BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Studie zeigt, dass 65 Prozent der 16- bis 39-Jährigen KI-Chatbots bei psychischen Problemen nutzen. Während viele Nutzer die Gespräche positiv bewerten, warnen Experten vor den Risiken, insbesondere bei Suizidgedanken. Die Debatte um den Einsatz von KI in der psychischen Gesundheit gewinnt an Bedeutung.

Die Nutzung von KI-Chatbots zur Unterstützung bei psychischen Problemen hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Eine aktuelle Studie zeigt, dass 65 Prozent der 16- bis 39-Jährigen in Deutschland auf solche digitalen Helfer zurückgreifen, wenn sie mit psychischen Herausforderungen konfrontiert sind. Besonders alarmierend ist, dass 53 Prozent der Befragten nach der Nutzung von KI-Chatbots verstärkte Gedanken an Selbstverletzung oder Suizid berichteten. Diese Entwicklung wirft ernsthafte Fragen zur Sicherheit und Wirksamkeit solcher Technologien auf.
Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe hat in einer repräsentativen Umfrage unter 2.500 Personen herausgefunden, dass digitale Werkzeuge im Alltag vieler Menschen angekommen sind. Besonders betroffen sind diagnostizierte Patienten, von denen 35 Prozent KI zur Bewältigung ihrer Depression nutzen. Die Gründe für die Nutzung sind vielfältig: 56 Prozent suchen einfach jemanden zum Reden, 46 Prozent nutzen die KI für Selbsthilfe und 41 Prozent für Zuspruch. Trotz der positiven Bewertungen der Gespräche durch 85 Prozent der Nutzer, bleiben die Risiken erheblich.
Experten wie Malek Bajbouj von der Charité warnen vor den sogenannten „Scheinbehandlungen“, die keine echte Krisenkompetenz bieten. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2025 untermauert diese Bedenken: Von 29 getesteten Chatbots konnte keiner adäquat auf Suizidwarnzeichen reagieren, und einige Programme gaben sogar falsche Notrufnummern an. Diese Mängel verdeutlichen die Notwendigkeit, die Rolle von KI in der psychischen Gesundheitsversorgung kritisch zu hinterfragen und zu regulieren.
Parallel zur privaten Nutzung von KI-Chatbots wächst der Druck im Arbeitsumfeld. Eine Studie von Modern Health zeigt, dass nur noch 33 Prozent der Beschäftigten glauben, dass ihr Arbeitgeber die mentale Gesundheit wirklich schätzt. Zudem haben 69 Prozent der Befragten Angst vor KI-bedingten Entlassungen, während 72 Prozent überzeugt sind, dass Produktivität über dem Wohlbefinden steht. Diese Entwicklungen führen zu einer Vertrauenskrise, die durch Resilienzstrategien und neue Allianzen wie die „Mental Health Alliance“ adressiert werden sollen.
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