LONDON (IT BOLTWISE) – Samsung bringt ein umfangreiches Update für SmartThings auf den Weg und rückt dabei vor allem die lokale Steuerung in den Fokus. Das System soll bei bestehender WLAN-Verbindung zwischen Smartphone und SmartThings Hub Befehle schneller verarbeiten als die bisherige Cloud-Weiterleitung. Laut Tests erreicht die lokale Kommunikation rund 30 Prozent schnellere Reaktionszeiten unter kontrollierten Bedingungen. Zusätzlich erweitert Samsung den Home-Tab um SmartThings Now und kündigt Matter-1.6-Unterstützung mit neuen Gerätetypen an.

Samsung nutzt das kommende SmartThings-Update, um ein Kernproblem vieler Smart-Home-Setups direkt anzugehen: zusätzliche Latenz durch die Cloud. In der bisherigen Praxis werden viele Steuerbefehle, selbst wenn die Geräte im selben Heimnetz hängen, zunächst über externe Server geroutet und erst danach wieder in das lokale Netz zurückgespielt. Die Folge sind spürbare Verzögerungen, besonders bei Aktionen, die Nutzer unmittelbar erwarten, etwa das Schalten von Licht oder das Starten von Szenen nach dem Aufstehen. Laut Samsung-Informationen setzt das Update deshalb auf eine erweiterte lokale Steuerung, die die Kommunikation zwischen Smartphone und SmartThings Hub innerhalb desselben Heimnetzwerks priorisiert.
Technisch geschieht das durch eine direkte WLAN-Verbindung statt einer Umleitung über Cloud-Server: Befehle werden übertragen, sobald das Smartphone im gleichen Heimnetz eingebucht ist. Samsung beschreibt dabei einen automatischen Wechsel zwischen lokaler Steuerung und dem Cloud-Betrieb, abhängig vom Standort der Nutzer. In den veröffentlichten Tests unter kontrollierten Bedingungen lagen die Antwortzeiten demnach bei etwa 30% schnellerer Performance als bei der bisherigen Cloud-Variante. Wichtig ist zugleich die Einschränkung, die das Update nicht als „vollständig offline“ positioniert: Bei temporären Netzstörungen bleiben kompatible Lampen und Steckdosen im selben WLAN zwar lokal steuerbar, aber für Fernzugriffe von unterwegs greift das System bei einem Internetausfall weiterhin nicht.
Für wen das konkret relevant ist, zeigt Samsung auch über die unterstützten Hardware-Konstellationen. Die lokale Funktion steht unter anderem für SmartThings Station sowie für Hub-Versionen V2, V3 und V4 zur Verfügung. Ergänzend nennt Samsung hub-fähige Smart TVs sowie Family Hub-Kühlschränke des Herstellers. Die zugehörige Anwendung wird für Android und iOS angeboten. Gleichzeitig bleibt die Basisbedingung für schnelle lokale Abläufe vergleichsweise simpel: Router und Hub müssen mit Strom versorgt sein und ein Endgerät muss sich im gleichen WLAN befinden. Gerade hier lohnt ein Blick auf das Heimnetz als Systemkomponente; wer WLAN-Funklöcher oder instabile Verbindungen hat, wird vom Wechsel zur lokalen Steuerung zwar profitieren, aber nicht jede Verzögerung komplett „wegkonfigurieren“.
Auf der Bedienebene ergänzt Samsung den Home-Tab um SmartThings Now. Die Funktion setzt laut Angaben auf der bestehenden Home-Insight-Logik auf und nutzt kontextbezogene Informationskarten, die im oberen Bereich des Home-Tabs erscheinen. Dabei analysiert das System Nutzungsmuster und historische Daten; als Beispiele nennt Samsung Hinweise für die Fürsorge bei Inaktivität älterer Angehöriger, automatisierte Empfehlungen für Licht oder Luftreiniger beim Zurückkehren nach Hause sowie Routinevorschläge basierend auf der vorangegangenen Woche. Die Idee dahinter: Statt dass Nutzer manuell nach Funktionen suchen und diese starten müssen, soll das Update Empfehlungen und relevante Aktionen pro Kontext nach vorn ziehen. Damit adressiert Samsung nicht nur Latenz, sondern auch den „kognitiven Overhead“ im Alltag eines Smart-Home-Setups.
Auch das Ökosystem rund um Matter rückt stärker in den Vordergrund. Samsung integriert Unterstützung für Matter 1.6, was vier neue Gerätetypen öffnen soll: Energiezähler, Verschlüsse für Türen und Tore, Bewässerungsgeräte sowie Bodensensoren. Ergänzend kommt ein Diagnosewerkzeug für nicht erreichbare Geräte hinzu, das die Netzwerkinformationen aller hinterlegten Einheiten aktualisieren soll. Auf UI-Ebene zeigt sich die Veränderung ebenfalls: Der Home-Tab erhält kompaktere Service-Karten, Live-Hintergrundbilder und eine schwebende Men̈eleiste. Verfügbar ist das neue Layout auf Smartphones, Smart TVs, ausgewählten smarten Kühlschränken sowie auf Windows-Geräten.
Für den Markt ist besonders die Kombination aus schnellerer lokaler Steuerung und breiterem Standard-Support relevant. Smart-Home-Plattformen stehen zunehmend unter Druck, einerseits zuverlässig offline-fähig zu wirken und andererseits trotzdem die Vorteile von Cloud-Mehrwertfunktionen zu behalten. Samsung beschreibt zwar keinen vollständigen Offline-Modus, aber die lokale Steuerung für zentrale Lampen- und Steckdosenaktionen kann in der Praxis genau den Teil abfangen, der bei Ausfällen am sichtbarsten ist. Gleichzeitig bleibt die Kompatibilitätsliste bewusst unkonkret, sodass Unternehmen und Technikinteressierte ihre Gerätebasis im eigenen Setup verifizieren müssen. Insgesamt nennt Samsung zudem Kennzahlen zur Reichweite der Plattform: 470 Mio. registrierte Nutzer und über 430 zertifizierte Partnermarken. Ein konkreter Rollout-Zeitplan für die einzelnen Länder wurde bislang nicht genannt, was die Planung in Unternehmen und bei Smart-Home-Installationen vorerst an die jeweiligen Produktzyklen und App-Updates koppelt.
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