WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US Space Force will für kommende SATCOM-Experimente die schmale Bandbreite kommerzieller Satelliten aus dem Medium-Earth-Orbit (MEO) nutzen. In einer Industrie-Notiz sucht sie nach Satelliten, Nutzlasten oder Kommunikationslinks, die sofort oder so bald wie möglich verfügbar sind. Ziel ist, die Interoperabilität mit bestehenden staatlichen Systemen im geosynchronen Orbit zu testen. Der Prototyp ist laut Budgetplanung frühestens ab Geschäftsjahr 2030 vorgesehen.

Die US Space Force geht bei Satellitenkommunikation einen Schritt weg von reiner Eigenarchitektur hin zu einem hybriden Ansatz, bei dem kommerzielle Kapazitäten früh in den Testbetrieb integriert werden. In einer am 24. Juli veröffentlichten Ankündigung des Space Systems Command geht es ausdrücklich darum, schmale Bandbreite aus kommerziell betriebenen Satelliten, Nutzlasten oder Kommunikationslinks im Medium-Earth-Orbit (MEO) einzubinden. Damit soll eine spätere Zielarchitektur realitätsnäher untersucht werden, noch bevor die komplette Systemlandschaft steht.
Bemerkenswert ist dabei vor allem die zeitliche Ausrichtung: Die Ausschreibung liefert zwar keinen konkreten Starttermin, stellt aber klar, dass die benötigte Fähigkeit „sofort oder so bald wie möglich“ verfügbar sein soll. Ein „Initial Launch Capability (ILC)“ bis 2030 wird als potenziell nützlich bezeichnet, zugleich werden aber innovative Wege bevorzugt, die eine frühere On-orbit-Fähigkeit ermöglichen. Der Text ordnet zudem ein, dass das erste Regierungsprototyp-Setup nicht zwingend repräsentativ für die spätere Endarchitektur sein müsse, sondern als Einstieg dienen soll, um UHF-Dienste aus dem MEO grundsätzlich zu evaluieren.
Technisch zielt die Experimentierkampagne auf Interoperabilität ab: Kommerzielle MEO-Satelliten sollen mit bestehenden staatlichen Raumfahrzeugen im geosynchronen Orbit zusammenarbeiten können. Das ist in der Praxis weniger trivial, als es auf dem Papier klingt, weil sich Parameter wie Frequenznutzung, Link-Budgets, Modulations- und Codierschemata sowie Protokollannahmen zwischen Plattformen unterscheiden können. Zusätzlich hebt die Space Force hervor, dass die Erkenntnisse auch in eine langfristige Planung einfließen könnten – etwa ob geostationäre (GEO-) Satelliten erweitert oder ersetzt werden, beziehungsweise ob eine proliferierte MEO-Konstellation als Bestandteil der Kommunikationsstrategie dienen soll. In der Notiz wird außerdem angedeutet, dass der Zugriff auf die kommerzielle Fähigkeit mindestens drei Jahre erforderlich sein kann.
Als aktuelle Grundlage nennt die Space Force ihre Mobile User Objective System (MUOS)-Flotte für schmalebandige, also im Kern UHF-basierte Kommunikation, die vor allem für taktische, sichere Verbindungen ausgelegt ist. MUOS besteht aus vier Satelliten plus einem On-orbit-Reserve-Objekt im geosynchronen Orbit. Der Hintergrund für UHF als Frequenzbereich liegt nicht nur in der „kleinen“ Bandbreite, sondern in Eigenschaften, die im Einsatzkontext oft entscheidend sind: UHF ist weniger wetteranfällig, funktioniert auch bei schwierigen Geländeverhältnissen besser, bietet typischerweise längere Reichweiten und einen stärkeren Signalcharakter. Ebenso wird UHF als schwerer zu stören beschrieben – ein Punkt, der bei SATCOM-Operationen häufig direkt mit Resilienzanforderungen gegenüber Jamming verknüpft wird.
Parallel zur Teststrategie treibt die Space Force den Umbau der Architektur in der Gegenwart voran: Im späten Juni erhielt Boeing einen Auftrag über 2 Milliarden US-Dollar, um zwei weitere MUOS-Satelliten zu bauen. Diese zusätzlichen Einheiten sollen als „Brücke“ zwischen der heutigen Konstellation und einer zukünftigen schmalbandigen Architektur dienen, die laut Beschreibung sehr wahrscheinlich eine Mischung aus GEO- und MEO-Ressourcen enthalten wird. Außerdem zeigt ein Request for Information aus dem Jahr 2024, dass das Militär bereits Konzepte für eine proliferierte MEO-Konstellation untersucht – also für Satelliten, die vergleichsweise günstiger und in größerer Zahl zum Einsatz kommen können, um Abdeckung und Kapazität flexibler zu gestalten.
Für die strategische Einordnung spielt die Budgetplanung eine zentrale Rolle. In Unterlagen zum Haushalt 2027 heißt es, dass die Space Force einen Prototypen frühestens im Geschäftsjahr 2030 starten will. Im Folgezeitraum soll mit der Arbeit an Prototypen sowohl für den Boden- als auch für den Raumfahrtabschnitt begonnen werden; gleichzeitig sollen sogenannte Long-Lead-Teile für den Kommunikations-Payload und für die MEO-Satelliten frühzeitig beschafft werden. Die operative Perspektive dazu liefert außerdem eine Einordnung aus dem Bereich der Portfolio- und Acquisition-Verantwortung: Charlotte Gerhart, Deputy Portfolio Acquisition Executive für Satellite Communications sowie Positioning, Navigation and Timing, beschreibt, dass die Space Force verschiedene Optionen prüft und dabei auch darauf achtet, wie sich der kommerzielle Business-Case weiterentwickelt. Die nächsten Schritte und die konkrete Beschaffungsstrategie seien zu diesem Zeitpunkt noch in Definition.
Für die Industrie ist diese Notiz vor allem deshalb interessant, weil sie nicht nur auf langfristige Programmplanung setzt, sondern eine kurzfristig verfügbare Testbasis einfordert. Unternehmen, die bereits MEO-Kapazität oder passende Nutzlasten anbieten, könnten dadurch in eine Phase gelangen, in der technische Interoperabilität messbar wird – und nicht nur als Konzept in Systemstudien existiert. Umgekehrt verschiebt sich für die Space-Force-Seite der Schwerpunkt: Statt erst am Ende eines Architekturwechsels zu testen, wird die Erprobung in die Lücke zwischen bestehender GEO-Nutzung und dem späteren Hybridbetrieb verlagert. Der entscheidende Hebel liegt dabei in der Frage, ob sich UHF-Services aus dem MEO so integrieren lassen, dass die interoperablen Schnittstellen über mehrere Jahre tragfähig sind.
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