HAMBURG / LONDON (IT BOLTWISE) – Die SMM öffnet in Hamburg ihre Tore und bringt die maritime Branche vier Tage lang in zwölf Messehallen zusammen. Veranstalter sprechen von einer Phase tiefgreifender Umbrüche, die Schiffbau, Schifffahrt und Häfen gleichzeitig betreffen. Im Fokus stehen neue Energieeffizienz-Ansätze, Dekarbonisierungskonzepte und digitale Werkzeuge, ergänzt durch Themen wie Künstliche Intelligenz, Autonomie und Sicherheit. Der Hintergrund: Der globale Schiffbau läuft derzeit offenbar auf Hochtouren, während gleichzeitig Zulieferer von modernisierten Bau- und Wartungsprozessen profitieren dürften.

SMM in Hamburg: Schiffbau im Wandel von Energieeffizienz bis KI
SMM in Hamburg: Schiffbau im Wandel von Energieeffizienz bis KI (Foto: IT BOLTWISE)
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Die SMM startet heute in Hamburg und setzt damit ein sichtbares Zeichen dafür, wie stark sich der maritime Sektor gerade neu sortiert. Vier Tage lang stellt die Messe in zwölf Hallen zusammen, was aus Sicht der Veranstalter aus der vorangegangenen Leistungsschau vor zwei Jahren geworden ist. Im Kern geht es um mehr als neue Schiffstypen: Steigende Anforderungen an Energieeffizienz, Dekarbonisierung, Digitalisierung und Sicherheit ziehen sich als Querschnittsthemen durch die komplette Wertschöpfungskette – vom Schiffbau über Betreiberentscheidungen bis hin zur Hafenlogistik und den maritimen Lieferketten.

Diese Transformation ist auch organisatorisch in der Programmidee erkennbar. Unter dem Leitmotiv „Driving the Maritime Transition“ will die SMM die gesamte maritime Kette am Standort Hamburg bündeln. Claus Ulrich Selbach von der Hamburg Messe und Congress ordnet die Veranstaltung dabei als regelmäßigen Treffpunkt ein, an dem sich die globale Branche alle zwei Jahre persönlich austauscht. Aus dieser Perspektive dient die SMM weniger als reines Produkt-Schaufenster, sondern eher als Marktplatz für technische Roadmaps und Geschäftsmodelle, die in der Praxis anschließend in Ausschreibungen, Werftplanungen und Bauphasen münden.

Dass das Format aktuell zusätzlichen Druck und Rückenwind erhält, zeigen die Kennzahlen der Messe: Nach Angaben der Veranstalter kommen rund 2.300 Aussteller und etwa 50.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, auf einer Ausstellungsfläche von mehr als 90.000 Quadratmetern. Das gesamte Gelände sei ausgebucht. Die internationale Breite ist dabei ein zentraler Faktor, weil maritime Projekte – insbesondere bei Antriebs- und Digitaltechnik – oft auf globalen Komponenten beruhen. Aussteller stammen aus 70 Nationen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer sogar aus 120 Ländern; außerdem gibt es 26 offizielle Nationenpavillons sowie hochrangige Delegationen aus Politik, Wirtschaft und Marinen.

Die inhaltliche Ausrichtung macht deutlich, welche Baustellen gerade Priorität haben. Die SMM richtet laut Ankündigung erstmals einen eigenen Ausstellungsbereich zur Energieeffizienz ein. Dort geht es unter anderem um neue Antriebssysteme, digitale Optimierungstools, Schiffbauinnovationen und Flottenmodernisierung. Bei der Dekarbonisierung stehen alternative Kraftstoffe, Elektrifizierung sowie Windassistenzsysteme im Mittelpunkt. Daneben werden weitere Schwerpunkte gesetzt, darunter „Künstliche Intelligenz und Digitalisierung“, „Autonomie und Robotik“ sowie „Wartung und Sicherheit“. Technisch übersetzt heißt das: Die Branche versucht derzeit, Effizienzgewinne nicht nur über Hardware zu erreichen, sondern auch über Software-gestützte Betriebsoptimierung und neue Wartungsstrategien.

