LONDON (IT BOLTWISE) – Sonos macht aus den Ace Ultra deutlich mehr als nur „gute Kopfhörer“: Über Wi‑Fi lassen sie sich als vollständiges Mitglied in ein Sonos-Speaker-Setup einbinden. Damit wandert die Wiedergabe mit einem Knopfdruck zwischen Lautsprechern und Kopfhörern – ohne dass erst ein Umweg über den Soundbar-Modus nötig ist. Ergänzend verbessert Sonos ANC, passt den Klang dynamisch an die Passform an und verspricht bis zu 35 Stunden Laufzeit. In Tests zeigt sich vor allem, dass die neuen Ökosystem-Funktionen bereits früh im Alltag funktionieren.

Die große Geschichte hinter den Sonos Ace Ultra ist nicht allein die nächste Runde bei aktiver Geräuschunterdrückung, sondern die Rückkehr zu einem zentralen Anspruch: Kopfhörer sollen sich wie ein echter Bestandteil des Sonos-Systems anfühlen. Der Ursprung des Problems liegt dabei weniger in der Hardware als im Software-Umfeld. 2024 hatte Sonos mit der App-Krise spürbar Vertrauen verspielt; diesmal setzt das Unternehmen mit einer überarbeiteten Speaker-Plattform und neuen Ultra-Geräten an, damit Multiroom-Wiedergabe, Umschalten und Audio-Pipelines nicht wie „Workarounds“ wirken. Bei den Ace Ultra passiert das vor allem über das Zusammenspiel aus Headphone Engine 2 und der Sonos-27-Plattform.
Technisch fällt als erstes die Wi‑Fi-basierte „Headphone linking“-Funktion auf. Während das frühere Ace-Modell primär das Umschalten von Audio zwischen kompatiblen Soundbars und Kopfhörern („TV Audio Swap“) in den Mittelpunkt stellte, können die Ace Ultra nun wie ein Lautsprecher ins Sonos-Ökosystem eingebunden werden. Praktisch heißt das: Was auf den Sonos-Speakern läuft (Musik, Filme oder auch Audio von einer angeschlossenen Plattenspieler-Quelle), lässt sich per Knopfdruck an die Kopfhörer übergeben. Ein erneuter Tastendruck zieht den Ton wieder zurück zum ursprünglichen Wiedergabegerät. Wichtig ist dabei eine Einschränkung aus der aktuellen Logik: Den Start der Wiedergabe muss man in der Sonos-App anstoßen; AirPlay mit Apple Music wird als Beispiel explizit als nicht passend genannt. Für Nutzer bedeutet das weniger „Universalfunktion für jede Quelle“, aber dafür eine deutlich konsistentere Sonos-internen Steuerung.
Im gleichen Paket verbessert Sonos die akustische Seite. Für die aktive Geräuschunterdrückung spendiert das Unternehmen zwei zusätzliche Mikrofone, wodurch die Ace Ultra auf insgesamt 10 Mikrofone für ANC und Umgebungserkennung kommen. Daraus entsteht die Adaptive ANC, die die Umgebung laufend überwacht und die Blockierung der Störgeräusche in Echtzeit anpassen soll. Ergänzend gibt es die Adaptive EQ-Logik, die das Klangprofil automatisch an Änderungen in der Passform anpassen soll – ein Hinweis, der insbesondere bei Brillenträgern oder langen Haaren plausibel ist, weil sich dabei Kontaktpunkte und Kopplung zwischen Ohrmuschel und Kopf messbar verändern können. Auch die Equalizer-Kontrolle wurde ausgebaut: Statt nur eines einfachen 3‑Band-EQs ist nun wahlweise ein 8‑Band-Setup verfügbar, was für Feintuning in unterschiedlichen Hörumgebungen sorgt.
Bei der Laufzeit setzt Sonos ebenfalls spürbar nach. Die Ace Ultra sollen bis zu 35 Stunden pro Ladung erreichen, also etwa fünf Stunden mehr als beim ursprünglichen Ace. Entscheidend für den Alltag ist zudem die Entscheidung, den Akku als benutzerersetzbar auszuführen. Das reduziert das typische Problem vieler kabelloser Over-Ears, bei denen ein absehbarer Akkualterungsprozess die Nutzung mittelfristig unattraktiver macht. In der App wird außerdem eine Schätzung zur verbleibenden Akkulaufzeit neben dem Prozentwert angezeigt. In der Testnutzung schwankte diese Angabe offenbar je nach Betriebsmodus: Funktionen wie TV Audio Swap beeinflussen den Wert stärker als das reine Streaming per Bluetooth. Dass Sonos dennoch bei der Kernaussage zur Gesamt-Laufzeit „halten“ will, wird durch einen konkreten Testhinweis untermauert: Nach 19 Stunden mit ANC an nahezu die gesamte Zeit sind noch 45 % vorhanden.
