SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Salesforce meldet für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen Rekord: Das Umsatzwachstum liegt bei 11% und in der Kennzahl „Current remaining performance obligation“ (cRPO) bei 14% im Jahresvergleich. Der Konzern hebt die FY27-Revenue-Guidance um 200 Millionen US-Dollar an, unter anderem gestützt durch die erwarteten Übernahmen von Contentful und Fin. In den KI-Produkten treibt Agentforce die wiederkehrenden Umsätze deutlich nach oben, während Data 360 eine sehr hohe Datenlast bis in den zweistelligen Terabyte-Bereich verarbeitet.

Salesforce hat im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 (Ende: 31. Juli 2026) einen Bericht vorgelegt, der im Kern auf zwei Strängen aufbaut: starke operative Kennzahlen und eine BI-ähnliche Durchdringung der eigenen Plattform durch KI-gestützte Produkte. Beim Blick auf die „Current remaining performance obligation“ (cRPO) nennt das Unternehmen 33,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 14% im Jahresvergleich. Diese Kennzahl steht bei Salesforce für vertraglich gebundene Umsätze, die noch nicht als Erlös verbucht wurden – ähnlich wie ein Forecast-Polster in die Zukunft, das nicht nur den Status quo abbildet, sondern auch die Planbarkeit für die kommenden Quartale verbessert.
Finanziell verdichtet sich das Bild: Der Konzern weist einen Umsatz von 11,3 Milliarden US-Dollar aus, ebenfalls plus 11% im Jahresvergleich und konstanten Wechselkursen (Constant Currency). Zusätzlich nennt Salesforce Subscription- und Support-Erlöse von 10,8 Milliarden US-Dollar (+12% Y/Y, +11% in CC) und führt dabei explizit Beiträge aus dem Informatica-Umfeld an: 440 Millionen US-Dollar in der betreffenden Periode. Die Ergebnisqualität stützt die Story mit einer GAAP-Operating-Marge von 20,5% und einer non-GAAP Operating-Marge von 34,1%. Besonders auffällig ist die Cash-Komponente, denn aus dem operativen Geschäft fließen 1,3 Milliarden US-Dollar (+71% Y/Y), während der Free Cash Flow 1,1 Milliarden US-Dollar (+81% Y/Y) erreicht.
Der technische und zugleich geschäftliche „Kernhebel“ liegt laut Bericht im Agenten-Ansatz des Salesforce-Ökosystems. Agentforce und Data 360 werden als zentrale wiederkehrende Einnahmequellen ausgewiesen: Zusammen erreichen sie einen ARR von fast 3,9 Milliarden US-Dollar, mehr als eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr (+210% Y/Y). Innerhalb dieser Entwicklung steigt Agentforce-ARR auf über 1,5 Milliarden US-Dollar (+240% Y/Y). Operational betrachtet nutzt Salesforce dafür eine Kennzahl, die aus dem Generative-KI-Teil in messbare Outputs übersetzt: „Agentic Work Units“ (AWUs). Bislang wurden 7,0 Milliarden AWUs geliefert, allein im Quartal 3,2 Milliarden; das entspricht einem Wachstum von 97% gegenüber dem Vorquartal. Damit geht Salesforce einen Schritt weg von reinen Modell-Claims hin zu einer Metrik, die in Produktions-Workflows sichtbar wird – etwa beim Lösen von Kundenfällen, beim Aktualisieren von Datensätzen oder beim Auslösen automatisierter Abläufe.