Gerade dieser Mix aus Anlagenbau, Digitalisierung und Betriebstechnik passt zu einer Industriephase, in der sich Nachfrage, Lieferfähigkeit und Qualifikationsbedarf überlagern. Der Schiffbau laufe global auf Hochtouren, heißt es in den aktuellen Aussagen aus der Branche: Die Industrie verzeichne den zweithöchsten Auftragseingang ihrer Geschichte und liefere damit Impulse für die Zulieferindustrie. Für Deutschland wird dabei vor allem die starke Nachfrage nach Kreuzfahrtschiffen, Superyachten sowie Marine- und Spezialschiffen genannt. Zusätzlich nimmt auch der Bau großer Offshore-Konverterplattformen Fahrt auf – ein Bereich, der typischerweise Engineering, Fertigungssteuerung und Logistik eng verzahnt, weil Schnittstellen zwischen Werft, Systemlieferanten und Betreiberseiten früh festgelegt werden müssen.

Auch arbeitsmarkt- und standortbezogene Rückmeldungen ordnen das Bild als Aufschwung. Die Gewerkschaft IG Metall für Norddeutschland berichtet aus Befragungen: Der Bezirksleiter Daniel Friedrich verweist darauf, dass die IG Metall seit 1991 jedes Jahr Betriebsräte norddeutscher Werften nach Lage und Aussichten befragt und dabei über 36 Jahre „selten so gute“ Rückmeldungen erhalten habe. Als zugespitzte Branchenstimmung nennt er sinngemäß: höher, weiter, schneller. Solche Formulierungen sind zwar keine technischen Messwerte, sie spiegeln aber häufig, wie stark sich Auslastung und Planungsstabilität in den Werften in den letzten Jahren verändert haben – und damit auch, wie schnell neue Anforderungen in Fertigungsprozesse oder Testumgebungen einfließen.

Wer bei der Eröffnung auftritt, unterstreicht die politische und institutionelle Einbettung des Themas. Bei der SMM-Eröffnung um 10.30 Uhr sind unter anderem Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard, die norwegische Ministerin für Fischerei und Meerespolitik Marianne Sivertsen Næss sowie der Generalsekretär der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO), Arsenio Dominguez, eingeplant. Erwartet werden außerdem der Vorsitzende der Internationalen Schifffahrtskammer John Denholm und die Vorsitzende des Verbands Deutscher Reeder Gaby Bornheim. Für Unternehmen ist diese Konstellation relevant, weil sie zeigt, dass die Messe nicht nur Produktentwicklung adressiert, sondern auch die Rahmenbedingungen im Blick behält – etwa dort, wo technische Entscheidungen später in Regulatorik, Zertifizierungsprozesse und Betriebsstandards hineinwirken.

Für die nächsten Jahre dürfte die Kombination aus Energieeffizienz, Dekarbonisierung und KI-gestützter Digitalisierung der zentrale Hebel bleiben. Wenn Energieeffizienz erstmals so sichtbar als eigener Ausstellungsbereich auftritt, bedeutet das zugleich, dass Werften und Systemanbieter Effizienzkennzahlen, Testmethoden und digitale Betriebslogiken stärker miteinander verzahnen müssen. Der Schwerpunkt „Autonomie und Robotik“ deutet außerdem darauf hin, dass sich Arbeits- und Sicherheitskonzepte in Werften und Häfen in Richtung stärker automatisierter Prozesse bewegen. Und „Wartung und Sicherheit“ schließlich legt nahe, dass Betreiber weiterhin Wert auf nachvollziehbare Zuverlässigkeit legen – ein Punkt, der im Kontext von Software-Updates, Sensorik und datengetriebener Zustandsanalyse praktisch entscheidend wird, sobald neue Antriebs- und Energiekonzepte breit ausgerollt werden.


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