MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Schörghuber Gruppe meldet für 2025 einen gestiegenen Gesamtumsatz von 1,79 Mrd. EUR und bleibt mit 47,4 % Eigenkapitalquote stabil. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen investiert das Unternehmen mit rund 210,6 Mio. EUR weiter auf hohem Niveau. Besonders prägt das internationale Geschäft das Wachstum, darunter die Paulaner-Brauereigruppe mit starken Zuwächsen in China. Gleichzeitig setzt die Bayerische Hausbau Real Estate mit dem Erwerb eines Londoner Gewerbeobjekts einen strategischen Diversifizierungsschritt.

Die Schörghuber Gruppe zeigt sich zum Jahresabschluss 2025 widerstandsfähig: Der aggregierte Gesamtumsatz stieg auf 1,79 Mrd. EUR, während gleichzeitig die Bilanzsumme mit 4,88 Mrd. EUR nahezu unverändert blieb. Damit setzt das Münchner Familienunternehmen den Wachstumskurs fort, den es bereits 2023 eingeschlagen hatte, obwohl politische Unsicherheiten und schwierigere Marktbedingungen den Investitions- und Konsumzyklus in vielen Branchen belasteten. CEO Florian Schörghuber macht die Logik dahinter deutlich: „Dass wir trotz der anspruchsvollen Rahmenbedingungen wachsen, zeigt die Stärke und Substanz unseres Unternehmens – und bestätigt uns darin, auch in den kommenden Jahren konsequent in die Zukunft zu investieren.“
Operativ stützt sich das Ergebnis auf mehrere Treiber, die zugleich zeigen, wie diversifiziert die Gruppe aufgestellt ist. 2025 erwirtschaftete sie ein EBITDA von 331,7 Mio. EUR, das um 1,9 % zulegte; das liegt allerdings im Kontext der Sondereffekte des Jahres 2024. Für 2025 weist das Unternehmen zudem ein klares Investitionsprofil aus: Mit einem Volumen von 210,6 Mio. EUR lag die Gruppe annähernd auf dem Niveau von 2024 (217,5 Mio. EUR). Technisch betrachtet entspricht das einer stabilen „Execution“-Pipeline: Kapitalflüsse werden nicht nur geplant, sondern in mehreren Geschäftsfeldern in Projekte und Betriebsmodelle übersetzt, ohne dass die Finanzierungssicherheit sichtbar erodiert.
Damit rückt der zweite Kernaspekt in den Vordergrund: Internationalisierung als strategischer Hebel. Schörghuber verfolgt fünf Geschäftsfelder – Development, Real Estate, Getränke, Hotel und Seafood – und nutzt diese Breite, um das Risiko einzelner Branchen abzufedern. Größter Wachstumstreiber war 2025 erneut die Paulaner Brauerei Gruppe, geführt als Joint Venture mit Heineken und mit 70 % at equity konsolidiert. Trotz eines rückläufigen Biermarktes in Deutschland und global steigerte die international aktive Brauereigruppe ihren Umsatz um rund 7 %. Besonders auffällig ist das Auslandsgeschäft mit +9 %, getragen unter anderem von China (+23,8 %), Italien (+8 %) und Spanien (+6 %). Im Vergleich zu rein national ausgerichteten Playern ist das ein Vorteil, weil Nachfrageimpulse sich regional schneller ausgleichen können.
Auch der Bereich Seafood liefert eine zweite Quelle internationaler Dynamik. Die chilenische Lachszucht Ventisqueros steigerte den Umsatz um rund 9 %, vor allem dank eines starken Exportwachstums in den USA. Dort legte der Umsatz um 30 % auf rund 122 Mio. USD zu, wobei die Mehraufwendungen infolge der US-Zollpolitik das Gruppenergebnis laut Bericht im zweistelligen Millionenbereich belasteten. Gerade diese Kombination zeigt, dass Diversifizierung nicht automatisch Risiko eliminiert, aber die Schadensverteilung verbessert. In der Praxis verschärft Zollpolitik zudem Planungs- und Hedging-Anforderungen, weil Beschaffungskosten, Preisweitergabe und Lieferketten-Taktung stärker schwanken. Wie Branchenexperten berichten, investieren viele international tätige Unternehmen deshalb zunehmend in Daten- und Prozessintegration, um solche Variablen schneller in Preis- und Investitionsentscheidungen zu übersetzen.
Ein strategischer Meilenstein entsteht parallel im Real-Estate-Teil: Die Bayerische Hausbau Real Estate erwarb 2025 mit Abschluss Anfang 2026 ein Gewerbeobjekt in London – der erste Markteintritt in einen der wichtigsten Finanz- und Handelsstandorte Europas. Für den Gesamtverbund ist das mehr als ein einzelnes Asset: Es ist ein Baustein der Portfoliodiversifizierung, die angesichts der Transformation in anderen Segmenten nötig wird. Wettbewerber im Immobilien- und Hospitality-Umfeld gehen dabei häufig unterschiedliche Wege – von stärker immobilienlastigen Portfolios bis hin zu asset-liefernden Plattformmodellen. Schörghuber bleibt in diesem Spannungsfeld erkennbar bei einem Mischmodell aus Bestand, Entwicklung und internationaler Betreiberkompetenz, während andere Marktteilnehmer wie Vonovia oder Aareal im jeweiligen Segment stärker auf homogene Immobilienstrategien setzen.
