AUBURN / LONDON (IT BOLTWISE) – Ein Auburn-Student hat aus einer klassischen Lernplattform eine marktfähige Starter-Kit-Reihe gemacht, die Kinder von der Kita bis zur Mittelstufe an Elektronik heranführt. Nach einem Preisgeld von 75.000 US-Dollar will Joseph Rusk das Produkt bis zur ersten großen Produktionsrunde in Stückzahlen bringen und parallel Rückmeldungen aus Tests mit Zielgruppen einarbeiten. Die Idee setzt nicht primär auf „Interesse wecken“, sondern auf schnelle Erfolgserlebnisse beim ersten Schaltversuch. Damit verschiebt sich STEM-Unterricht in Richtung Engineering-Kompetenz, die früh ausprobiert statt nur erklärt wird.

Startup „The Breadboard Company“ bringt Elektronik spielerisch in Schulen
Startup „The Breadboard Company“ bringt Elektronik spielerisch in Schulen (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenn Elektronik im Schulalltag vorkommt, dann oft als theoretische Distanz: Formeln, Fachbegriffe und messbare Ergebnisse – aber selten als haptisches „Ich baue das selbst“. Genau diese Lücke versucht Joseph Rusk mit „The Breadboard Company“ zu schließen. Der Auburn-Student entwickelt eine Starter-Kit-Reihe für Kinder vom Kindergarten bis zur Mittelstufe und hat damit nach einem Wettbewerbssieg ein Preisgeld von 75.000 US-Dollar eingeworben. Sein Ansatz zielt weniger darauf, abstraktes Interesse zu erzeugen, sondern direkt auf den Einstieg: über eine Lernumgebung, die Schritt für Schritt den Weg in Richtung Elektrotechnik ebnet.

Technisch beginnt die Geschichte bei einem Bauteil, das in vielen Ingenieursumgebungen selbstverständlich ist: dem Breadboard. Es dient als Plattform, um Schaltkreise halb-permanent aufzubauen – ideal, um Prototypen zu testen, ohne jedes Mal hart zu verdrahten oder zu löten. Der Name „Breadboard“ wird dabei historisch erklärt: Die Basis sollte ursprünglich wie Bretter zum Schneiden von Brot aussehen. Rusk greift genau dieses Bild auf, weil er es aus der Perspektive eines Lernenden als starken psychologischen Hebel sieht. In seinem Werdegang hat ihm genau diese Hürde die Tür zu Elektrotechnik fast zu früh verschlossen: „intimidating“ und „hard“ beschreibt er nicht nur als Gefühl, sondern als Lernbarriere, die sich mit einem spielerischeren Design umgehen lässt.

Aus einem Gedanken über Zugänglichkeit wird ein Wettbewerbs- und Produktfahrplan. Rusk nahm am „Auburn Ideas Jam“ teil, einer kostenlosen Pitch-Veranstaltung, bei der angehende Gründer ihre Ideen einem Jurypanel vorstellen und ein monetäres Preisgeld gewinnen können. Anschließend folgte die Teilnahme an der „2025 Halloween Business Idea Pitch“, gefolgt von der „Tiger Cage“-Business-Idee-Wettbewerbsrunde, in der sich Startups um ein 105.000-US-Dollar-Preisgeld-Pool bewerben. Auch wenn Rusk dort nicht in den Top fünf landete, erhielt sein Projekt den „Thomas Walter Center Award“ über 5.000 US-Dollar. Entscheidender Mehrwert: Er beobachtete, welche Pitches inhaltlich und erzählerisch funktionierten – mit dem Fokus auf eine überzeugende Story, emotionale Verbindung und eine klare Begründung, warum der Gründer an der Sache wirklich dranbleibt.

