USA / LONDON (IT BOLTWISE) – Spotify führt in seiner iOS-App einen Running Mode ein, der Musiktitel nach Laufphasen und Tempo kuratiert. Premium-Nutzer finden die Funktion ab dem kommenden Mittwoch im Fitness Hub und können aus 25 Presets wählen. Der Modus kombiniert Song-Auswahl mit akustischen Hinweisen für unterschiedliche Abschnitte des Workouts. Voraussetzung ist ein vorerst auf Englisch begrenztes Erlebnis.

Spotify macht den Fitness-Alltag in der App konkreter: Mit dem neuen Running Mode richtet sich der Streamingdienst an Menschen, die beim Laufen gezielt Musik hören wollen, statt einfach nur Playlists zu starten. Laut Produktankündigung soll der Modus Songs anhand verschiedener Phasen eines Runs „cues up“ – also akustisch in den passenden Moment holen – und dabei zusätzlich auf Präferenzen sowie das Tempo setzen. Damit verschiebt sich der Fokus von „Song auswählen“ hin zu „laufbezogenes Timing und Kontext“: Die Musik reagiert nicht nur auf den Geschmack, sondern auch auf den Ablauf des Workouts.
Technisch betrachtet setzt Spotify dafür auf die KI-Logik, die das Unternehmen bereits im Rahmen „prompted playlists“ testet. Der Running Mode nimmt diese Erfahrungen auf und übersetzt sie in ein Fitness-spezifisches Bedienkonzept: Nutzer wählen zunächst ihren Workout-Typ aus, nennen also beispielsweise Intervallläufe, steady runs oder pyramid. Danach lassen sich Parameter wie die Dauer, die Beats per Minute (BPM) und auch die Art der Musik anpassen. Die 25 verfügbaren Presets dienen dabei als Einstieg, während die Feineinstellungen den Kurationsradius erweitern.
Neu ist vor allem die Kombination aus Musikwiedergabe und Akustik-Hinweisen. Neben dem „Abspielen von Songs“ kann der Running Mode zusätzliche Audio Cues erzeugen, die verschiedene Etappen des Laufs markieren. In der Praxis bedeutet das: Wer seine Sessions strukturiert aufbaut – etwa mit Wechseln zwischen Intensität und Erholung – bekommt nicht nur eine passende Soundtrack-Auswahl, sondern auch Orientierung über die Zeitachse hinweg. Für viele Läufer ist das entscheidend, weil sie Tempo- oder Intervallwechsel typischerweise ohne Blick auf eine Uhr in den Flow bringen wollen.
Der Rollout ist klar auf ein bestimmtes Nutzersegment zugeschnitten. Premium-Nutzer auf iOS können die Funktion ab Mittwoch nutzen, und zwar zunächst in den USA, in Kanada, im Vereinigten Königreich, in Irland, in Australien, in Neuseeland sowie in Schweden. Gleichzeitig bleibt eine wichtige Einschränkung bestehen: Der Running Mode funktioniert derzeit nur auf Englisch. Für internationale Teams in Unternehmen oder für Entwickler, die Fitness-Apps regionalisieren, ist das relevant, weil sich die Nutzererfahrung an Sprache und möglicherweise an weitere lokal angepasste Interaktionslogik knüpfen dürfte.
Branchenhistorisch reiht sich Spotify damit in die wachsende Schnittstelle zwischen Streaming und Fitness-Ökosystemen ein. Bereits zu Beginn des Jahres hat der Konzern Fitness-Content eingeführt und dabei auch den Gerätehersteller Peloton als Kontext genannt. Außerdem kommt die Neuerung nur wenige Monate nach einer Änderung bei einem Konkurrenten: Strava erklärte, dass es die Record-Funktion nicht länger in Spotify integrieren werde. Auch wenn Spotify den Running Mode unabhängig von dieser Integration positioniert, zeigt die Episode, wie stark sich Fitness-Plattformen und Musik-Services gegenseitig beeinflussen – etwa über Playlist-Erstellung, Aktivitätslisten und die Frage, wer die „Motivations-Engine“ im Workout liefert.
Für Unternehmen und Produktverantwortliche in der Fitness- und Medienwelt ist der Running Mode vor allem deshalb spannend, weil er eine klassische KI-Aufgabe – personalisierte Empfehlung – mit einem zeitkritischen Use Case verbindet. BPM und Workout-Typen liefern strukturierte Signale, die Kuratierung greifbar machen: Die App kann die Abfolge eines Runs als Steuergröße nutzen, statt nur einzelne Tracks auszuspielen. Wenn Spotify diese Logik künftig auch breiter ausrollt, etwa auf weitere Sprachen oder Geräte, könnten sich Spotify und andere Anbieter stärker als „Coaches“ im Hintergrund etablieren – nicht durch neue Hardware, sondern durch eine KI-gesteuerte Ablaufsteuerung, die im richtigen Moment den passenden Sound liefert.
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