Auch beim Klangbild positioniert Sonos die Ace Ultra klar über das „nur besser als vorher“ hinaus. Die Kopfhörer nutzen 40‑mm-Treiber, die das Unternehmen als Sonos-eigen und in Zusammenarbeit mit bekannten Sound-Engineering-Profis aus dem Musik- und Filmumfeld beschreibt. In der praktischen Hörwahrnehmung wird vor allem der Unterschied zur ersten Ace-Version beim Bass und bei der Detailauflösung betont. Dazu kommt eine spürbare Verbesserung in der Wiedergabe von TV- und Filmton: Selbst bevor eine spezielle TrueCinema-Funktion vollständig eingerichtet wurde, sollen Stimmenverständlichkeit und subtile Geräuschlagen (bis hin zu Raumcharakteristika in einer Szene) besser herauskommen. Das ist im Kern eine Mischung aus Abstimmung, DSP-Umsetzung und psychoakustischen Effekten – und genau dort entscheidet sich oft, ob Kopfhörer als „Nebenlösung“ wahrgenommen werden oder ob sie wirklich den Wohnraum übernehmen.
Beim ANC und den Betriebsmodi geht Sonos ebenfalls auf typische Nutzer-Szenarien ein. Laut Angaben soll die Geräuschunterdrückung bis zu doppelt so stark ausfallen wie beim Original-Ace, wobei im Test vor allem konstante Störquellen überzeugender blockiert werden, etwa ein lauter Wäschetrockner oder ein HVAC-System. Gleichzeitig wird aber klar abgegrenzt, dass ANC den Menschenstimmen- oder Dialoganteil nicht vollständig eliminiert; wer pausiert, soll die Umgebung weiterhin wahrnehmen können. Für genau diesen Zweck existiert Aware Mode, also Transparenz mit natürlicherem Ambient-Sound. Dazu kommt Sidetone für Telefonate, das den eigenen Klang auch bei aktivem ANC einblendet, allerdings wird es im Test nicht als so gut wie der Aware-Mode beschrieben. Im Gesprächsfall zeigt sich außerdem eine überdurchschnittliche Sprachaufnahme: Hintergrundgeräusche werden reduziert, aber nicht radikal wegoptimiert, wodurch man sich weniger „überprocessing“-typisch fühlt.
Der entscheidende Produktvorteil bleibt jedoch die Wohnzimmerschnittstelle zwischen Sonos-Setups und Kopfhörern. TV Audio Swap funktioniert dem Bericht zufolge grundsätzlich zuverlässig: Über eine lange Betätigung der Multi-Function-Taste am rechten Ohrpol wird die Wiedergabe in die Kopfhörer übertragen, der Wechsel dauert nur ein bis zwei Sekunden und wird mit einem Ton bestätigt. Es gibt aber einen konkreten Einzelfall mit gelegentlichen Aussetzern oder Skips, der in einem Test beim jeweiligen Heimkino-Umfeld auftrat, während ein anderer Testversuch keine Reproduktion zeigte. Die Einordnung lautet, dass Sonos das Problem zwar als möglich ansieht, aber die Ursache eher in Streaming-Geräten oder im Wi‑Fi-Netz vermutet. Die neue Headphone-Linking-Funktion zeigt sich in diesem Zusammenhang stabiler, vermutlich weil die Kopfhörer in diesem Modus als eigenständiges Sonos-Device funktionieren und nicht nur als Ziel für einen Soundbar-Transfer.
Am Ende ergibt sich ein klares Gesamtbild: Die Ace Ultra sind das, was das ursprüngliche Ace laut Bewertung hätte sein sollen – nämlich eine Kopfhörer-Plattform, die nicht nur „Audio austauscht“, sondern echten Systemcharakter besitzt. Verbesserungen bei Audioqualität, ANC und Akkulaufzeit sorgen dafür, dass die neue Ökosystem-Funktion nicht als Gimmick wirkt. Wenn Headphone Engine 2 und die Sonos-27-Plattform ihre Versprechen auch außerhalb der ersten Testphase einhalten, hätten die Ace Ultra damit eine überzeugende Antwort auf die Schwachstelle der Vergangenheit: weniger Brüche zwischen App, Lautsprechern und Kopfhörern, mehr einheitliches Nutzererlebnis. Für Käuferinnen und Käufer, die Sonos bereits im Wohnraum nutzen, ist das Upgrade damit vor allem eine Frage der Integration – und weniger „ob die Kopfhörer besser klingen als andere“.
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