ROCKDALE / LONDON (IT BOLTWISE) – Riot Platforms hat einen 20-Jahres-Vertrag über 191 Megawatt Rechenkapazität am texanischen Rockdale-Campus abgeschlossen. Der Deal soll bis Juni 2048 insgesamt rund 9,1 Milliarden US-Dollar einbringen und umfasst Auslieferungen ab Dezember 2027. Laut Riot werden Phaseweise zunächst 96 IT-Megawatt bereitgestellt, bevor die volle Kapazität bis Juni 2028 folgt. Zur Zwischenfinanzierung stellt Morgan Stanley dafür 573 Millionen US-Dollar bereit, während ein Investment-Grade-Kreditbackstop noch final verhandelt wird.

Riot Platforms verschiebt mit einem langfristigen Data-Center-Lease die Gewichte in seinem Geschäftsmodell: Aus dem Bitcoin- und Engineering-getriebenen Digitalinfrastrukturanbieter wird zunehmend auch ein Plattformbetreiber für KI-Workloads. Der neue Vertrag bindet Rechenkapazität am Rockdale-Campus in Texas über eine Erstlaufzeit bis Juni 2048. Im after-hours Handel reagierte die Aktie dabei auffällig stark; genannt wird ein Sprung um 25,26 % auf 24,30 US-Dollar, nachdem das Unternehmen die Eckdaten des Vertrags offengelegt hatte.
Zentral ist die Dimension der vereinbarten Leistung: Riot spricht von 191 Megawatt Rechenkapazität, die phasenweise ausgeliefert werden sollen. Die ersten 96 IT-Megawatt sollen im Dezember 2027 bereitstehen; die volle Kapazität bis Juni 2028. Die geschätzte Marge über die Basis-Laufzeit nennt Riot mit 7,3 bis 8,2 Milliarden US-Dollar kumuliertes Nettobetriebsergebnis, ergänzt um einen durchschnittlichen jährlichen Beitrag von 365 bis 411 Millionen US-Dollar. Damit wird der Vertrag nicht nur zu einem Umsatztreiber, sondern auch zu einer planbaren Ergebnisgröße, die für den Kapitalmarkt besonders relevant ist.
Für die Einordnung am Markt sorgt zusätzlich die Finanzierungsarchitektur. Riot beschreibt eine Interimsfinanzierung über 573 Millionen US-Dollar, die Morgan Stanley während der ersten Entwicklungskosten bereitstellen soll. Gleichzeitig befindet sich ein Investment-Grade-Kreditbackstop noch in der finalen Ausgestaltung; genau diese Phase kann die Realisierungstimeline stark beeinflussen, etwa wenn zusätzliche Bau- oder Beschaffungsrisiken zwischen Vertragsabschluss und Lieferstart auftreten. Dass weder Riot Platforms noch der benannte KI-Partner (laut Identifikation durch mit der Sache vertraute Personen) gegenüber einer Berichterstattung unmittelbar Stellung nahmen, unterstreicht zugleich, dass Details zur operativen Skalierung weiterhin in den kommenden Quartalsberichten präzisiert werden dürften.
Der Rockdale-Standort wird damit zum Hebel für mehrere Vertragsstränge gleichzeitig. Riot hat bereits am 16. Januar 2026 im Fee-Simple-Verfahren die Fläche für 96,0 Millionen US-Dollar erworben und dazu einen ersten Data-Center-Lease mit AMD abgeschlossen: Anfangskapazität 25 Megawatt, mit Ausbaupotenzial bis 200 Megawatt. Zusammen beläuft sich die kontrahierte Kapazität aus beiden Vereinbarungen nun auf 241 Megawatt; der Gesamtvertragswert wird mit rund 9,8 Milliarden US-Dollar beziffert. In der Umsetzung nennt Riot für den AMD-Vertrag eine pünktliche und budgetkonforme Lieferung der ersten 25 Megawatt im zweiten Quartal 2026 sowie einen weiteren Ausbau um 25 Megawatt, der sich im Bau befindet; zudem sollen eine 10-Megawatt-Phase 3 im November 2026 fertiggestellt und eine 15-Megawatt-Phase 4 im Mai 2027 folgen.
Der neue KI-Vertrag knüpft an die breitere Marktdynamik an: Anthropic hat zuvor mehrere Deals zur Deckung seines Rechenkapazitätsbedarfs gemeldet, darunter ein zehn Milliarden US-Dollar umfassender Vertrag mit einem Infrastruktur-Startup sowie eine Vereinbarung über den Kauf von Rechenleistung im Wert von knapp 45 Milliarden US-Dollar im Mai 2026. Solche Konstellationen zeigen, dass KI-Anbieter in der Praxis zunehmend weniger nur einzelne Hardware-Generationen einkaufen, sondern langfristige Kapazitätszusagen sichern, die Strom, Kühlung, Standortplanung und Lieferkettenrisiken in den Vordergrund rücken. Für Riot bedeutet das zudem, dass die zuvor dominante Volatilität durch Mining-Absatz und Bitcoin-Preisschwankungen zunehmend durch wiederkehrende Rechenzentrums-Erlöse abgefedert werden kann.
Während der Markt den KI-Deal offenbar sofort einpreist, liefert Riot parallel ein gemischtes Quartalsbild. Für das zweite Quartal 2026 meldet das Unternehmen einen Umsatzanstieg um 14 % auf 174,2 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 153,0 Millionen US-Dollar). Data-Center-Umsätze lagen bei 23,2 Millionen US-Dollar, während Bitcoin-Mining-Erlöse auf 113,7 Millionen US-Dollar zurückgingen (Vorjahr: 140,9 Millionen US-Dollar). Die Engineering-Erlöse legten dagegen deutlich zu, auf 37,3 Millionen US-Dollar nach 10,6 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum; auch die Produktionsmenge stieg leicht auf 1.587 Bitcoin gegenüber 1.426.
Unter dem Strich verzeichnet Riot dennoch einen Nettoverlust von 237,2 Millionen US-Dollar, nachdem im Vorjahr ein Nettogewinn von 219,5 Millionen US-Dollar erzielt worden war. Das entspricht einem Verlust von 0,68 US-Dollar je verwässerter Aktie nach einem Gewinn von 0,58 US-Dollar im Vorjahresquartal. Gleichzeitig nennt Riot liquide Mittel von mehr als 1,2 Milliarden US-Dollar zum Quartalsende, darunter 11.380 Bitcoin sowie 548,9 Millionen US-Dollar Cash-Bestände. Für Anleger bleibt damit zweierlei entscheidend: Erstens, ob die Auslieferungsphasen am Rockdale-Campus planmäßig durchlaufen, und zweitens, wie sich die Verlängerungsoptionen bewerten lassen, denn bei Ziehung zweier zusätzlicher Fünf-Jahres-Optionen könnte der Gesamtvertragswert laut Riot von 9,1 Milliarden US-Dollar auf rund 16,1 Milliarden US-Dollar steigen. Die nächsten Quartalsberichte dürften genau diese Schnittstelle zwischen Baufortschritt, Finanzierung und Umsatz-/Ergebnisentwicklung weiter konkretisieren.
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