LONDON (IT BOLTWISE) – Der Investor Ray Dalio bekräftigt in einem Podcast-Auftritt seine Präferenz für Gold statt Bitcoin. Dabei nennt er einen konkreten Portfolio-Anteil: Bitcoin mache nur 1% seiner Investments aus. Dalio argumentiert unter anderem mit potenziellen technologischen Risiken durch Quantencomputing sowie mit der staatlichen Überwachbarkeit von Transaktionen. Für ihn bleibt Gold als global anerkanntes, transferierbares Asset der stabilere Langzeitanker.

Ray Dalio meldet sich erneut in der Debatte um Gold versus Bitcoin zu Wort und bleibt dabei konsequent: In einem Auftritt auf dem Podcast „The Diary of a CEO“ am 30. Juli stellte er Gold als bevorzugtes Langfrist-Asset heraus. Zentral für sein Argument ist weniger die kurzfristige Kursbewegung als die grundlegende Eigenschaft, die er beiden Anlageformen gegenüberstellt: Während Bitcoin zwar knapp genug gestaltet ist, um nicht „einfach gedruckt“ zu werden, sieht Dalio mehrere Risiken, die das Krypto-Ökosystem langfristig belasten können. Gerade diese Sichtweise macht seine Position für CIOs und Portfoliomanager interessant, weil er eine sehr spezifische Allokationsentscheidung mit technischen und politischen Überlegungen verknüpft.
Die konkrete Zahl liefert Dalio gleich mit: Bitcoin macht lediglich 1% seines Investmentportfolios aus. Er betont damit nicht nur eine Präferenz, sondern liefert auch einen messbaren Anker für die Einordnung seiner Risikologie. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass er den gleichen Anteil bereits zuvor genannt habe, unter anderem in einem Interview im November 2025. Für Unternehmen und Vermögensverwalter ist genau dieser Punkt relevant: In einer Zeit, in der Krypto oft als „Beimischung“ diskutiert wird, zeigt Dalio, dass er die Rolle von Bitcoin offenbar bewusst sehr klein hält – nicht weil er den Ansatz grundsätzlich bestreitet, sondern weil er die Rahmenbedingungen für zu unsicher hält.
Technisch setzt Dalio vor allem bei der Frage an, wie robust ein System gegen zukünftige Rechenleistungen bleibt. Er argumentiert, Bitcoin sei zwar eine Geldform, die sich nicht beliebig „herstellen“ lässt, doch technologische Bedrohungen wie Quantencomputing könnten das System dennoch beeinträchtigen. Ergänzend führt er ein weiteres Risiko an, das weniger kryptografisch als regulatorisch wirkt: Transaktionen in Bitcoin lassen sich seiner Darstellung zufolge nachvollziehen und staatlich überwachen. Wenn Regierungen diese digitalen Assets identifizieren können, könnten sie darüber hinaus steuerlich eingreifen – ein Szenario, das für Anleger je nach Jurisdiktion und Compliance-Strategie ganz andere Renditeprofile erzeugt als bei klassischen, stärker anonymisierbaren oder zumindest schwerer überprüfbaren Anlageformen.
Seine Abgrenzung zu Fiat-Währungen fällt im Kern ähnlich kategorisch aus. Dalio ordnet „fiat“ als eine Art Versprechen einer zentralen Instanz ein: Steigt die Verschuldung, kann der Staat beziehungsweise die Zentralbank mehr Geld schaffen. Daraus folgt aus seiner Sicht eine schleichende Entwertung des Wertes, weil der Steuerungshebel (Geldmenge) in der Hand des politischen Systems bleibt. Dem stellt er ein Asset mit begrenztem Angebot gegenüber, das diese Art von Inflationsmechanik nicht in derselben Weise kennt. Gold ist dabei für ihn nicht nur „knapp“, sondern auch weltweit etabliert, transferierbar und nicht abhängig von einem Gegenüber, das ein Versprechen einlösen muss – während er Bitcoin zugleich mit einem fehlenden Privatsphären-Charakter verknüpft, weil jede Transaktion überwacht und gesteuert werden könne.
Am Tag der Veröffentlichung unterstreicht er seine Einschätzung auch mit aktuellen Marktdaten: Gold lag laut den im Text genannten Kursen bei 4.054,54 US-Dollar und damit über 20% im Verlauf eines Jahres. Bitcoin hingegen habe in derselben Zeitspanne rund 45% seines Wertes verloren und sei bei 62.917,44 US-Dollar notiert gewesen. Diese Zahlen sind keine Belege dafür, dass Dalios Grundannahmen zwangsläufig eintreten werden – sie dienen aber als Momentaufnahme, die zeigt, warum er trotz der langfristigen Knappheit von Bitcoin kurzfristig eine Bewertungs- und Risikodiskussion sieht. Wer solche Aussagen in Investment-Komites übersetzt, kann daraus zumindest ableiten, dass Dalio nicht auf eine einzelne Kennzahl setzt, sondern auf ein Paket aus Systemrisiken, Marktstruktur und potenzieller Regulierbarkeit.
Historisch ist Dalios Argumentationsmuster dabei gut nachvollziehbar: Die Debatte „Kryptos als neues digitales Geld“ versus „Kryptos als Spekulationsasset“ läuft seit Jahren entlang genau dieser Linien. Ein wiederkehrender Konfliktpunkt ist die Frage, welche technologischen Annahmen langfristig wirklich stabil bleiben. Während Krypto-Projekte auf Fortschritte bei Sicherheitskonzepten und auf Migration hin zu neuen kryptografischen Verfahren setzen können, bleibt für konservativere Anleger die Zeithürde bestehen: Nicht die Gegenwart, sondern der Worst Case bis in mehrere Generationen zählt. Dazu kommt die zweite Achse – staatliche Handhabbarkeit. Selbst wenn ein Asset technisch dezentral funktioniert, hängt die praktische Nutzbarkeit häufig davon ab, ob und wie Behörden Marktteilnehmer, Börsen, Verwahrung und steuerliche Behandlung durchdringen.
Für den Markt bedeutet Dalios erneute Position vor allem eines: Sie liefert ein Beispiel dafür, wie Investoren Krypto nicht nur nach Technologieversprechen, sondern nach Governance- und Risikoannahmen bewerten. Dass Bitcoin bei ihm nur 1% ausmacht, kann als Signal verstanden werden, dass er den Upside-Charakter zwar nicht ausschließt, das Gesamtrisikoprofil aber deutlich höher einstuft als bei Gold. Gleichzeitig wirkt der Hinweis auf Quantencomputing wie eine Erinnerung daran, dass Investment-Entscheidungen in der KI- und Cyber-Security-nahem Welt nicht erst bei der Markterfahrung, sondern bereits bei den zugrunde liegenden Schutzmechanismen ansetzen müssen – auch wenn sich diese Schutzmechanismen über die Zeit weiterentwickeln können. Für CIOs heißt das: Wer KI-gestützte Analysen, Sicherheitsmodelle oder Kryptografie im eigenen Betrieb verantwortet, kann Dalios Argumente als Gesprächsanstoß nutzen, um die Abhängigkeiten zwischen Technologiepfad, regulatorischer Handhabbarkeit und Portfoliodesign klarer zu strukturieren.
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