Auch Slack wird in dem Reporting nicht als Nebenkanal behandelt. Salesforce nennt für Slackbot eine Umsatzdynamik und führt die schnellste vierteljährliche Steigerung beim Net New Annual Order Value (NNAOV) seit der Übernahme an, während die Zahl der Slackbot-Nutzer im Quartalsvergleich um mehr als 150% gestiegen sein soll. Daneben beschreibt Data 360 eine sehr datenintensive Pipeline: Das System hat im Quartal 104 Billionen Datensätze „ingested“, also eingelesen (+355% Y/Y), davon 82 Billionen über „Zero Copy“ (+731% Y/Y), und zudem 22 Terabyte unstrukturierter Daten verarbeitet. Technisch lässt sich das als Signal lesen, dass Salesforce seine Datenebene zunehmend als „Data-to-AI“-Schicht positioniert, in der die Kosten und Latenzen von Datenbewegungen ein Wettbewerbsfaktor werden – gerade wenn KI-Anwendungen nicht nur Antworten, sondern auch verlässliche Kontextanreicherung aus Unternehmensdaten liefern müssen.
Für den Markt ist vor allem die Guidance relevant: Salesforce hebt die FY27-Revenue-Spanne auf 46,1 bis 46,4 Milliarden US-Dollar an. Das entspricht einem Wachstum von 11% bis 12% Y/Y und 11% in constant currency; im gleichen Atemzug steckt eine Erhöhung um 200 Millionen US-Dollar in der Planung. In der Aufschlüsselung nennt das Unternehmen 100 Millionen US-Dollar aus organischem Wachstum, 200 Millionen aus den erwarteten Übernahmen von Contentful und Fin sowie 100 Millionen US-Dollar als FX-Effekt (Währungseffekte als Gegenwind). Für die „Subscription and support revenue“-Entwicklung hält Salesforce die Richtung fest: leicht über 12% Y/Y und leicht unter 12% in CC, wobei Informatica mit einem Beitrag von leicht über 3 Prozentpunkten eingeplant ist. Wichtig ist aber die Abhängigkeit: Die aktualisierte Guidance für cRPO ist „conditional“ auf den Abschluss der Transaktionen; genau genommen erwartet der Konzern, dass beide Deals unabhängig im dritten Quartal des FY27 geschlossen werden.
Damit verschiebt sich die Erwartung an die Umsetzung: Das Unternehmen legt zusätzlich eine dritte Quartals-Guidance vor (Q3 FY27) mit Einnahmen von 11,42 bis 11,5 Milliarden US-Dollar und einem Umsatzwachstum von 11% bis 12% Y/Y sowie in CC. Gleichzeitig startet Salesforce eine cRPO-Wachstumsannahme von ungefähr 14% Y/Y und in CC – weiterhin ohne Beitrag aus den noch ausstehenden Akquisitionen. Operativ ergänzt Salesforce das durch Margen- und Cashflow-Aussagen: Die GAAP Operating-Margin-Guidance für FY27 steigt auf 20,1%, die non-GAAP Operating-Margin bleibt bei 34,3%. Beim Shareholder-Return verweist der Bericht auf die laufende „Accelerated Share Repurchase“-Strategie mit insgesamt 25 Milliarden US-Dollar; im Quartal wurden Dividenden in Höhe von 364 Millionen US-Dollar ausgekehrt, und die Endabrechnung des ASR erwartet Salesforce für Oktober 2026.
Für Unternehmen, die Salesforce im Produktionsbetrieb nutzen, lässt sich aus der Kombination aus cRPO-Planbarkeit, Agentic-Work-Unit-Metriken und der Datenpipeline-Last eine praktische Lehre ziehen: Die Diskussion um KI verschiebt sich von der reinen Modellgüte hin zu der Frage, wie schnell KI-Assistenz in wiederkehrende Prozesse und messbare Service-Outputs übersetzt. Wer heute Agentenfunktionen evaluiert, sollte deshalb weniger nur auf Demo-Skripte schauen, sondern auf die im Bericht genannten Produktionsindikatoren, etwa AWUs, NNAOV und die Datenvolumina inklusive „Zero Copy“. In der nächsten Ausbaustufe werden die erwarteten Integrationen von Contentful und Fin zudem eine konkrete Herausforderung mit sich bringen: Sie müssen in die bestehenden Produkt- und Abrechnungslogiken so eingehängt werden, dass die vertraglich gebundenen Folgeumsätze (RPO/cRPO) nicht nur steigen, sondern auch prognostisch stabil bleiben.
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