ALASKA / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Space Force stellt Rocket Lab 397 Millionen US-Dollar für ein Flottensystem aus „Flatellites“ bereit. Die flache Satellitenkonfiguration soll große Orbital-Konstellationen effizient mit Low-Latency-Kommunikation und Sensorik für die Echtzeit-Verfolgung luftgestützter Bedrohungen ausstatten. Das Projekt läuft unter dem SB-AMTI-Programm und ergänzt bestehende Infrastruktur zur Lagebilderstellung im umkämpften Luftraum. Als Träger ist der Start in Stapeln auf der künftigen Neutron-Rakete vorgesehen, unterstützt durch ein deploybares Startcontainer-Konzept namens GHOST.

Rocket Lab bekommt von der US Space Force einen Auftrag über 397 Millionen US-Dollar, der auf den ersten Blick nach „noch mehr Satelliten“ klingt, technisch aber auf eine sehr spezifische Missionsidee zielt: flache Plattformen, die sich als größere Orbital-Konstellation in die bestehende Bedrohungsaufklärung einklinken können. Die „Flatellites“ sollen dazu dienen, die Fähigkeit zur Verfolgung von luftgestützten Zielen in Echtzeit zu augmentieren. Entscheidender Punkt ist dabei nicht nur die Anzahl der Assets, sondern die Systemarchitektur: Wenn mehrere kleine Beobachter koordiniert arbeiten, müssen Datenrate, Latenz und Bahnstabilität so zusammenpassen, dass aus Einzelbeobachtungen überhaupt ein belastbares Lagebild entsteht.
Das Vorhaben ist Teil des Space-Force-Programms Space-Based Airborne Moving Target Indicator (SB-AMTI). SB-AMTI ist inhaltlich auf dynamische Ziele ausgelegt, bei denen klassische Sensorik mit längerer Reaktionszeit schnell an Grenzen stößt. Genau deshalb setzt Rocket Lab laut eigener Darstellung auf eine Kombination aus low-latency, high-bandwidth Kommunikationsschnittstellen sowie Sensoren zur Zielverfolgung. „Low latency“ bedeutet in diesem Kontext vor allem: kürzere Zeit zwischen Messung, Verarbeitung und nutzbarer Weitergabe an nachgelagerte Effektor- oder Command-and-Control-Systeme. „High bandwidth“ wiederum adressiert das praktische Problem, dass Tracking nicht nur kleine Positionswerte braucht, sondern meist auch umfangreichere Zustandsinformationen für Verifikation, Glättung und Fusion.
Mit der flachen Bauform verfolgt Rocket Lab zudem eine industrielle Skalierungslogik. Eine Flat-Konfiguration ist typischerweise darauf optimiert, wie viele Nutzlasten pro Start möglichst effizient in einem Launch-Slot untergebracht werden können, ohne dass die Missionseckdaten zu stark leiden. In der Ankündigung heißt es, die Flatellites seien für große Orbital-Konstellationen optimiert und sollen die Anzahl der pro Launch lieferbaren Raumfahrzeuge erhöhen. Diese Art von „Constellation-first“-Design ist historisch betrachtet ein Mittel gegen die typische Kostenfalle von sehr vielen Einzelstarts: Je näher man an Start-zu-Orbit-Automatisierung und modulare Serienfertigung herankommt, desto eher lassen sich Stückkosten und Projektplanungsrisiken reduzieren.
Auch der Startplan ist konsequent auf Serienfähigkeit getrimmt. Die Flatellites sollen in Stapeln (also als mehrere Nutzlasten in einer vergleichbaren Payload-Bucht-Logik) auf der kommenden Neutron-Rakete starten. Rocket Lab zieht dabei explizit eine Parallele zur Payload-Bay-Konfiguration, wie sie bei Starlink-Nutzlasten an Bord von SpaceX Falcon 9 verwendet wird. Neutron wird als nächste Generation mit Wettbewerbsausrichtung gegenüber Falcon 9 beschrieben, inklusive teilweiser Wiederverwendbarkeit; der Zeitrahmen für den Erstflug wird als Ende des Jahres oder früh 2027 eingeordnet. Für das Missionstempo ist das relevant, weil Konstellationen im Verteidigungsumfeld weniger „nice to have“ sind: Je schneller die Satelliten verfügbar sind, desto eher lassen sich Sensor-Coverage und Zielverfolgungsleistung realistisch hochfahren.
Parallel zur Flatellites-Meldung arbeitet Rocket Lab an der operativen Startflexibilität, die solche Programme in der Praxis erst skalierbar macht. Mit GHOST wird ein deploybares System vorgestellt, das als containerbasierte Infrastruktur für Electron und HASTE-Starts dienen soll. GHOST ist laut Unternehmen für responsive national-security Missionen gedacht – also Einsätze von mobilen oder temporären Standorten. Im Kontext der Alaskan Starts nennt Beck die Absicht, diese künftig mit GHOST auszuführen, und rahmt das als „deployable worldwide“: Nicht nur Starten, sondern Startplätze mobil und rasch verfügbar machen. Gerade wenn mehrere Programme parallel laufen, wird die Transport- und Aufbauzeit zwischen Projektphasen zum Engpass; deploybare Launch-Strukturen zielen darauf, genau diese Zeit zu verkürzen.
Der Auftrag steht außerdem im breiteren Bild der US-Verteidigungsauftragslage, in der Rocket Lab innerhalb von 2026 mehrere größere Deals kommuniziert hat. Genannt werden unter anderem 20 HASTE-Teststarts mit 190 Millionen US-Dollar, ein Space-Force-Vertrag über 90 Millionen US-Dollar für zwei Satelliten in geostationärer Umlaufbahn sowie ein weiterer Space-Force-Auftrag mit 266 Millionen US-Dollar für bis zu 18 Missionen zur Missile Defense von Alaska. In Summe macht das deutlich, dass Rocket Lab sein Portfolio über unterschiedliche Orbit- und Missionsklassen hinweg ausbaut – von Suborbitaltests bis zu geostationären Assets. Für die Branche ist das ein Hinweis darauf, wie schnell sich „Launch + Space Systems“-Anbieter vom reinen Transportdienstleister zu einer integrierten Sensor- und Infrastrukturkomponente weiterentwickeln.
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