LONDON (IT BOLTWISE) – Ross Stores hat im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn klar über den Analystenschätzungen platziert. Die operative Marge verbesserte sich spürbar, wobei Sondereffekte aus Zollrückerstattungen eine wichtige Rolle spielten. Der Off-Price-Händler hebt deshalb die Jahresprognose zum zweiten Mal in diesem Jahr an. Gleichzeitig laufen Expansion in den Filialbestand und Aktienrückkäufe weiter, während Konkurrenten unter Druck geraten sind.

Ross Stores liefert ein Quartal, das vor allem an der Kombination aus Wachstum, Margenentwicklung und veränderter Ergebnissteuerung festzumachen ist. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um rund 13 % auf 6,26 Mrd. US-Dollar und lag damit über der Analystenschätzung von 6,18 Mrd. US-Dollar. Auch das bereinigte Ergebnis je Aktie zog an: 2,06 US-Dollar nach 1,94 US-Dollar im Konsens. Die Aktie reagierte entsprechend spürbar, zeitweise mit +4,21 % auf 238,58 US-Dollar an der NASDAQ. Für den Markt ist dabei weniger die einzelne Kennzahl entscheidend als die Frage, ob sich die Performance aus dem laufenden Jahr in stabile Margen und in eine belastbare Erwartungskurve übersetzen lässt.
Technisch betrachtet spielt die Marge in diesem Set-Up die Rolle des „Qualitätssignals“, weil sie zeigt, wie gut Preisgestaltung, Warenmix und Kostenkontrolle zusammenwirken. Ross weist eine Verbesserung der operativen Marge um 610 Basispunkte aus; 405 Basispunkte entfallen auf einen Sondereffekt durch Zollrückerstattungen aus dem IEEPA-Verfahren in Höhe von rund 253 Mio. US-Dollar. Dieser Effekt entspricht laut Unternehmensangaben einem Vorteil von etwa 0,60 US-Dollar je Aktie. Gleichzeitig wird es für die Einordnung wichtig, dass auch ohne diese Rückerstattungen ein Plus von 205 Basispunkten bleibt und damit die eigene Planung von 130 bis 150 Basispunkten klar übertroffen wird. Der operative Gewinn summierte sich auf 1,1 Mrd. US-Dollar – ein Ergebnis, das die operative Hebelwirkung des Modells unterstreicht, nicht nur die kurzfristige Sonderkomponente.
Der Blick auf die Ergebnisqualität zeigt auch, wie stark operative Leistung in reale Kundennachfrage übersetzt wird. Ross nennt vergleichbare Filialumsätze, die sehr stark um 10 % zulegten, vor allem getrieben durch eine höhere Kundenfrequenz. Gleichzeitig stieg der Nettogewinn auf 851 Mio. US-Dollar gegenüber 508 Mio. US-Dollar im Vorjahresquartal; das verwässerte Ergebnis je Aktie lag bei 2,66 US-Dollar und damit deutlich über der eigenen Prognose von 1,85 bis 1,93 US-Dollar. Hier wird sichtbar, dass das Unternehmen nicht nur eine bessere Umsatzseite hat, sondern auch die Kosten- und Ergebnisentwicklung über mehrere Ebenen stützt. Für Anleger ist das relevant, weil Off-Price-Geschäftsmodelle erfahrungsgemäß stark auf Skalierung und Marge angewiesen sind, um Volatilität bei Einkaufspreisen oder saisonalen Effekten abzufedern.
