LONDON (IT BOLTWISE) – Ripple brachte sein Unternehmens-„Equity“-Wertbild per Rückkauf auf rund 50 Milliarden US-Dollar, während der XRP-Kurs seit dem März-Preisniveau deutlich nachgab. Die Argumentation vieler XRP-Halter lautet: Wenn das Unternehmen teurer wird, der Token aber günstiger wirkt, muss XRP unterbewertet sein. Der zentrale Haken: Die Unternehmensbewertung folgt nicht automatisch der Token-Bepreisung, weil Ripple große XRP-Bestände nicht frei am Markt verkaufen kann. Damit bleibt die 50-Milliarden-Zahl eher ein Hinweis auf die Annahmen der Investoren als ein Beleg für „billigen“ XRP.

Ripple-Bewertung auf 50 Mrd. Dollar – zeigt das einen Abschlag für XRP?
Ripple-Bewertung auf 50 Mrd. Dollar – zeigt das einen Abschlag für XRP? (Foto: IT BOLTWISE)
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Ripple hat im März einen erneuten Bewertungsanker gesetzt: Der Konzern kaufte eigene Aktien im Volumen von 750 Millionen US-Dollar zurück und legte damit eine Unternehmensbewertung von rund 50 Milliarden US-Dollar fest. Das liegt nicht nur über den etwa 40 Milliarden US-Dollar, zu denen zuvor im November neues Kapital eingesammelt wurde, sondern auch über die schnelle Dynamik, die die Aktie bzw. das Equity-Exposure in den vergangenen Quartalen begleitet hat. Gleichzeitig ist der XRP-Preis im selben Zeitraum deutlich gefallen – von rund 1,38 US-Dollar im März auf etwa 1 US-Dollar heute. Genau diese Gegenläufigkeit treibt die Diskussion an, ob XRP tatsächlich „unter dem fairen Wert“ gehandelt wird, oder ob die Berechnung schlicht Äpfel mit Birnen vergleicht.

Technisch betrachtet ist die zentrale Unstimmigkeit: Die Bewertung des Unternehmens entsteht durch konkrete Deals in engerem Kreis, nicht durch eine dauerhafte Marktpreisbildung über alle Käufer und Verkäufer. Der Rückkauf selbst funktioniert als Bewertungsmechanismus, weil der vereinbarte Preis die implizite Unternehmensbewertung festlegt – aber nur für den Zeitpunkt und nur für die beteiligten Gegenparteien. In dem Beitrag wird zudem herausgestellt, dass Ripple seit dem März-Wert von rund 50 Milliarden US-Dollar nicht erneut auf diesem Niveau bewertet wurde. In der Praxis heißt das: Die Investorenannahme bleibt „eingefroren“, während sich der öffentliche XRP-Markt in der Zwischenzeit bewegt hat. Wenn dazu kommt, dass der vereinbarte 50-Milliarden-Deal während eines Marktdrucks zustande kam – Bitcoin verlor mehr als 40% und XRP zwischen 30% und 40% – dann wird klar, warum ein späterer XRP-Kursrutsch nicht automatisch „unterbewerteten“ XRP beweist, sondern zunächst die Zeitachse und die Bewertungslogik auseinanderzieht.

Damit stellt sich die Frage, welchen operativen Wert Ripple ohne den eigenen Token eigentlich erzeugt. Laut Aussagen von Ripple CEO Brad Garlinghouse wird für das Jahr 2026 ein operatives Ertragsniveau im Jahresrhythmus von etwa 1 Milliarde US-Dollar erwartet. Entscheidend ist dabei, dass Garlinghouse dabei explizit XRP nicht als Teil der Bilanzlogik herausstellt, sondern die Kennzahl auf die Geschäftstätigkeit bezieht. Auch das Kundenprofil wird im Beitrag konkret: Statt Retail-Fokus stehen Corporate-Treasury-Einheiten im Mittelpunkt, und über das Zahlungsnetz seien seit dem Start mehr als 100 Milliarden US-Dollar umgeschichtet worden. Zusätzlich wird Ripple Prime erwähnt, das institutionelle Brokerage, das Ripple 2025 für 1,25 Milliarden US-Dollar übernommen hat; der Beitrag nennt für diesen Bereich ein Umsatzwachstum um den Faktor drei seit der Integration. Mit solchen Eckdaten lässt sich zumindest argumentieren: Es gibt einen geschäftlichen Value, der nicht von der kurzfristigen Kursrichtung von XRP abhängt.

