziert zudem die Reibung für Einsteiger, weil OS3 ohne R1 nutzbar sein soll und über Desktop-Browser, Telegram oder iMessage erreichbar ist.

Für bestehende Besitzer gilt: Wer ein Rabbit R1 hat, kann es als Input-/Output-Gadget für OS3 verwenden. Rabbit stellt laut Darstellung die R1-Produktion inzwischen ein; der Bestand soll auslaufen. Ein „R2“ ist ebenfalls nicht geplant. Stattdessen kündigt Rabbit „innerhalb von Monaten“ ein nächstes Hardware-Release an, das als Cyberdeck beschrieben wird – ein dediziertes „vibe coding“-Gerät, das OS3 ausführen soll. Das liest sich weniger wie ein Rückfall in die Gadget-only-Strategie, sondern eher wie ein Versuch, eine neue Nutzerschicht (Kreative, Entwickler oder Power-User) über ein passendes Interface abzuholen, während der eigentliche Agentenbetrieb plattformübergreifend bleibt.

Damit ist OS3 auch ein stilles Signal: Der Erfolg von KI-Assistants hängt laut Rabbit nicht davon ab, ob jemand ein weiteres Gerät kauft, sondern ob die Agenten zuverlässige Workflows in den vorhandenen Tools anstoßen können. Rabbit öffnet dafür sowohl die Zugriffspfade als auch die Skill-Welt und versucht, die Kontrolle über Schlüssel (BYOK) und Dateidaten (Dateiinhalte lokal) stärker in den Nutzerbereich zu ziehen. Entscheidend wird nun, ob die versprochenen „Large Action“-Fähigkeiten im Alltag tatsächlich stabil genug funktionieren, um vom Testversuch zur dauerhaften Routineanwendung zu werden.


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