Mit der Jahresprognose setzt Ross dann konsequent nach: Die Spanne für das Gesamtjahr steigt auf 8,61 bis 8,77 US-Dollar je Aktie, nachdem zuvor 7,50 bis 7,74 US-Dollar erwartet worden waren. Bereits nach dem ersten Quartal 2026 wurde der Ausblick erhöht; nun folgt die zweite Anhebung innerhalb kurzer Zeit. Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen ein Wachstum der vergleichbaren Filialumsätze von 6 bis 7 %, für das vierte Quartal von 4 bis 5 %. Damit liegen die Ziele jeweils über den Analystenschätzungen von 3,1 bzw. 2,6 %. CEO Jim Conroy betonte auf einer Analystenkonferenz, dass Kunden ihre Ausgaben über Warengruppen und Regionen hinweg steigerten – besonders im mittleren Westen der USA sowie im Heim- und Kosmetikgeschäft. Diese regionale und kategorische Verteilung ist ein Hinweis darauf, dass die Nachfrage nicht nur aus einem einzigen „guten Deal“ kommt, sondern breiter abgestützt wirkt.
Parallel zur Prognoseanpassung laufen Expansion und Kapitalrückführung weiter, was das Bild für 2026 abrundet. Im zweiten Quartal eröffnete Ross 47 neue Filialen: 35 unter der Marke Ross und 12 als dd’s DISCOUNTS. Für das Gesamtjahr wird der Eröffnungsplan auf 115 neue Standorte erhöht, davon rund 90 Ross Dress for Less und 25 dd’s DISCOUNTS. Die Kapitalmaßnahmen bleiben ebenfalls aktiv: Im Quartal kaufte Ross 1,4 Millionen eigene Aktien für insgesamt 319 Mio. US-Dollar zurück – im Rahmen der im März vom Board genehmigten Zwei-Jahres-Ermächtigung über 2,55 Mrd. US-Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr nennt das Unternehmen zudem Rückkäufe im Volumen von 1,275 Mrd. US-Dollar. Solche Budgets sind für die Unternehmensbewertung entscheidend, weil sie die Ergebnisverteilung pro Aktie direkt beeinflussen können, selbst wenn das Umsatzwachstum später etwas abflacht.
Im Marktvergleich wirkt die Ross-Story besonders stark, weil sie gegenläufig zu einem Wettbewerbsdruck steht, der bei TJX sichtbar wurde. Laut den Angaben zur Entwicklung bei TJX berichtete das Unternehmen von einer Abschwächung bei den Ketten TJ Maxx und Marshalls und ordnete die Probleme als selbstverschuldet ein. Zudem wurde eine Verbesserung der Verkufe im laufenden Quartal in Aussicht gestellt. Für Ross entsteht daraus ein doppelter Vorteil: Erstens können Anleger eine bessere Konsumentennachfrage in seinem Off-Price-Segment interpretieren, zweitens reduziert sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Branchenmix automatisch alle Wettbewerber zugleich trifft. Entsprechend haben Analysten nach den Ross-Zahlen ihre Kursziele angepasst: Jefferies erhöhte das Kursziel auf 285 US-Dollar von zuvor 265 US-Dollar und Evercore ISI auf 290 US-Dollar von 276 US-Dollar. Entscheidend wird jetzt, ob Ross das in Aussicht gestellte Wachstum bei vergleichbaren Filialumsätzen im dritten Quartal tatsächlich bestätigt.
Unterm Strich verbinden sich in den Quartalszahlen drei Faktoren zu einer klaren Erwartungslogik. Wachstum bei Umsatz und Kundenfrequenz schafft die Basis, die Marge liefert das „Qualitätssignal“, und die wiederholte Anhebung der Prognose zeigt, dass das Management die Dynamik für nachhaltig hält. Gleichzeitig sollte der Markt bei der Bewertung die Rolle des IEEPA-Sondereffekts im Blick behalten, weil ein Teil der operativen Verbesserung nicht wiederkehrend sein könnte. Für Unternehmen und Entscheider im Handel lohnt zudem der Blick auf die Umsetzung: Filialexpansion, Kapitalrückführung und die Steuerung über den operativen Hebel müssen zusammenpassen, sonst wird ein starkes Quartal schnell zu einem Ausreißer. Nach den Zahlen dürfte die nächste Messlatte weniger die Vergangenheit sein, sondern die Frage, ob Ross im weiteren Jahresverlauf die Planung auch ohne zusätzliche Sonderimpulse einhält.
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