PARIS / LONDON (IT BOLTWISE) – Der europäische Startup Spiko hat 90 Millionen US-Dollar an frischem Eigenkapital eingeworben, um tokenisierte Cash-Fonds aufzubauen. Nach einer Series-B-Runde erreicht das Unternehmen laut Angaben eine Bewertung von 800 Millionen US-Dollar. Ziel ist es, mit neuartigen Token-Mechaniken und schneller Abwicklung gegen etablierte Player wie BlackRock anzutreten. Offen bleibt, wie stark sich diese Fonds bereits in der Breite durchsetzen und welche Infrastruktur dafür am Ende entscheidend ist.

Spiko sammelt 90 Millionen für tokenisierte Cash-Fonds gegen BlackRock
Spiko sammelt 90 Millionen für tokenisierte Cash-Fonds gegen BlackRock (Foto: IT BOLTWISE)
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Spiko will tokenisierte Cash-Fonds so in den Alltag bringen, wie klassische Geldmarktfonds bereits heute Zahlungsströme indirekt begleiten: mit Stabilitätsversprechen und einem klaren Nutzen für Finanzintermediäre. Auffällig ist dabei weniger der reine Finanzierungsbetrag als die Geschwindigkeit, mit der sich das Startup in eine Liga bewegt, die bislang vor allem von großen Vermögensverwaltern und deren Vertriebs- und Betriebsmodellen geprägt war. Das Unternehmen, das nach Angaben aus London und Paris heraus operiert, hat eine Series-B-Runde über 90 Millionen US-Dollar abgeschlossen; unmittelbar im Anschluss wird eine Bewertung von 800 Millionen US-Dollar genannt. Damit steht Spiko zugleich für einen Trend, der im Markt seit mehreren Quartalen spürbar ist: Krypto-nah gedachte Finanzprodukte werden zunehmend als Infrastrukturprojekt verstanden, nicht nur als Anwendungsfall einer Blockchain.

Technisch knüpft tokenisiertes Cash im Kern an zwei Versprechen an: erstens an die Aufteilung von Ansprüchen in handelbare Token und zweitens an eine schnellere, granularere Abwicklung im Vergleich zu rein papierbasierten oder stark segmentierten Prozessen. Während Geldmarktfonds traditionell über die klassische Verwahr- und Settlement-Kette laufen, zielt die Tokenisierung darauf, Eigentum und damit verbundene Rechte maschinenlesbar zu machen. Entscheidend ist dabei die Ausgestaltung der Token-Mechanik: Wie werden Werttreiber abgebildet, wie werden Rückgaben organisiert, und wie wird verhindert, dass der Token in der Praxis stärker schwankt als der zugrunde liegende Cash- oder Zinskorb? Genau hier wird aus einer Idee schnell ein Betriebs- und Risikoprojekt, bei dem Smart-Contract-Logik, Verwahrung, Liquiditätssteuerung und Compliance-nahe Kontrollen zusammenwirken müssen.

Dass Spiko jetzt gegen „Sektor-Schwergewichte“ antreten will, bringt zusätzlich eine Marktlogik auf die Bühne: Große Vermögensverwalter verfügen über Vertriebsrechte, institutionelle Backoffice-Erfahrung und gewachsene Prozesse zur Konto- und Settlement-Abstimmung. Ein Startup hat dagegen häufig eine andere Hebelwirkung – nämlich Geschwindigkeit in der Produktiteration und die Chance, von Beginn an ein System zu bauen, das Tokenisierung als nativ integriert betrachtet. Für Spiko kann genau diese Position entscheidend sein: Nicht nur, um neue Nutzer zu gewinnen, sondern um die technische Schnittstelle so zu gestalten, dass bestehende Plattformen und Verwahrerpartner den Weg in tokenisierte Fonds weniger als Bruch, sondern mehr als Erweiterung sehen. Gleichwohl bleibt die Frage, wie schnell sich die Durchsatzfähigkeit unter realen Marktlasten zeigt – zum Beispiel dann, wenn Rückgaben oder Transfers zeitgleich auftreten.

