LONDON (IT BOLTWISE) – Ab Anfang 2027 startet die staatlich geförderte Reform der privaten Altersvorsorge, und die Deka will hierfür ein Altersvorsorgedepot für Sparkassenkunden anbieten. Das Standarddepot soll Depotführung und Zulagenverwaltung kostenlos stellen und für die ETF-Basis laufende Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr ausweisen. Daneben kommt ein aktiv gemanagtes Individualdepot, dessen laufende Kosten je nach Ausgestaltung bis zu 1,5 Prozent pro Jahr betragen können. Welche Variante sich lohnt, hängt deshalb weniger vom Marketing als von der Kostenstruktur über Jahrzehnte ab.

Mit dem Start der neuen staatlich geförderten Altersvorsorge Anfang 2027 verschiebt sich der Wettbewerb um Einsteiger- und Bestandskundschaft spürbar in Richtung digitaler, kapitalmarktbasierter Lösungen. Die Deka, das Wertpapierhaus der Sparkassen, positioniert dabei zwei Varianten: ein günstiges Standarddepot und ein aktiv gemanagtes Individualdepot. Während die Sparkasse als Vertriebskanal vor allem Komfort verspricht, entscheidet für viele Sparer letztlich die Frage, wie stark die laufenden Gebühren den Vermögensaufbau bremsen. Genau hier setzen auch Verbraucherschutz-Argumente an: Nicht jede Variante ist automatisch „günstig“, nur weil sie zum selben Reformpaket gehört.
Technisch und strukturell ist das Standarddepot so gedacht, dass es möglichst unkompliziert und kostenseitig vorhersehbar bleibt. Für Depotführung und Zulagenverwaltung kündigt die Deka eine kostenlose Abwicklung an; für die zugrunde liegenden ETFs nennt sie laufende Kosten von 0,1 Prozent pro Jahr. In der Asset-Strategie soll das Geld in einem weltweit ausgerichteten Aktien-ETF anlegen, kombiniert mit einem europäischen Rentenfonds. Für den Rendite-Korridor ist dabei die Glättung über den Lebenszyklus entscheidend: In der klassischen Ausgestaltung fließt der Schwerpunkt zunächst vollständig in den Aktien-ETF, fünf Jahre vor Rentenbeginn wird der Aktienanteil auf 50 Prozent reduziert, und zwei Jahre später erfolgt eine weitere Reduktion um 20 Prozent. Alternativ soll die Aktienquote im Standarddepot auch über die Sparkassen-App durch die Kunden steuerbar sein, wobei die Konditionen laut Ankündigung gleich bleiben.
Der Vergleich wird allerdings erst dann „hart“, wenn man die zweite Deka-Variante in die Rechnung nimmt. Das aktiv gemanagte Individualdepot soll aus bis zu drei Fondsbausteinen bestehen und entlang eines Lebenszyklusmodells gesteuert werden: am Anfang stärker aktienlastig, später schrittweise hin zu Renten- und Geldmarktfonds. Dafür werden aber laufende Kosten von bis zu 1,0 bis 1,5 Prozent pro Jahr genannt. Diese Bandbreite ist mehr als eine kleine Differenz, weil aktive Steuerung typischerweise nicht nur Beratung, sondern auch laufenden Aufwand in der Umsetzung bedeutet. Für Technik- und Finanzverantwortliche ist außerdem relevant, dass sich Standardisierung und aktive Freiheitsgrade unterscheiden: Im Standarddepot dominiert eine ETF-basierte Abbildung, im Individualdepot sind mehr Bausteine und Managemententscheidungen im Spiel, was die Transparenz und die „Kosten-zu-Risiko“-Relation für den Endkunden schwieriger macht.
Vergleichsportale und Verbraucherschützer argumentieren deshalb häufig mit dem gleichen roten Faden: Kosten wirken über Jahrzehnte direkt auf die Nettorendite. Die von der Deka genannte 0,1-Prozent-Klasse der Standardvariante liegt zudem niedriger als einige bereits kommunizierte Angebote anderer digitaler Plattformen, wobei der Vergleich noch unscharf bleiben kann, weil Details bei allen Anbietern bis zum Start fehlen können. Um den Effekt zu verdeutlichen, wird in der Berichterstattung eine Beispielrechnung herangezogen: Bei 35 Jahren Laufzeit und monatlichen Beiträgen von 150 Euro (entspricht 1.800 Euro pro Jahr) wird eine jährliche Bruttorendite von 6 Prozent vor Kosten angenommen. Dann bleibt bei 0,1 Prozent jährlichen Kosten rechnerisch eine Nettorendite von 5,9 Prozent übrig, was nach 35 Jahren grob ein Vermögen von rund 202.000 Euro ergeben soll. Bei 1,5 Prozent Kosten sinkt die Nettorendite rechnerisch auf 4,5 Prozent; das Endvermögen läge dann bei etwa 150.000 Euro. Das ist ein Unterschied von rund 52.000 Euro, bei identischen Einzahlungen und identischer Rendite vor Kosten – also genau der Mechanismus, warum Gebührenaufschläge bei langen Laufzeiten besonders stark „durchschlagen“.
Ein weiterer Punkt, der in der Diskussion regelmäßig unterschätzt wird: Die höhere Kapitalmarktorientierung ist bei der Reform ein Kernelement, aber sie bringt die üblichen Schwankungsrisiken von Aktien- und Rentenbausteinen mit. Das neue Altersvorsorgedepot kommt ohne Beitragsgarantie aus; damit kann stärker in Aktienfonds und ETFs investiert werden. Für viele Haushalte bedeutet das praktisch: Der Depotwert kann zwischenzeitlich auch fallen, und in wirtschaftlich schwächeren Phasen ist ein emotionaler Spagat nötig, um nicht in ungünstigen Momenten umzuschichten oder auszusteigen. Gleichzeitig zeigen historische Daten für breit gestreute Aktienanlagen, dass über längere Zeiträume höhere Erträge erreichbar sind als bei reinen Sicherheitsanlagen. Diese Logik ist jedoch kein Automatismus, sondern eine Folge der Anlagehorizonte und der Diversifikation.
Für die Markteinordnung lohnt außerdem der Blick auf die politische und regulatorische Zielrichtung. Das Altersvorsorgedepot ersetzt für Neuverträge den bisherigen Riester-Mechanismus: Ab dem 1. Januar 2027 sollen neue Riester-Verträge nach bisherigem Recht nicht mehr abgeschlossen werden können, bestehende Verträge bleiben erhalten. In diesem Kontext wird das Standarddepot besonders attraktiv, weil es als „Einstieg ohne großen Aufwand“ gedacht ist und dennoch staatliche Förderung ermöglicht. Für Interessierte entsteht daraus eine klare Handlungslogik: Wer eine günstige, transparente ETF-Basis sucht, startet eher im Standarddepot; wer ein aktiv gemanagtes Konzept nutzt, sollte den Mehrwert gegenüber der Standardvariante plausibel begründen können. Und selbst wenn die neuen Produkte ab 2027 starten: Laut der vorliegenden Einordnung lässt sich die volle staatliche Förderung auch noch Ende 2027 vollständig kassieren, sodass ein vorschneller Abschluss nicht zwingend nötig ist.
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