WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Raiffeisen Bank International (RBI) hat in den ersten neun Monaten das Kernergebnis ohne Russland um 10 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro gesteigert. Der Zinsüberschuss legte dabei um 7 Prozent auf 3,35 Milliarden Euro zu, während die Provisionen um 10 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro wuchsen. Parallel gilt der Fokus dem Umbau des Russland-Portfolios: Die Kredite an Kunden dort schrumpften seit Mitte 2022 von 13,7 auf 2,2 Milliarden Euro. Mit dem Abschluss der Garanti-Übernahme und der fortgeschrittenen Addiko-Beteiligung treibt die Bank zudem den Ausbau in Rumänien und auf dem Balkan voran.

Die Raiffeisen Bank International stellt ihre Zahlen dieses Mal bewusst auf eine Kernbotschaft: Ohne Russland wuchs das Geschäft spürbar schneller. In den ersten neun Monaten steigerte die RBI ihr Konzernergebnis im Kerngeschäft um 10 Prozent auf 1,13 Milliarden Euro. Die Bankchef-Position von Michael Höllerer kommt dabei als Signal durch: Er verweist auf „drei starke Quartale“ und bewertet die Entwicklung im Kerngeschäft als „sehr erfolgreich“ – während das Russland-Exposure parallel weiter reduziert wird. Damit verschiebt sich die Gewichtung der Ergebnisqualität weg von einem belastenden Restbereich hin zu Ertragsquellen, die bereits in Zentral- und Osteuropa wirken.
Operativ lässt sich der Rückenwind konkret an den Ertragsbausteinen festmachen. Der Zinsüberschuss stieg um 7 Prozent auf 3,35 Milliarden Euro, der Provisionsüberschuss legte um 10 Prozent auf 1,62 Milliarden Euro zu. Zur Jahresmitte lag der Gewinn ohne Russland bei 708 Millionen Euro; rechnerisch ergibt sich daraus für das dritte Quartal ein Ergebnis von rund 420 Millionen Euro. Entscheidend ist dabei weniger nur der absolute Wert, sondern die Mischung: Gerade Provisionen reagieren oft auf Aktivität in den Bereichen Beratung, Zahlungsverkehr und Wertpapiergeschäft. Wenn diese Posten in einem Umfeld steigender oder zumindest unruhiger Zinsniveaus zugleich zulegen, verbessert das für Investoren die Planbarkeit der Erträge.
Die RBI nutzt den positiven Trend, um ihre Erwartungen für 2026 zu präzisieren. Für das Gesamtjahr peilt die Bank einen Zinsüberschuss von über 4,5 Milliarden Euro an und nennt eine Eigenkapitalrendite von rund 13 Prozent. Außerdem sollen die Kundenkredite ohne Zukäufe um rund 9 Prozent wachsen. Auch die Kapitalausstattung bekommt eine konkrete Zielmarke: Die harte Kernkapitalquote (CET1) soll zum Jahresende bei rund 14,5 Prozent liegen – inklusive der Effekte der geplanten Übernahmen. Damit wird ein Zwischenpunkt sichtbar: Zur Jahresmitte hatte die Bank 14,3 Prozent angepeilt. Der Sprung ist nicht riesig, aber er signalisiert, dass das Management die Wachstums- und Integrationskosten nicht als reines Belastungsrisiko betrachtet.
Bei den Zukäufen verläuft die Kapital-Story gleich in zwei Richtungen: einmal mit klarer Abschlussmeldung, einmal mit „nahe dran“. Die Übernahme der rumänischen Garanti BBVA ist abgeschlossen. Im März hatte die RBI dafür 591 Millionen Euro vereinbart, entsprechend dem 1,28-Fachen des Buchwerts. Für die Zukunft nennt die Bank einen Gewinnbeitrag von rund 60 Millionen Euro im Jahr 2028; danach soll er steigen. Die Integration kostet allerdings rund 75 Millionen Euro in den Jahren 2027 und 2028, und die Kapitalquote sinkt dadurch um etwa 0,6 Prozentpunkte. Beim zweiten Schritt, dem Übernahmeangebot für die Addiko Bank, erreicht die RBI eine Annahmequote von 94,84 Prozent und nähert sich damit dem Abschluss stark an. Der Kauf bleibt an noch ausstehende Genehmigungen der Aufsicht und die Fusionsfreigabe gebunden; der Abschluss wird für das vierte Quartal erwartet. Der Marktmechanismus dahinter ist ebenfalls sichtbar: Die RBI hatte sich gegen die slowenische NLB durchgesetzt und das Angebot auf 26,50 Euro je Aktie angehoben, nachdem die Mindestannahme von 55 Prozent bereits überschritten war.
Während Rumänien und der Balkan also Wachstum liefern sollen, bleibt Russland der Bereich, in dem sich Risiken über Jahre hinweg kumulieren können. Die RBI treibt den Rückbau fort: Die Kredite an Kunden in Russland sanken seit Mitte 2022 von 13,7 Milliarden Euro auf 2,2 Milliarden Euro; zur Jahresmitte lag der Wert noch bei 2,5 Milliarden Euro. Bei den Einlagen gingen die Beträge ebenfalls zurück, auf 10,9 Milliarden Euro zur Jahresmitte. Operativ schlug das Russland-Geschäft im ersten Halbjahr mit 550 Millionen Euro Gewinn zu Buche, nachdem im Vorjahr ein Verlust angefallen war – dennoch bleibt es als Altlast mit Rechts- und Sanktionsrisiken im Blickfeld. Parallel dazu geht die Bank den juristischen Weg: Am 30. Juli in Wien reichte sie laut Quelle eine Schadenersatzklage über 3,15 Milliarden Euro gegen die Rasperia des russischen Strabag-Aktionärs ein. In der Klageschrift soll die Rasperia laut Angaben der RBI zur Rückerstattung von 2,4 Milliarden Euro in Russland beschlagnahmter Gelder, inklusive Zinsen und entgangener Gewinne, verpflichtet sein; wann und in welcher Höhe daraus ein Erfolg entsteht, bleibt offen. Die Prozesskosten wirken zusätzlich belastend und sollen die Kosten im Jahr 2026 erhöhen.
Für Anleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild aus operativer Verbesserung und einer noch nicht „abgeschlossenen“ Russland-Residualrisikoklasse. Das Kerngeschäft in Zentral- und Osteuropa stützt die Ertragszahlen, vor allem weil die Provisionen zweistellig wachsen und der Zinsüberschuss ebenfalls zulegt. Entsprechend hat die Aktie zugelegt; zuletzt wurde ein Kurs von rund 61 Euro nahe dem 52-Wochen-Hoch genannt, das einem Plus von mehr als 140 Prozent innerhalb eines Jahres entspricht. Genau solche Kursbewegungen können darauf hinweisen, dass ein großer Teil der positiven Erwartungen bereits eingepreist ist. Gleichzeitig bleiben konkrete Triggerpunkte: die Kapitalquote (inklusive Integrationslogik), der tatsächliche Abschluss der Addiko-Übernahme im vierten Quartal und Fortschritte beim Russland-Ausstieg. Solange die juristische Dimension um die Rasperia-Klage und die damit verbundenen Kosten im Zeitplan nachwirkt, hängt ein Stück der Risikobetrachtung weniger von Quartalszahlen als vom Ausgang einzelner Verfahren ab.
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