Die Runde wurde laut Quelle von New Enterprise Associates (NEA) angeführt; daneben werden Index Ventures, White Star Capital und Speedinvest als weitere Teilnehmer genannt. Für die Bewertungshöhe relevant ist dabei weniger die einzelne Institution als die Signalwirkung, dass sich Investoren auf ein strukturelles Problem fokussieren: den Umstand, dass tokenisierte Finanzprodukte zwar seit Jahren diskutiert werden, aber im Alltag erst dann skalieren, wenn Infrastruktur, Abwicklung und Risikoaggregation zuverlässig funktionieren. Spiko positioniert sich offenbar genau in dieser Lücke. Aus Branchensicht ist auch beachtlich, dass das Unternehmen bereits mit der Kommunikation einer konkreten Unternehmensbewertung in die Öffentlichkeit tritt – das ist bei frühen Infrastrukturprodukten häufig ein Schritt, um sich für Partnerschaften zu legitimieren, die erst mit entsprechender Kapitaldecke und operativer Sichtbarkeit möglich werden.

Im regulatorischen und aufsichtsnahen Teil ist die Tokenisierung von Cash besonders anspruchsvoll, weil hier Stabilität und Rückgabefähigkeit nicht nur Versprechen im Marketing sind, sondern operativ nachweisbar werden müssen. In tokenisierten Vehikeln prallen mehrere Welten aufeinander: digitale Transferwege, Verwahrung und Buchführung, außerdem die Frage, wie Risiken in der Prozesskette messbar und begrenzbar bleiben. Selbst wenn die Finanzierung allein kein regulatorisches Detail liefert, lässt sich aus der Art des Produkttyps ableiten, dass Spiko nicht bei einer rein technischen Demo stehen bleiben kann. Entscheidend sind robuste Kontrollmechanismen, nachvollziehbare Prozesse bei Ausgabe und Rücknahme sowie eine saubere Trennung zwischen Token-Rechten und den zugrunde liegenden Cash- oder Zinspositionen.

Für Unternehmen und Plattformanbieter ist das vor allem dann relevant, wenn tokenisierte Fonds als Baustein in Zahlungs- oder Treasury-Workflows auftauchen. Der Mehrwert entsteht nicht nur durch „digitale Handelbarkeit“, sondern durch die Möglichkeit, Prozesse in Richtung Echtzeit-ähnlicher Abläufe zu verschieben – wobei „echtzeitnah“ in der Praxis meist bedeutet: geringere Latenz zwischen Entscheidung und Abwicklung, konsistentere Status-Events und weniger manuelle Zwischenschritte. Spiko wird damit an der Schnittstelle zwischen KI-/Datengetriebenen Treasury-Setups (z. B. automatisierte Liquiditätssteuerung) und klassischer Fondsverwaltung gemessen werden. Dazu passt auch, dass der Markt bereits viele Zwischenlösungen gesehen hat – häufig scheiterten Projekte weniger an der Blockchain selbst, sondern an Integrationstiefe, Verwahrfähigkeit und dem Aufwand, Rückgabeprozesse sauber zu operationalisieren.

Ob Spiko mit dieser Strategie gegen etablierte Anbieter wie BlackRock tatsächlich Marktanteile gewinnen kann, hängt in den nächsten Quartalen an drei Faktoren: der Qualität der Abwicklungs- und Rückgabemechanik, dem Grad der Integration in bestehende Plattformen sowie der Fähigkeit, institutionelle Nutzer mit belastbaren Betriebsdaten zu überzeugen. Die jetzige Kapitalrunde verschafft Zeit für genau diese harte Arbeit – inklusive der Frage, wie gut das System mit verschiedenen Partnerrollen skaliert, etwa bei Verwahrung, KYC/Onboarding und operativer Liquiditätssteuerung. Für den Markt insgesamt wäre das Ergebnis weniger ein „Alles oder Nichts“, sondern eher eine Etappe: Wenn tokenisierte Cash-Fonds praxistauglich werden, steigt der Druck auf weitere Marktteilnehmer, ihre eigenen Abwicklungswege zu modernisieren, statt nur Produkte auf Tokenbasis zu „überstülpen“.


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