KODIAK / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Space Force vergibt über das Rocket Systems Launch Program 266 Millionen US-Dollar für bis zu 18 suborbitale Missionen. Der Vertrag setzt auf eine neue Test- und Startanlage in Alaska und nutzt dafür HASTE, eine für Hyperschall- und Raketenabwehrtests modifizierte Variante der Electron. Der erste Start ist frühestens Ende 2026 geplant, während das Vertragsvolumen bis Ende 2028 läuft. Für Rocket Lab bedeutet das zusätzliche Verteidigungs-Visibilität, die anlegerseitig aber von der Neutron-Rakete weiterhin stark getrieben wird.

Rocket Lab gewinnt mit einem Großauftrag aus dem US-Verteidigungsumfeld spürbar an Planbarkeit: Die US Space Force stellt über ihr Rocket Systems Launch Program 266 Millionen US-Dollar für bis zu 18 suborbitale Missionen bereit. Der Deal umfasst zwölf fest gebuchte Starts plus eine Option auf sechs weitere, die sich bei Bedarf nachziehen lassen. Laut den nachgereichten Vertragsdetails wurde der Zuschlag vom Space Systems Command bereits am 21. Juli erteilt, die Öffentlichkeit erhielt die konkreten Rahmenwerte jedoch erst später. Damit rückt vor allem die Frage in den Fokus, wie schnell sich Rocket Lab als wiederholbarer Start- und Testdienstleister im Verteidigungssegment etablieren kann.
Technisch und operativ liegt der Schwerpunkt des Auftrags auf einer neuen Infrastruktur in Kodiak, Alaska, am Pacific Spaceport Complex. Für Rocket Lab ist es damit der vierte Startstandort neben den bestehenden Kapazitäten in Neuseeland und Virginia. Geflogen werden soll eine modifizierte Version der Electron: HASTE, ausgelegt für Hyperschall- und Raketenabwehrtests. Das System soll Geschwindigkeiten von mehr als Mach 20 erreichen und Nutzlasten von bis zu 700 Kilogramm transportieren. Genau solche Leistungsparameter sind in Testprogrammen entscheidend, weil sie Zielprofile für Sensorik, Interoperabilität und Abfang- bzw. Gegenmaßnahmen realitätsnah abbilden sollen.
Finanziell ist der Vertrag auch deshalb interessant, weil er nicht nur „Umsatzversprechen“ in die Zukunft schreibt, sondern bereits Teile belastbar finanziert sind. Von den 266 Millionen US-Dollar entfallen 112 Millionen US-Dollar auf Mittel, die aus dem Forschungsbudget des Fiskaljahres 2025 fest verpflichtet sind. Parallel läuft nach Angaben im Kontext der Meldung bereits ein separater Vertrag über 190 Millionen US-Dollar für 20 weitere HASTE-Tests im Rahmen des MACH-TB-2.0-Programms. Zusammen betrachtet ergibt sich daraus ein Test- und Start-Ökosystem, das Rocket Lab eher als wiederkehrenden Partner in einem technischen Laufbetrieb positioniert als als Einmalanbieter.
Aus Sicht der politischen und sicherheitstechnischen Erwartungshaltung ist vor allem die zeitliche Taktung der Tests der Kern der Argumentation. Rocket Lab CEO Peter Beck ordnete den Auftrag als Signal für den wachsenden Bedarf an schneller, wiederholbarer Startfähigkeit ein; Kadenz und Iteration seien für die nationale Sicherheit zentral. In der Praxis heißt das: Eine Organisation wie die Space Force muss Hyperschall- und Abwehrtests nicht nur durchführen, sondern sie möglichst regelmäßig wiederholen können, um Ergebnisse schnell zu verifizieren und daraus technische Anpassungen abzuleiten. Dass der Auftrag im Wettbewerb vergeben wurde, deutet außerdem darauf hin, dass Rocket Lab nicht automatisch als „Default“-Lieferant berücksichtigt wird, sondern sich gegen alternative Anbieter durchsetzen musste.
Für die Bewertung der Aktie bleibt die technische Pipeline jedoch nicht allein eine Frage der neuen Space-Force-Startbasis. Der Auftrag entspricht laut den im Text genannten Kennzahlen rund 12,1 % des ausgewiesenen Auftragsbestands von 2,2 Milliarden US-Dollar. Dazu zählen auch fünf fest eingeplante Starts der neuen Neutron-Rakete, die für die langfristige Positionierung entscheidend ist. An der Börse zeigte sich am Montag zwar eine positive Reaktion: Im deutschen Handel stieg die Aktie um 3,01 % auf 58,10 Euro nach einem Schlusskurs von 56,40 Euro am Freitag. Gleichzeitig bleibt die übergeordnete Stimmung angespannt, weil der Abstand zum 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro bei aktuell 56,58 % liegt und auf Monatssicht ein Minus von 21,80 % verzeichnet wird.
Welche Komponente den Ton angibt, ist in den Zahlen sichtbar: Mehrere Analysten sehen den wichtigsten Bewertungstreiber weiterhin nicht im Space-Force-Deal selbst, sondern in der Entwicklung und dem Zeitpunkt des Erstflugs der Neutron-Rakete. Dabei wurde der Erstflug erneut in Richtung des laufenden Jahres verschoben. Operativ wies Rocket Lab für 2025 einen Verlust von 229 Millionen US-Dollar aus, während der Umsatz im ersten Quartal 2026 auf 200,3 Millionen US-Dollar stieg – ein Plus von 63,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für das zweite Quartal 2026, dessen Ergebnisse am 10. August erwartet werden, nennt der Konsens einen Verlust von 0,07 Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von rund 231,79 Millionen US-Dollar; das Kursziel liegt im genannten Analystenkonsens bei 105,71 US-Dollar bei weiterhin dominierender Kaufempfehlung. In so einem Setup wirkt ein Vertrag wie der aus dem Space-Force-Umfeld oft kurzfristig stützend, verschiebt aber selten die fundamentale Erwartung, solange der Fortschritt bei Neutron nicht überzeugt.
Unterm Strich liefert der Auftrag einen realen Planungsanker für das Verteidigungsgeschäft und erweitert die Auftragsbasis für HASTE-Tests in einer Region, die für die Erprobung suborbitaler Profile genutzt werden kann. Für Rocket Lab entsteht daraus die Chance, sich stärker von einem reinen Startdienstleister hin zu einem breiter aufgestellten Raumfahrtkonzern zu entwickeln, weil wiederholbare Test- und Startkapazitäten den Bedarf aus Behördensegmenten nachhaltiger bedienen können. Für Investoren bleibt die Aktie zugleich ein Wachstumswert mit hoher Schwankungsbreite: Einzelne Vertragsmeldungen können kurzfristig deutliche Kursbewegungen auslösen, während die größere Richtung davon abhängen dürfte, ob Neutron in den kommenden Monaten die erwartete technische und kommerzielle Dynamik liefert. Der Disclaimer am Ende bleibt entsprechend nüchtern: Der Text stellt keine Anlageberatung dar und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung; Angaben zu Kursen und Märkten erfolgen ohne Gewähr, Änderungen sind jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zudem mit erheblichen Verlusten verbunden sein. Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von KI erstellt und geprüft.
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