Damit verschiebt sich die Entwicklung von „Bastelidee“ hin zu einem planbaren Go-to-Market-Vorhaben. Rusk orientiert sich an Meilensteinen, die ihm im Gründungsprogramm vorgegeben wurden: Erst soll eine Serie mit 1.000 Einheiten gebaut werden, danach folgt die Vermarktung. Für die nächsten Schritte beschreibt er, dass er gerade Materialien für diese erste Produktionsrunde bestellt und parallel versucht, das Produkt vor dem Abschluss des Studiums zu verkaufen. Interessant ist dabei der Lern-Loop: Er testet nicht nur das Kit, sondern auch die Lernkurve, also wie schnell Kinder die Bedienlogik und das Prinzip von Verbindungen über Steckkontakte verstehen. Genau hier entscheidet sich, ob ein „Lego-ähnliches“ Design für Zielgruppen funktioniert oder ob es nur hübsch wirkt.

Seine Testumgebung fand Rusk in einem konkreten Bildungssetting statt: Am Chewacla State Park führte er einen Trial Run mit Kindern durch – mit dem Zielpublikum vom Kindergarten bis zur Mittelstufe. Im „Kidcam Camp Programs“ arbeiteten Kinder mit einem Elektronik-Starter-Kit aus seinem Unternehmen. Rusk hielt dabei vor allem fest, wie die Kinder reagierten, welche Rückmeldungen sie gaben und wie schnell sie damit zurechtkamen. Diese Beobachtung ist auch für die Produktentwicklung im engeren Sinne relevant: Wenn Lernende in kurzer Zeit die ersten Schaltaufbauten reproduzieren können, ist die UX der Hardware-Interaktion offenbar nicht nur „nice“, sondern reduziert echte kognitive Last. Damit wird das Kit zu einem technischen Interface zwischen Mensch und Schaltplan – und nicht zu einem reinen Lehrmaterial.

Gleichzeitig erklärt Rusk seinen Fortschritt über Mentoring- und Accelerator-Strukturen, die in der Gründungspraxis oft unterschätzt werden. Er nennt Unterstützung durch Programme wie „New Venture Accelerator“ und „Innovate Alabama“. Dabei geht es nicht nur um gelegentliche Beratung, sondern um Ressourcen und Zugriff auf Wissen, zum Beispiel durch Mentoren mit Unternehmenshintergrund. In seinem Fall trifft das auf Dan Leonardi, der laut Rusk zuvor in einer leitenden Rolle bei Kellogg’s tätig war, sowie auf Terry Chapman, der über Innovate-Alabama-Förderungen unter anderem die Finanzierung von Boxen und weitere Chancen wie Technikkonferenzen ermöglicht. Für eine frühe Hardware-Entwicklung ist das bedeutsam, weil Kostenblöcke wie Verpackung, Messe- und Konferenzpräsenz oder der Aufbau einer ersten Bestelllogik in der Regel direkt auf die Vorserienphase wirken.

Aktuell ist das Kit noch nicht regulär im Handel, Interessenten können es aber vorbestellen. Für die nächsten Monate steht damit die zentrale Frage im Raum: Wie zuverlässig lassen sich Qualität und Lernwirksamkeit in einer Serie mit 1.000 Einheiten reproduzieren, ohne den Charakter des Produkts zu verlieren, der für Kinder den Zugang erleichtert? Die Strategie von Rusk ist dabei klar: Er will die komplette Kit-Designbasis bis Ende des Sommers abschließen und dann in den Verkauf gehen. In der nächsten Phase beschreibt er als Ziel, das Unternehmen so zu vergrößern, dass er selbstständig arbeiten kann und perspektivisch Talente aus dem Umfeld einbindet – nicht als „Zusatz“, sondern als Kapazität für Entwicklung, Fertigung und Vertrieb. Für die STEM-Landschaft ist das vor allem deshalb relevant, weil es zeigt, wie aus einer technischen Lernidee ein greifbares Produkt wird, das den Einstieg in Engineering frühzeitig entkoppelt von Angst vor Fehlern.


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