LAS TABLAS / LONDON (IT BOLTWISE) – Siemens hat in Madrid-Las Tablas den Baubeginn für seine neue Unternehmenszentrale mit einer Grundsteinlegung markiert. Der Siemens Campus entsteht in unmittelbarer Nähe zum Projekt Madrid Nuevo Norte und soll die Zusammenarbeit über einen Multi-Tenant-Ansatz stärken. Die neue Zentrale wird rund 24.000 Quadratmeter umfassen und ist auf einen CO2-neutralen Betrieb ausgelegt. Für den Start der Betriebsaufnahme peilt das Unternehmen Anfang 2029 an.

Mit der Grundsteinlegung in Las Tablas macht Siemens ein Wachstumsversprechen in der spanischen Hauptstadt deutlich sichtbar: Während sich rund um Madrid Nuevo Norte neue Büroflächen und Entwicklungsprojekte aneinanderschieben, setzt der Technologiekonzern auf eine eigene, langfristig angelegte Zentrale. Der neue Siemens Campus entsteht im Madrider Stadtteil Las Tablas und soll auf rund 24.000 Quadratmetern Raum für Arbeit, Austausch und unternehmensübergreifende Kollaboration schaffen. Besonders relevant ist dabei die Multi-Tenant-Ausrichtung: Statt nur eine klassische Konzernnutzung abzubilden, will Siemens die Zusammenarbeit auf dem Campus über mehrere Mietergruppen hinweg fördern und Innovation dadurch organisatorisch wahrscheinlicher machen.
Technisch betrachtet wird der Campus nicht als „reine Büroimmobilie“, sondern als digital angebundenes System verstanden. Siemens plant die Gebäudeautomation auf Basis der eigenen Plattform Building X, die eine einheitliche digitale Datenebene bereitstellen soll. Das ist ein Ansatz, der in modernen Corporate-Real-Estate-Projekten zunehmend gefragt ist: Wenn Energieverbrauch, Anlagenzustände und Betriebsdaten aus unterschiedlichen Gewerken in eine gemeinsame Datenbasis fließen, sinkt der Aufwand für Abstimmungen im Betrieb und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Automatisierungen nicht nur „irgendwo“ laufen, sondern messbar wirken. Hinzu kommen integrierte Elektrifizierungssysteme, Lösungen für Energieverteilung, Brandschutztechnologien sowie Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge – also genau jene Bausteine, die im Alltag über Auslastung, Sicherheit und Nutzerkomfort entscheiden.
Für die Nachhaltigkeitsarchitektur sieht Siemens einen CO2-neutralen Betrieb als Zielbild, unterstützt durch Photovoltaikanlagen und hocheffiziente Wärmepumpensysteme. Damit verknüpft das Projekt lokale Energieerzeugung mit einem effizienten Heiz- und Klimakonzept; beides ist in den letzten Jahren in vielen europäischen Neubauvorhaben zum Standard geworden, aber oft bleiben die Systeme aufeinander abgestimmt „nur teilweise“. Entscheidend ist hier, dass der Campus als Gesamtsystem gedacht wird: Die Gebäudeautomation auf Building-X-Basis soll Transparenz und Optimierung ermöglichen, sodass etwa Lastprofile, Wärmeanforderungen und Ladezyklen perspektivisch nicht getrennt geplant, sondern durchgängiger gesteuert werden können. Dass Siemens dabei explizit die LEED-Platin-Zertifizierung anstrebt, ordnet das Projekt auch in einen internationalen Rahmen ein, der Energieeffizienz, Umwelt- und Prozesskriterien über die reine Architektur hinaus bewertet.
Auch die angestrebten Zusatzzertifizierungen zeigen, dass der Campus nicht nur als technisches Asset, sondern als Standort für Menschen positioniert wird. Neben LEED Platin nennt Siemens die Ausrichtung auf WELL, WiredScore und SmartScore. Während LEED typischerweise ökologische und energiebezogene Kriterien abprüft, zielt WELL stärker auf gesundheits- und wellbeing-orientierte Aspekte der Arbeitsumgebung. WiredScore und SmartScore stehen für digitale Konnektivität beziehungsweise smarte Gebäudekonzepte, also für das Zusammenspiel aus Infrastruktur, Daten und Nutzererlebnis. Für Unternehmen, die später in solchen Gebäuden arbeiten oder Services einmieten, kann das die Entscheidungsgrundlage erleichtern: Sie bekommen nicht nur „Bürofläche“, sondern ein Paket aus Betriebskonzept, digitaler Basis und definierbaren Qualitätskennzahlen.
Der Zeitplan ist für den Markt und für potenzielle Mieter ein zentraler Faktor: Die Betriebsaufnahme des Campus ist für Anfang 2029 vorgesehen. Bis dahin müssen nicht nur Bau und Ausbau abgeschlossen werden, sondern auch die Grundlage für das spätere Zusammenspiel aus Technik, Plattformdaten und Nutzerszenarien rechtzeitig stehen. Mit Kapazitäten für über 3.000 Personen – davon rund 2.600 Siemens-Mitarbeitende – wird das Projekt außerdem hinsichtlich Verkehrs- und Betriebsprozesse relevant. Die Gestaltung trägt dem Rechnung: Siemens beschreibt offene Arbeitsplatzkonzepte, begrünte Außenbereiche, ein Betriebsrestaurant, ein Café, Coworking-Bereiche sowie voll ausgestattete Sportanlagen mit Fitnessstudio. Ein gemeinschaftlicher Kollaborationsbereich im Atrium soll den Austausch aktivieren und die Flächenlogik auf Begegnung ausrichten.
Organisatorisch bleibt das Projekt ebenfalls eng verzahnt: Siemens beauftragte Ferrovial mit dem Bau der neuen Unternehmenszentrale, während La-Hoz Arquitectura den Entwurf verantwortet. Aus Branchenperspektive ist das eine typische Rollenverteilung bei großen Corporate-Campusprojekten, aber sie ist auch ein Hinweis darauf, wie Siemens die Schnittstellen zwischen Hochbau, MEP-Gewerken (Elektro/Mechanik) und späterer Betriebsfähigkeit abarbeiten will. Die Architektur- und Ausbauentscheidungen wirken nämlich direkt auf die technische Umsetzbarkeit von Gebäudeautomation und Energieverteilung: Gebäudeautomation „funktioniert“ nur dann wirklich effizient, wenn Sensorik, Aktorik, Feldverkabelung und Anlagenkonzept früh genug geplant und nicht als nachträgliche Ergänzung behandelt werden.
Insgesamt ordnet Siemens die Grundsteinlegung in Las Tablas als Schritt zur Stärkung von Madrids Rolle als Standort für Innovation, Technologie und Talente ein. CFO Veronika Bienert beschreibt die Grundsteinlegung dabei als klares langfristiges Engagement und betont, der Campus verbinde reale und digitale Welt und diene als Schaufenster für nachhaltige und intelligente Infrastruktur. Für die KI-Entwicklung in Unternehmen – und damit für viele angrenzende Rollen aus Software, Datenanalyse und Automatisierung – sind solche Gebäudeprojekte indirekt aber praktisch bedeutsam: Sie schaffen Datenflüsse, Betriebskontexte und messbare Ziele, an denen sich Prozesse später optimieren lassen. Wenn der Campus Anfang 2029 in Betrieb geht, wird sich damit auch zeigen, wie gut der Brückenschlag zwischen Plattformdaten (Building X), Energie- und Ladelogik und nutzerorientierter Fläche in einem konkreten Großprojekt gelingt.
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