BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Naturschutzbund NABU warnt davor, dass die Spree künftig deutlich weniger Wasser führen könnte. Hintergrund sind die Folgen jahrzehntelanger Eingriffe wie Begradigung, Vertiefung, Verbreiterung und Regulierung. NABU fordert deshalb Renaturierungsmaßnahmen wie die Verkleinerung des Gewässerquerschnitts und die Wiederanbindung von Auen statt kompensierender Technik. Besonders kritisch sehen die Verbände zudem Pläne, Wasser aus der Elbe in die Spree umzuleiten.

Spree-Wassermangel: NABU fordert Renaturierung statt technischer Wasser-Transfers
Spree-Wassermangel: NABU fordert Renaturierung statt technischer Wasser-Transfers (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Debatte um den Wasserhaushalt der Spree ist längst mehr als ein naturschutzpolitisches Randthema. Berlins, Brandenburgs und Sachsen betonen laut einer NABU-Erklärung zum Internationalen Tag der Flüsse, dass sich die örtliche Realität künftig eher an niedrigeren Wasserständen orientieren müsse. Aus Sicht des Naturschutzes hat der Fluss in den vergangenen 150 Jahren massiv an natürlicher Dynamik verloren: Begradigung, Vertiefung, Verbreiterung und Regulierung haben das Fließgewässer gewissermaßen „mechanisch“ gemacht und damit die Bedingungen für Grundwasserneubildung, Überschwemmungsflächen und die Wasseraufnahme im Einzugsgebiet verändert.

Technisch betrachtet hängt die Frage, wie viel Wasser in einem Flusssystem ankommt, nicht nur von der aktuellen Wetterlage ab, sondern stark von Speichern im Landschaftsraum. NABU verweist deshalb auf Renaturierung als Ansatz, der nicht bloß an der Wasserleitungsschicht dreht, sondern auf der Ebene des Abflussgeschehens ansetzt. Konkret nennt die Organisation Maßnahmen wie die Verkleinerung des Gewässerquerschnitts sowie die Wiederanbindung von Auen. Eine solche Wiederanbindung kann im Sommer Niedrigwasserphasen abfedern, weil Auen wie natürliche Puffer wirken und Wasser zeitweise zurückhalten, statt es sofort stromab transportieren zu lassen.

Im selben Kontext wird auch das Thema „Sommertrockenfallen“ adressiert. Der NABU-Position zufolge wären zeitweise trockenfallende Gewässerabschnitte im Spreewald und die Auflassung künstlicher Gräben im Sommer unausweichlich. Gleichzeitig schiebt der Verband ein wichtiges Argument nach: Für die Ökologie seien genau solche Phänomene historisch betrachtet bereits präsent gewesen, während sie heute oft dramatisiert würden. Björn Ellner, der NABU-Chef in Brandenburg, bringt diese Sicht auf den Punkt: Der Mensch müsse sich stärker an naturnähere Verhältnisse anpassen als an das, was die letzten rund 150 Jahre technisch begünstigt wurde.

Besonders konfliktreich wird die Lage durch die Energiewende-Komponente. NABU stellt den Zusammenhang zwischen dem Ende des Braunkohleabbaus in der Lausitz und dem Risiko eines „Wassermangels“ für die Spree her. Bislang wird der Fluss laut Darstellung seit Jahrzehnten mit sogenanntem Sümpfungswasser gespeist. Sowohl der Spreewald als auch Berlin hätten sich demnach an die künstlich gesteigerten Wassermengen gewöhnt. Für den Berliner NABU-Chef Rainer Altenkamp läuft das auf ein zugespitztes Bild hinaus: Mit dem Kohle-Aus drehe sich der „Wasserhahn“ zu, wodurch der Klimawandel die Situation zusätzlich verschärfen könne.

Damit verschiebt sich die Debatte weg von punktuellen Ausgleichsmaßnahmen hin zu einer Wasserstrategie über den gesamten Flussverlauf. Der NABU fordert, die Folgen des Braunkohleabbaus nicht mit Technik zu kompensieren, sondern naturbasierte Lösungen umzusetzen. Maria Vlaic, NABU-Vorsitzende in Sachsen, argumentiert dabei mit einem Systemblick: Eine nachhaltige Wasserpolitik müsse die Einzugsgebiete der Flüsse insgesamt betrachten und Wasserprobleme nicht von einer Region in eine andere verlagern. Genau an dieser Stelle wird der Markt- und Umsetzungsdruck für öffentliche wie private Infrastrukturbetreiber deutlich: Wer Renaturierung als „weichen“ Eingriff abtut, übersieht, dass naturbasierte Maßnahmen in der Regel langfristige Effekte in Hydrologie, Grundwasser und Ökosystemleistungen entfalten können.

Gleichzeitig zeigt der Blick auf mögliche Ausweichlösungen, warum die technische Kompensation politisch und ökologisch umstritten bleibt. Seit längerem wird über eine Wasserüberleitung aus der Elbe in die Spree diskutiert, um drohende Defizite zu überbrücken. NABU bezeichnet diese Überleitung jedoch als reine Symptombehandlung, die nicht bei den Ursachen ansetzt. Björn Ellner macht dabei zusätzlich die ökologische Seite stark: Eine Überleitung bedeute enorme Eingriffe in Natur und Landschaft. Dazu kommt ein praktisches Gegenargument aus dem Sommerverlauf, den der Text als Beispiel für Niedrigwasser auch in der Elbe nennt; wer also im Engpassnetz „umleitet“, kann genau dann auf Wasser stoßen, wenn es ohnehin knapp ist.

Für Unternehmen und die KI-gestützte Fachpraxis ergibt sich daraus ein klarer Handlungsrahmen: Wasser- und Umweltmanagement wird zunehmend zu einer daten- und modellgetriebenen Disziplin. Nicht im Sinne von „KI ersetzt Renaturierung“, sondern eher als Werkzeug, um Speicher, Abflüsse und Auswirkungen von Maßnahmen realistisch zu simulieren. Wer etwa Renaturierungsoptionen wie Auenanbindung oder Querschnittsveränderungen plant, braucht belastbare Modelle für Abflussdynamik, Temperaturregime und ökologische Zielzustände. In solchen Szenarien kann KI helfen, aus Messnetzen und Fernerkundungsdaten Muster zu erkennen, Prognosen unter Klimaszenarien zu verfeinern und Entscheidungsalternativen vergleichbar zu machen.

Am Ende zeigt der NABU-Vorstoß vor allem eines: Die Spree steht im Spannungsfeld aus historischen Eingriffen, Energiewirtschaftsfolgen und klimabedingten Niedrigwasserphasen. Ob sich die Planung auf naturbasierte Lösungen, begleitende technische Anpassungen oder eine Mischung stützt, wird sich daran messen lassen müssen, ob sie Wasserknappheit im System abfedert – statt nur eine Region zeitweise zu entlasten. Für Politik und Verwaltung bedeutet das, Renaturierung nicht als Einzelprojekt zu behandeln, sondern als Teil einer durchgängigen Strategie über Einzugsgebiet, Flusslauf und Nutzungsdruck hinweg. Für die Technologiebranche ist die Botschaft ebenso eindeutig: Hydrologische Resilienz ist ein Anwendungsfeld, in dem datenbasierte Modelle, Monitoring und nachhaltige Umsetzung zusammenkommen müssen.


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