LONDON (IT BOLTWISE) – Redcare Pharmacy meldet für das zweite Quartal 2026 erstmals ein positives bereinigtes EBITDA im internationalen Geschäft außerhalb der DACH-Region. Gleichzeitig wächst der Konzernumsatz deutlich, die bereinigte Ergebnisgröße verbessert sich und die Marge erreicht den höchsten Stand der vergangenen zehn Jahre. Die Aktie reagiert mit einer kurzfristigen Erholung nach den Halbjahreszahlen, bleibt aber im breiteren Jahresbild unter Druck. Für 2026 bleibt das Unternehmen bei der angehobenen Prognose, kürzt jedoch die Zahl der Berichtstermine pro Quartal.

Die Aktie von Redcare Pharmacy kommt nach den Halbjahreszahlen zumindest kurzfristig in Schwung: Am Montag legt das Papier um 2,18 Prozent auf 63,30 Euro zu. Das klingt nach einem einzelnen Kursschritt, doch innerhalb der vergangenen 30 Tage hat der Titel bereits mehr als 10 Prozent verloren. Im 12-Monats-Verlauf zeigt sich das Muster klarer: Rund 36,48 Prozent Minus lasten auf dem Kurs, während beim 52-Wochen-Hoch von 103,60 Euro noch fast 39 Prozent Nachholbedarf bestehen. Genau an dieser Spannung setzen die zuletzt etwas optimistischeren Einschätzungen der Analysten an, weil sich operative Kennzahlen sichtbar in Richtung Profitabilität verschieben.
Im Zentrum der Argumentation steht das Auslands-Geschäft von Redcare Pharmacy, also alle Märkte außerhalb der DACH-Region. Dort hat das Unternehmen im zweiten Quartal 2026 erstmals ein positives bereinigtes EBITDA erzielt. Das ist mehr als nur eine Einmalzahlung in der Ergebnisrechnung: Bereinigtes EBITDA dient im Unternehmenskontext häufig dazu, Sondereffekte oder Bewertungsaspekte auszublenden, damit die zugrunde liegende Ertragskraft besser sichtbar wird. Für das Management markiert der Wechsel in die Gewinnzone einen Meilenstein für „nachhaltiges Wachstum“ des Konzerns – und er erklärt auch, warum das Analysten-Kursziel trotz des schwächeren Börsenkurses höher ausfällt als der aktuelle Marktpreis.
Technisch betrachtet wird das Signal auch durch die Umsatzverteilung untermauert: Die internationalen Märkte steuerten im Quartal 158 Millionen Euro zum Umsatz bei, das entspricht einem Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der DACH-Raum bleibt jedoch weiterhin der wichtigste Gewinnbringer, was typisch für Unternehmensgruppen ist, die erst später skaliert werden können, etwa wegen unterschiedlicher regulatorischer Anforderungen oder bestehender Logistik- und Rezeptabwicklungsstrukturen. Auf Konzernebene wächst der Gesamtumsatz trotzdem kräftig: Im zweiten Quartal steigt er um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro. Für das erste Halbjahr 2026 summiert sich der Umsatz damit auf 1,7 Milliarden Euro, womit sich die Erwartung an eine weiterhin dynamische Nachfrage untermauern lässt.
Die Ergebniskennzahlen zeigen dabei eine klare Richtung: Das bereinigte EBITDA klettert auf 29,6 Millionen Euro. Entscheidend ist zudem die Marge von 3,5 Prozent – sie liegt laut Meldung beim höchsten Wert der vergangenen zehn Jahre. Gleichzeitig wächst die aktive Kundenbasis um 1,2 Millionen auf insgesamt 14,7 Millionen Nutzer. Für börsennotierte Plattform- und E-Commerce-Geschäftsmodelle ist diese Kombination aus Ergebnisverbesserung und Kundenwachstum besonders relevant, weil sie darauf hindeutet, dass Skalierung nicht mehr nur über Marketingbudgets erkauft wird. Entsprechend rechnen Analysten für das gesamte Geschäftsjahr mit einem Rückgang des Verlusts je Aktie um 70 Prozent, also mit einer spürbaren Entlastung auf der unteren Ergebnislinie.
Auch die Kursziele zeichnen das Bild einer Neubewertung: Das Kursziel liegt nach Auswertung der Quartalszahlen bei rund 86 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs von 63,30 Euro wäre das ein deutlicher Aufschlag, weshalb der Markt offenbar noch skeptisch ist, wie schnell die Ergebnisqualität dauerhaft wird. Die Bandbreite der Einschätzungen bleibt dabei groß: Die optimistischsten Szenarien nennen bis zu 115 Euro, die vorsichtigsten nur 55 Euro. Auffällig ist allerdings, dass sich die Einschätzung zur Gewinnentwicklung zuletzt leicht verbessert hat – vermutlich weil das internationale Geschäft nun eine konkrete Profitabilitätsstufe erreicht und die Entwicklung nicht mehr nur als Plan, sondern als gemeldete Kennzahl vorliegt.
Bei der operativen Planung bleibt Redcare Pharmacy zudem bei der angehobenen Jahresprognose für 2026. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern ein Umsatzwachstum zwischen 15 und 17 Prozent. Besonders hervorgehoben wird dabei das Deutschlandgeschäft im verschreibungspflichtigen Bereich: Für diese Sparte soll es um 35 bis 43 Prozent nach oben gehen. Neben den Zahlen kündigte das Management außerdem eine Änderung der Kommunikationspolitik an: Künftig entfallen vorläufige Quartalsupdates, stattdessen veröffentlicht das Unternehmen pro Quartal nur noch einen konsolidierten Berichtstermin. Für Investoren und das operative Controlling bedeutet das weniger Zwischeninformation, dafür aber eine stärkere Fokussierung auf belastbare, konsolidierte Datenpunkte – ein Ansatz, der in volatil reagierenden Märkten oft genutzt wird, um Überraschungen in frühen Zwischenständen zu reduzieren.
Für Anleger wie auch für strategische Beobachter ist schließlich die Frage, wie diese Entwicklung in einen breiteren Wachstumspfad einzahlt. Ein erstmals profitables internationales EBITDA ist ein wichtiges Stück der Gleichung, weil es die Skalierbarkeit außerhalb des angestammten DACH-Markts belegt. Gleichzeitig bleibt der Kursrückgang der vergangenen zwölf Monate ein Hinweis darauf, dass der Markt nicht nur auf ein einzelnes Quartal schaut, sondern den Übergang in nachhaltige Margen und eine stabile Verlustreduktion über mehrere Reporting-Perioden hinweg erwartet. Wenn die Verlustkennzahl wie prognostiziert sinkt und die Marge weiter klettert, könnte die Bewertung perspektivisch weniger vom Risiko-Preis bestimmt werden. Der nächste harte Prüfstein ist damit nicht die kurzfristige Kursreaktion, sondern ob das internationale Geschäft seine Ertragswende im weiteren Jahresverlauf wiederholt.
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