Im Hotel-Portfolio hält die Gruppe ebenfalls das Tempo: Arabella Hospitality konnte den Umsatz auf Vorjahresniveau stabilisieren, „Like for Like“ sogar um 6,4 % steigern. Gleichzeitig investiert das Unternehmen weiter in den eigenen Hotelimmobilienbestand in Österreich und auf Mallorca. Besonders interessant ist der Wechsel hin zu einem White-Label-Operator-Management-Geschäft: Mit dem ersten Managementvertrag auf Ibiza startet Arabella Hospitality in Europa, gestützt auf über 50 Jahre Marktexpertise. Technisch und organisatorisch bedeutet das, dass Betriebs-Know-how künftig stärker als wiederverwendbares Prozess- und Steuerungsmodell skaliert werden muss – etwa über standardisierte Revenue- und Qualitätssteuerung. Für Datenschutz und Compliance spielt das ebenfalls eine wachsende Rolle, weil Gästedaten, Zahlungs- und Buchungsdaten sowie Partnerverträge im Hintergrund zunehmend entlang EU-rechtlicher Anforderungen verarbeitet werden müssen.
Auch Deutschland bleibt laut Schörghuber Fokus, allerdings nicht ohne Appell: Während die Gruppe den Heimatmarkt als attraktiv betrachtet, fordert CEO Florian Schörghuber eine „Aufbruchsstimmung“ und einen Schulterschluss zwischen Politik und Wirtschaft. Für Unternehmen, die weiterhin investieren wollen, ist das eine klare Botschaft zur Erwartung an Planungssicherheit – in Deutschland vor allem in Bereichen wie Energie, Arbeitsmarkt, Bau- und Genehmigungsprozesse. Historisch erinnern solche Forderungen an frühere Zyklen: In der Vergangenheit waren es häufig Steuerungsfragen rund um Finanzierung, Regulierung und Standortkosten, die Investitionsbudgets in Immobilien- und Konsumsektoren verlangsamten. Der Unterschied heute: Digitale Prozesse und Automatisierung im Asset- und Portfoliomanagement erhöhen zwar die Effizienz, machen aber gleichzeitig strukturierte Datenqualität, Integrationsfähigkeit und Cyber-Risikomanagement zu zentralen Voraussetzungen.
Ein differenziertes Bild ergibt sich schließlich in der Development-Sparte. Bayerische Hausbau Development zeigte sich angesichts schwieriger Marktgegebenheiten im vergangenen Jahr rückläufig – sowohl beim Umsatz als auch beim Ertrag. Gleichzeitig startet im Frühjahr 2026 Parkside Lerchenauer Feld in München mit dem ersten Bauabschnitt: geplant sind 550 Wohnungen, von denen 165 in dieser ersten Phase angelegt sind. Solche Startphasen sind für die Gruppe relevant, weil sie zukünftige Einnahmeprofile und Liquiditätsverläufe prägen. Im Branchenvergleich zeigt sich: Wo andere Anbieter den Projektpipeline-Takt stärker kürzen, um kurzfristige Ergebnisvolatilität zu reduzieren, setzt Schörghuber offenbar auf einen kontrollierten Wiedereinstieg. Die Frage für 2026 lautet daher weniger „ob“, sondern „wie schnell“ die Development-Phase die Ergebnisdynamik wieder stabilisiert.
Mit Blick auf Kennzahlen wirkt das Gesamtbild konsistent: Bilanzsumme 4,882 Mrd. EUR, Umsatzerlöse 1,793 Mrd. EUR, Eigenkapitalquote 47,4 % und EBITDA 331,7 Mio. EUR. Das Investitionsvolumen lag bei 210,6 Mio. EUR, finanziert mit einer stabilen Kapitalbasis und einer Mitarbeiterzahl von 6.744. Für Entscheider ist das ein Signal, dass die Gruppe ihre „Transformation“ nicht als reines Kostenprogramm versteht, sondern als Portfolio- und Umsetzungsaufgabe. Zukünftige Entwicklungen dürften dabei vor allem vom internationalen Umfeld abhängen: Wachstumstreiber wie Paulaner und Ventisqueros wirken stabil, Zoll- und Währungseffekte bleiben jedoch ein Ergebnisrisiko. Gleichzeitig deutet der Schritt in London und das White-Label-Operator-Modell im Hotelgeschäft darauf hin, dass Schörghuber seine Kompetenzen stärker in skalierbare Plattformlogik überführt – ein Trend, der mittelfristig sowohl Chancen für Entwickler als auch klare Anforderungen an Sicherheit, Compliance und Prozessautomatisierung mit sich bringt.
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