LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Standard Chartered geht davon aus, dass der Kryptowährungsabschwung bereits in eine Bodenbildungsphase übergegangen ist. Auslöser der These: Bitcoin habe seinen Zyklus-Tiefpunkt bei rund 59.000 US-Dollar markiert und damit deutlich vom historischen Peak korrigiert. Entscheidend für die Bestätigung seien laut Analyst Geoffrey Kendrick vor allem makroökonomische Impulse wie US-Iran-Verhandlungen, kombiniert mit marktinternen Signalen rund um Bitcoin-ETFs. Zusätzlich werden neue Katalysatoren erwartet, etwa der IPO von SpaceX, der die Stimmung an den Finanzmärkten beeinflussen könnte.

Dass der „Crypto Winter“ langsam in den Hintergrund rückt, ist derzeit weniger eine Frage von Storytelling als von Marktmechanik. Standard Chartered argumentiert, dass Bitcoin bereits ein zyklisches Tief ausgebildet hat, als der Kurs kurzzeitig um 59.000 US-Dollar notierte. Der Schritt wird als Rückgang von rund 53% gegenüber einem zuvor genannten Peak bei etwa 126.000 US-Dollar eingeordnet. Zentral ist dabei die Frage, ob diese Bewegung nur eine technische Gegenreaktion ist oder ob sich erstmals wieder eine belastbare Kauf- und Liquiditätsstruktur aufbaut. Genau hier setzt die Bank mit einem Katalog an „Bestätigungszeichen“ an, die in den nächsten Tagen und Wochen sichtbar werden sollen.
Für Unternehmen und Investoren ist die makrogetriebene Komponente besonders relevant, weil Krypto bei vielen Akteuren weiterhin als „Risk Asset“ gehandelt wird. Laut Geoffrey Kendrick, Global Head of Digital Assets Research, könnten insbesondere US-Iran-Entwicklungen die Stimmung maßgeblich verschieben. Seine Logik: Ein mögliches Friedensabkommen könnte zu niedrigeren Ölpreisen führen, wodurch wiederum höhere UST-Renditen (US-Treasury yields) weniger wahrscheinlich würden. Dieser Pfad ist wichtig, weil Zinsen die Bewertungslogik vieler Asset-Klassen stützen oder belasten. Wenn Krypto indirekt von einer Zinsentspannung profitiert, fällt es der Marktstruktur leichter, neue Käufer in größerem Umfang zu aktivieren.
Neben dem Makro-Faktor verweist die Analyse auf eine zweite Schicht, die gerade für ETF-Investoren entscheidend ist: den Geldfluss in und aus börsengehandelten Bitcoin-Produkten. Kendrick sieht ungewöhnlich große Abflüsse aus Spot-Bitcoin-ETFs als einen Grund, warum die Preise trotz Stabilisierungstendenzen weiterhin unter Druck stehen. Der Hintergrund: Viele ETF-Investoren hätten in jüngster Zeit Positionen verkauft, um Liquidität für die anstehende IPO-Phase rund um SpaceX zu beschaffen. In der Praxis entsteht dadurch kurzfristig Verkaufsdruck, obwohl das langfristige Interesse nicht zwingend gebrochen ist. Ähnliche Dynamiken waren in der Vergangenheit bei anderen institutionellen „Rebalancing“-Wellen zu beobachten, etwa wenn große Kapitalumschichtungen stattfinden.
Technisch betrachtet lohnt ein genauer Blick darauf, wie Marktteilnehmer „Bottom“-Signale verifizieren. Die Bank nennt als Indikatoren unter anderem frische Bitcoin-Käufe durch Strategy (NASDAQ:MSTR), ein Wiederauftauchen positiver ETF-Flüsse sowie ein weiteres Nachgeben bei Rohölpreisen. In der Gesamtschau entspricht das einer Mischung aus On-Chain- bzw. Nachfrageindikatoren auf der einen Seite und Finanzierungs- bzw. Liquiditätsindikatoren auf der anderen Seite. Der Vergleich zu anderen Marktplayern macht das deutlich: Während einige Häuser (z. B. marktnahe Research-Stränge großer Vermögensverwalter und Kryptobörsen) stärker auf Volumen- und Liquiditätsmetriken setzen, legen hier sowohl Standard Chartered als auch ETF-orientierte Anleger den Fokus auf Kapitalströme, die in den Kurs hineinwirken.
Auch an der Kursentwicklung selbst wird die Gemengelage sichtbar. Bitcoin habe sich am betrachteten Handelstag um 0,9% erhöht und bei rund 63.337,8 US-Dollar gehandelt, während zugleich ein kleiner Wochengewinn in Reichweite lag. Gleichzeitig sei dieser Zugewinn nach einem sehr deutlichen Rückgang von etwa 17% in der Vorwoche zu sehen. Das passt zu einem Markt, der zwar stabiler wirkt, aber noch nicht in eine nachhaltige Aufwärtssequenz übergegangen ist. Besonders relevant ist zudem, dass Bitcoin weiterhin nahe an Jahres-Tiefständen notiert und institutioneller Verkauf über Spot-ETFs spürbar bleibt. Genau dieses „Zwischenspiel“ lässt Rückschlüsse auf das Timing zu: Erst wenn Abflüsse sichtlich abnehmen, können technische und fundamentale Signale konsistenter wirken.
Für den Ausblick bleibt die Kernaussage jedoch unverändert bullish: Standard Chartered sieht am Zielbild 100.000 US-Dollar bis zum Ende von 2026 fest. Kendrick hatte diese Perspektive bereits zuvor bekräftigt und den Kursbereich als „Buying Zone“ beschrieben, auf die es aus Investorensicht angekommen sei. Gleichzeitig sollte man die Erwartungen in Enterprise- und Risiko-Modelle übersetzen: Eine Wende ist wahrscheinlicher, wenn sich mehrere Faktoren gleichzeitig drehen, nicht wenn nur ein einzelner Trigger greift. In der nächsten Phase könnten daher insbesondere Unternehmen profitieren, die Krypto-Exposure über bessere Liquiditätssteuerung und ETF-nahe Mechanismen umsetzen. Regulatorische und Compliance-Aspekte bleiben dabei ebenso zentral wie Sicherheitsfragen in der Daten- und Handelsinfrastruktur.
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