Gerade diese Perspektive führt aber zur eigentlichen Pointe der „Discount“-These. Der Beitrag rechnet vor, dass Ripple zwischen 38 und 40 Milliarden XRP kontrolliert, nahe an 40% der maximal existierenden 100 Milliarden Token. Wenn man den XRP-Preis von 1,38 US-Dollar heranzieht, lägen allein diese Bestände rechnerisch bei grob 52 bis 55 Milliarden US-Dollar, während die gesamte Unternehmensbewertung bei 50 Milliarden US-Dollar verortet wurde. Daraus wird die Schlussfolgerung abgeleitet, dass die Investoren die im Unternehmen gebundenen XRP-Bestände offenbar deutlich niedriger ansetzten, als es ein unmittelbarer Marktkurs implizieren würde. Hintergrund dafür ist die Marktliquidität bzw. die Verkäuflichkeit der Bestände: Ripple kann laut Beitrag die großen Mengen nicht „einfach so“ am Markt veräußern, ohne den Preis vorher massiv zu belasten. Deshalb wird die geplante bzw. geordnete Freigabe über Escrow-Regeln betont – etwa 1 Milliarde XRP pro Monat, während ein großer Anteil der Freigabe erneut gesperrt bzw. zurück in Sperrmechanismen läuft. Der ökonomische Effekt: Ein großer Teil des Token-„Papiervalue“ lässt sich kurzfristig nicht in Unternehmenswert umwandeln, weil der Markt und die Liquidationsdynamik nicht mitspielen.

Aus Sicht einer Bewertung bleibt das dennoch keine eindeutige Antwort auf die Frage „Ist XRP unterbewertet?“, sondern eher ein Hinweis darauf, wie die Investoren die Beziehung zwischen Token-Preis und Unternehmenscashflows gewichtet haben. Wenn die Equity-Deals XRP implizit unter Marktniveau einpreisen, klingt das zwar wie „Discount“, kann aber auch schlicht bedeuten, dass die Token-Value-Anteile wegen der Verkäuflichkeit und zeitlichen Freigaben nicht als gleichbedeutend für die Unternehmensbewertung behandelt werden. Interessant ist in diesem Kontext außerdem der zweite Teil der Logik: Der Beitrag argumentiert, dass die reine Unternehmenssteigerung nicht automatisch zu einer XRP-Aufwertung führt, weil institutionelle Zahlungsströme und Revenue bei Ripple Prime nicht zwingend von XRP-Kursbewegungen im selben Quartal abhängen. Zudem wird auf ein Verhalten der Altaktionäre verwiesen: Ein Angebot, im September 2025 im Umfang von 1 Milliarde US-Dollar Aktien zu einem 40-Milliarden-Equity-Level zurückzukaufen, habe die niedrigste Beteiligung bei Tendern bedeutet. In der Lesart des Beitrags spricht das dafür, dass viele Halter lieber die Beteiligung behalten, statt zum genannten Preis zu verkaufen.

Für Marktteilnehmer ergibt sich daraus eine praktische Konsequenz: Wer aus der Unternehmensbewertung direkt auf „unterbewertetes XRP“ schließt, muss sauber trennen zwischen Equity-Bewertung, Token-Ökonomie und Liquiditätsmechanik. Ripple kann zwar sein operatives Geschäft ausbauen – und laut den genannten Indikatoren passiert das sichtbar über Revenue-Treiber wie Ripple Prime, zahlungsbasierte Nutzung und das Wachstum anderer Komponenten wie RLUSD beziehungsweise die Breite regulatorischer Erlaubnisse. Doch solange ein großer Teil der XRP-Menge in Escrow bzw. in restriktiven Freigabe-Mechanismen steckt, bleibt die reale Markteinpreisbarkeit zeitlich begrenzt. Genau deshalb kann ein höheres Unternehmenswertbild mit einem niedrigeren (oder fallenden) XRP-Kurs gleichzeitig auftreten, ohne dass daraus zwingend folgt, dass XRP „billig“ ist. Wahrscheinlicher ist, dass Investoren im März nicht nur die Zukunft des Geschäfts bewertet haben, sondern auch die Annahmen darüber, wie schnell und zu welchen Preisen Token-Exposure überhaupt liquidierbar bzw. werthaltig in die Gesamtbilanz einfließen kann.


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