MENLO PARK, CALIFORNIA / LONDON (IT BOLTWISE) – SkyLark Labs aus Menlo Park will humanoide Roboter für reale militärnahe Aufgaben nutzbar machen, ohne sie auf reine Fabrik- oder Küchen-Szenarien zu beschränken. Das Startup setzt dabei auf KI-„Brains“, die aus Wahrnehmung lernen und Anwendungen in Echtzeit anpassen sollen. Laut CEO Amarjot Singh sollen die Systeme in geschlossenen Bereichen besonders effektiv sein, etwa für das Aufbrechen von Gebäuden. Gleichzeitig nennt das Unternehmen bereits Bestellungen und Letters of Intent, die je nach Kunde in den niedrigen bis hohen zweistelligen beziehungsweise mittleren dreistelligen Bereich reichen.

SkyLark Labs: KI-„Brains“ für humanoide Roboter im Militär-Einsatz
SkyLark Labs: KI-„Brains“ für humanoide Roboter im Militär-Einsatz (Foto: IT BOLTWISE)
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Humanoide Roboter klingen häufig wie Science-Fiction, weil sie im Alltag meist auf einzelne Handgriffe reduziert werden. Genau diese Kluft adressiert SkyLark Labs aus Menlo Park (30 Meilen südlich von San Francisco): Das 2022 gegründete Softwareunternehmen entwickelt eine Art KI-„Gehirn“, das handelsübliche Grundmodelle von Robotern mit Fähigkeiten für reale, komplexe Umgebungen verbinden soll. Der Anspruch ist dabei nicht, neue Roboter-Hardware zu erfinden, sondern bestehende Plattformen funktional „umzuprogrammieren“ – mit einem Lernansatz, der sich an dem orientiert, was der Mensch mit den Sinnen erlebt: sehen, hören und fühlen.

Der technische Kern liegt in einer KI-Architektur für Anpassung und kontinuierliches Lernen. Laut Amarjot Singh, Gründer und CEO von SkyLark Labs, werden humanoide Systeme „off the shelf“ als Basis beschafft, während das Startup die „brains“ dafür baut. Singh beschreibt die Arbeitsweise als mission-kritisch, aber zugleich veränderbar: Anwendungen sollen sich in Echtzeit weiterentwickeln, statt nur nach einem starren Trainingslauf auszukommen. In einer Umgebungslogik heißt das praktisch: Der Roboter muss nicht nur Bewegungsfolgen abarbeiten, sondern seine Wahrnehmung in Entscheidungen übersetzen und diese Entscheidungen im Betrieb aktualisieren können.

Damit verschiebt sich auch der typische Anwendungsfokus. Die Quelle zieht eine harte Grenze zwischen Humanoiden, die für Fertigung oder Haushaltsumgebungen ausgelegt sind, und solchen, die für militärnahe Prozesse entworfen werden. Während „factory and kitchen“-Szenarien eher das Greifen von Objekten oder das sichere Bewegen innerhalb definierter Abläufe betonen, geht es hier laut Singh um Aufgaben, die in gefährlichen Situationen menschliche Arbeit ersetzen sollen. Als Beispiele nennt er das „breaching“: Wenn eine Militäreinheit ein Gebäude öffnen soll, ist der Einstieg durch Menschen mit einem unmittelbaren Beschussrisiko verbunden. Humanoide sollen in solchen geschützten bzw. geschlossenen Bereichen diese Aufgabe übernehmen, sodass Truppen weniger Zeit in der direkten Gefahrenzone verbringen.

Die Diskussion um Nutzen und Grenzen wird bei SkyLark Labs ebenfalls betont: In offenem Gefecht, so Singh, ließen sich Aufgaben schneller durch Drohnen erledigen, weil sie deutlich schneller seien als ein Humanoid. Für den überzeugenden Einsatz braucht es also Szenarien, in denen Reichweite und Geschwindigkeit allein nicht ausreichen, etwa wenn Infrastruktur, Hindernisse oder unklare Umgebungslagen den Vorteil des „körperlichen“ Eingreifens verlangen. Genau hier wird die Hardware-Form des Humanoiden relevant: Ein beweglicher Roboter, der Türen, Kanten und verschiedene Oberflächen greifen und sich in einem realen Raum orientieren kann, ist nicht nur ein Sensorträger, sondern ein Aktor, der Handlungen physisch ausführt.

Marktseitig liefert die Meldung eine handfeste Kosten- und Beschaffungsfolie. SkyLark Labs nennt einen Preis von „roughly $450,000 per unit and up“ und sagt, es gebe bereits Bestellungen sowie Letters of Intent im Millionenbereich. Konkret erwähnt Singh eine Bestellung für 25 Einheiten „on the Indian side“ sowie LOIs für rund 250 Einheiten von einem Kunden aus dem Nahen Osten, die innerhalb der nächsten zwei Jahre geliefert werden sollen. Interessant ist außerdem, dass das Startup nach eigenen Angaben für die US-Seite zwar Interesse und LOIs sieht, dort aber noch keine verbindlichen Firmaufträge vorliegen: Die Demoprojekte sollen demnach zur Beschaffung führen, während die Spezialisierung weiterhin klar auf den „brain“-Teil abzielt.

Für Unternehmen, die sich mit KI-Entwicklung im Bereich Robotik beschäftigen, deutet der Ansatz auf ein wiederkehrendes Muster hin: Der Wert entsteht weniger im einzelnen Roboterkörper, sondern in der Software-Schicht, die Wahrnehmung, Planung und Lernen in einem iterativen Produktzyklus zusammenführt. Wenn ein Humanoid in Minuten für unterschiedliche Aufgaben trainiert werden kann, verschiebt sich die typische Entwicklungszeit von monatelangen Integrationsphasen hin zu schnellen Anpassungszyklen – zumindest dann, wenn Datenerfassung, Simulation und Validierung so aufgesetzt sind, dass neue Skills nicht jedes Mal bei Null beginnen. Genau diese Kombination aus Lernfähigkeit, Echtzeit-Anpassung und schneller Task-Generierung dürfte auch für Industrie-Anwendungsfälle außerhalb militärischer Umfelder attraktiv werden, etwa in der Logistik oder Wartung in schwer zugänglichen Bereichen.

Gleichzeitig bleibt die zentrale Frage offen, wie sich das System bei wechselnden Umgebungsbedingungen robust verhält, wenn Aufgaben nicht nur in Trainingsumgebungen, sondern im Feld stattfinden. Die Quelle stellt zwar heraus, dass Humanoide in „closed quarters“ besonders wirksam sein sollen, aber der reale Betrieb hängt von Faktoren ab, die im Software-Engineering meist den Unterschied zwischen Demonstrator und Produkt machen: Sensorqualität unter wechselnden Licht- und Sichtbedingungen, sichere Regelkreise bei Manipulationen sowie das Zusammenspiel aus neuem Lernen und stabiler Performance. Für die nächsten Schritte nennt Singh vor allem den Ausbau zu „better, more advanced systems“ für schnellere und effizientere Auslieferung – wobei die Liefer- und Beschaffungsdynamik, die sich in den LOIs und Demonstrationen abzeichnet, den Zeitplan stark beeinflussen dürfte.


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