KOPENHAGEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Dänische Streitkräfte beauftragen Rheinmetall mit dem Multi Ammunition Softkill System MASS. Die Lieferungen sollen ab dem vierten Quartal 2027 starten, während der Auftrag bereits im zweiten Quartal 2026 gebucht werden soll. MASS ist auf multispektrale Täuschung ausgelegt und deckt laut Unternehmen Radar, Ultraviolett, elektro-optische Sensoren, Laser und Infrarot ab. Zusätzlich umfasst die Vereinbarung weitere Omnitrap-ER-Täuschkörper und einen Versorgungsauftrag mit Laufzeit bis zu 21 Jahren.

Rheinmetall rückt mit einem neuen dänischen Auftrag in den Fokus des maritimen „Softkill“-Schutzes: Die dänischen Streitkräfte haben das Unternehmen laut Mitteilung mit der Lieferung eines Täuschkörpersystems namens MASS beauftragt. Der Vertrag wurde demnach in Kopenhagen gezeichnet, die operative Umsetzung soll gestaffelt starten. Während Rheinmetall den Auftrag bereits für das zweite Quartal 2026 als gebucht nennt, sollen die Lieferungen ab dem vierten Quartal 2027 beginnen. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt der Umsetzung von der reinen Beschaffung hin zur Integration in die Fähigkeitsplanung für mehrere Wellen von Bedrohungsszenarien.
Technisch betrachtet zielt MASS auf multispektrale Täuschung ab und ist damit nicht auf eine einzelne Sensor- oder Effektor-Lücke begrenzt. Rheinmetall beschreibt MASS als Multi Ammunition Softkill System, das Schiffe vor unterschiedlichen Bedrohungsarten schützen soll – etwa vor Angriffen mit Anti-Schiffs-Flugkörpern oder auch vor laser- bzw. lenkgestützten Waffen. Entscheidend für den Alltag in der Abwehrkette ist dabei die Abdeckung relevanter Wellenlängenbereiche: Laut Unternehmensangaben deckt MASS Radar sowie Ultraviolett, elektro-optische Sensoren, Laser und Infrarot ab. Praktisch bedeutet das, dass ein einzelnes System mehrere typische Erfassungs- und Verfolgungswege anspricht und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöhen soll, dass Zielerfassung und Lenkung „ins Leere laufen“.
Für die Einordnung ist der konkrete Marineschwerpunkt wichtig: Rheinmetall will MASS sowohl für Fregatten der Absalon-Klasse als auch für Einheiten der Iver-Huitfeldt-Klasse liefern. Neben der Plattformebene nennt die Mitteilung zudem die Waffenschule der Königlich Dänischen Marine als weiteren Empfänger. Diese Kombination ist aus Beschaffungssicht nicht trivial, weil sie die Übergänge zwischen Einsatzfähigkeit, Ausbildung und wiederkehrender Übung adressiert. Wenn eine Marine die gleichen Täuschfähigkeiten sowohl auf Schiffen als auch im Ausbildungsumfeld operationalisiert, sinkt häufig der Aufwand, Trainingsszenarien und reale Systemlogik auseinanderzuhalten.
Das Vertragsvolumen geht dabei über die reine Erstlieferung hinaus. Zusätzlich bestellt werden demnach zugehörige Omnitrap-ER-Täuschkörper. Ergänzend dazu steht ein Versorgungsauftrag mit einer Laufzeit von bis zu 21 Jahren mit der dänischen Marine im Raum. Genau diese Langfristkomponente ist für Betreiber relevant, weil Softkill-Systeme im Regelbetrieb typischerweise nicht „einmal“ eingesetzt werden, sondern in einem kontinuierlichen Trainings- und Einsatzrhythmus stehen. Rheinmetall führt außerdem aus, MASS sei derzeit in der Lage, Schiffe von 18 Nationen zu schützen; zudem seien weltweit über 400 Täuschkörperwerfer in Nutzung. Auch wenn solche Angaben vor allem die Verbreitung signalisieren, liefern sie einen Hinweis darauf, dass das System in gewachsenen Beschaffungslandschaften bereits länger als Standardbaustein betrachtet wird.
Für die Marktdynamik ist das Timing bemerkenswert: Der Auftrag soll im zweiten Quartal 2026 eingebucht werden, die physischen Lieferungen starten erst ab dem vierten Quartal 2027. Diese zeitliche Staffelung passt zu typischen Phasen in der Marinebeschaffung, in denen zunächst Budgetierung und vertragliche Rahmenbedingungen abgeschlossen, dann aber die technische Einplanung in Wartungs- und Modernisierungsfenster erfolgt. Parallel dazu reagiert die Rheinmetall-Aktie zeitweise stark: An der Handelsplattform XETRA kletterte sie laut Mitteilung zwischenzeitlich um 3,33 % auf 1.203,40 Euro. Für Anleger ist in solchen Konstellationen weniger die einzelne Systembezeichnung ausschlaggebend als die Frage, ob sich daraus eine wiederkehrende Auftragskette für Ergänzungen, Nachbestellungen und übergreifende Versorgung ableitet.
Strategisch lässt sich MASS zudem als Baustein in einem größeren Trend zur „Defense-in-Depth“ in der Seeverteidigung lesen. Während Hard-Kill-Systeme die direkte Bedrohung bekämpfen, setzt Softkill auf Ablenkung und Verwirrung entlang der Sensor- und Lenkdomänen. In der Praxis wird genau das in Kombination mit Plattformen relevant, die unterschiedliche Bedrohungsklassen abdecken müssen – vom klassischen Anti-Schiffs-Profil bis hin zu Szenarien, in denen Laser- oder elektro-optische Pfade für die Wirkung genutzt werden können. Dass Rheinmetall die multispektrale Täuschung explizit über Sensorfamilien hinweg adressiert, macht MASS damit anschlussfähig an unterschiedliche Einsatzkonzepte, ohne dass Betreiber zwingend auf eine einzige Abwehrlogik festgelegt werden.
Für die dänische Marine und potenzielle Folgeabnehmer in Nordeuropa ergibt sich daraus auch ein Standardisierungseffekt. Rheinmetall beschreibt MASS als Maßnahme, die das System zum Standard in allen skandinavischen Seestreitkräften machen soll. Wenn ein Land ein System sowohl auf mehreren Schiffsklassen als auch in langfristigen Versorgungsstrukturen verankert, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass zukünftige Modernisierungen, Ausbildung und Einsatzlogistik enger zusammenlaufen. Für Unternehmen in der Lieferkette – von Integrationsdienstleistern bis zu Trainern und Instandhaltungsakteuren – kann das den Projektplanungsaufwand reduzieren, weil Schnittstellen und Abläufe häufiger wiederverwendet werden können. Entscheidend bleibt allerdings, wie schnell die Integration bis 2027 in die jeweiligen Projektfenster hinein gelingt und ob die bestellten Omnitrap-ER-Komponenten dabei die gewünschte Abdeckung in den konkreten Bedrohungsprofilen liefern.
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