MOSUL / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Defense-Startup Smack Technologies will mit seiner KI-Software Omega Joint-Fires-Planungen deutlich schneller machen. In einem KI-Workflow sollen Kommandierende Intelligenz- und Planungsunterlagen hochladen, Parameter wie Einheiten und Grenzen anpassen und daraus automatisch optimierte Handlungspläne erhalten. Im Fokus steht die Sequenzierung von Angriffen über Wochen, damit Munition gezielter eingesetzt und Operationsrisiken besser abgewogen werden. Gleichzeitig erweitert der Anbieter schrittweise den Anwendungsbereich Richtung koordinierte humanitäre Einsätze.

Die Einsatzplanung wird in vielen Streitkräften heute vor allem dadurch gebremst, dass die Kombination aus Zielräumen, verfügbaren Waffensystemen, Zeitfenstern und sich ständig ändernden Lagebildern in der Praxis kaum vollständig „von Hand“ gerechnet werden kann. Genau aus dieser Erfahrung heraus beschreibt Andy Markoff, Mitgründer und CEO von Smack Technologies, das Problem, das er bereits 2016 während des Einsatzes in Mosul sah: Selbst wenn Luftunterstützung grundsätzlich hilft, bleiben im realen Gefechtsbild oft zu wenige Waffensysteme verfügbar, um alle denkbaren Zielanfragen sofort „auszuschalten“. Die Kernfrage lautet dann nicht nur, ob ein Ziel relevant ist, sondern ob ein Angriff im richtigen Moment, mit dem richtigen Asset und in der richtigen Reihenfolge stattfindet – und ob die Munitionskategorien für später überhaupt noch „auf Station“ gehalten werden können.
Aus dieser Logik leitet sich der Ansatz ab, den Smack Technologies mit dem KI-System Omega verfolgt. Laut Beschreibung zielt Omega darauf, nicht bloß Trefferlisten zu erzeugen, sondern die Abfolge von Schlägen über einen Zeitraum von einem oder zwei Monaten so zu strukturieren, dass eine gegnerische Truppe systematisch geschwächt wird. Dabei geht es um mehr als „Scheduling“: Markoff stellt die Kopplung von verfügbaren Assets (also Waffentypen bzw. Mittel) und deren Einsatzterminen in den Vordergrund. Im Ergebnis soll das System Optionen liefern – inklusive Vor- und Nachteilen –, sodass Kommandierende zwischen mehreren realistischen Plänen auswählen und diese anschließend anpassen können.
Im Detail wird der Workflow in der von Smack Technologies gezeigten, rund 14-minütigen Demonstration als „Joint Fires“-Kette präsentiert. Ausgangspunkt ist, dass ein Kommandeur Intelligenz- und Planungsdokumente in das System einliest, um Omega einen operativen Kontext zu geben. Anschließend lässt sich die Eingabe verfeinern, etwa durch die Auswahl bestimmter Einheiten oder durch die Festlegung von Grenzen. Danach erzeugt Omega sowohl grobe, hochrangige Pläne als auch konkrete Workflows, die die weiteren Schritte im Einsatz widerspiegeln. Markoff betont dabei einen wichtigen Unterschied zum klassischen Planungsprozess: Die Outputs sähen so aus, wie Menschen sie erstellen würden – nur eben automatisch, damit Teams die Ergebnisse schneller prüfen, umformulieren und im Verlauf der Mission optimieren können.
Interessant ist außerdem, wie die Demonstration die Geschwindigkeit im Übergang zwischen Planungsphasen adressiert. Markoff beschreibt, dass Menschen für die Erstellung eines Plans teils einen Monat benötigen könnten, während der Aufbau des nächsten Plans im Bereich von „ein bis vier Tagen“ liegen soll. In der Ausführungsphase wird außerdem ein Echtzeit-Aspekt sichtbar: Kommandierende können den Ablauf fortlaufend überwachen und Anpassungen vornehmen, sobald neue Informationen auftauchen – etwa durch aktualisierte Lageberichte, Änderungen in Inventarlisten oder Wettermeldungen. Damit wird KI-gestützte Einsatzplanung nicht als einmaliger „Entscheidungsblock“ verstanden, sondern als iteratives Rechen- und Abstimmungswerkzeug, das die Last komplexer Kalkulationen reduziert, die sonst auf Papier oder in Whiteboard-Ansätzen verteilt würden.
Für die Vermarktungslogik verwendet Smack zudem einen Vergleich zum „Last-mile Delivery“-Ansatz von Amazon: Im Kern geht es um die Suche nach dem effizientesten Weg, Ressourcen bis zur finalen Zustellung bzw. bis zur Zielanwendung zu koordinieren. Markoff begründet, dass sich während eines laufenden Einsatzes die Risikotoleranzen und verfügbare Ressourcen ändern können, das übergeordnete Ziel jedoch oft stabil bleibt. Übertragen auf Omega heißt das: Das System berücksichtigt die Ressourcenzuordnung und die zeitliche Planung so, dass sich die Gesamtmission im Blick bleibt, auch wenn einzelne Parameter kurzfristig kippen. In der Darstellung generiert Omega zudem eine Vielzahl von Aktionen, Zielen und Destinationen, was für Kampagnen- und Bedrohungslagen gedacht ist, bei denen sowohl operative als auch taktische Planebenen zusammenspielen.
Ein weiterer Entwicklungspfad betrifft den Übergang vom Prototyp zur produktionsnahen Nutzung. Markoff sagt, Smack befinde sich in der Umstellungsphase von der Erprobung hin zur Produktion und habe bereits Verträge mit drei US-Militärzweigen; zugleich erwartet das Unternehmen, bis zum Jahresende auf alle sechs Zweige auszuweiten. Parallel arbeitet Smack daran, den Fokus stärker auf koordinierte humanitäre Einsätze zu legen: Zwar hätten die bisherigen Verträge diese Nutzung nicht primär adressiert, aber aus den Anforderungen der Nutzer ergebe sich ein messbares Interesse. Für Unternehmen, die an KI-Entwicklung im sicherheitskritischen Umfeld arbeiten, deutet das auf einen typischen Reifeprozess hin: zunächst enge Use Cases, dann Erweiterung des Daten- und Planungsraums, bis das System auch in anderen Einsatzmustern wiederholbar einsetzbar wird.
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