HANNOVER / LONDON (IT BOLTWISE) – Stellantis treibt sein Projekt „Box-on-Wheels“ mit dem Joint-Venture UQI Robotics voran. Auf der Industriemesse in Hannover wurde das autonome Lieferfahrzeug als Basis für eine Entwicklung bis zu einer End-to-End-Logistiklösung vorgestellt. Beide Seiten planen zunächst eine Fokussierung auf Europa und wollen später weitere internationale Märkte bewerten. Begleitet wird das Vorhaben durch den Aufbau automatisierter Lösungen für die „letzte Meile“ in der Logistik.

Stellantis kooperiert mit UQI Robotics: Box-on-Wheels für autonome letzte Meile
Stellantis kooperiert mit UQI Robotics: Box-on-Wheels für autonome letzte Meile (Foto: IT BOLTWISE)
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Stellantis verknüpft sein Autonomie-Programm im Logistikbereich mit Robotics-Kompetenz aus einem spezialisierten Joint Venture: Pro One arbeitet gemeinsam mit UQI Robotics an der Weiterentwicklung von „Box-on-Wheels“. Dabei handelt es sich um ein autonomes Lieferfahrzeug, das auf einer Industriemesse in Hannover vorgestellt wurde und als Plattform gedacht ist, von der aus sich die Logistikprozesse rund um die Zustellung schrittweise integrieren lassen. Die Zusammenarbeit zielt nicht nur auf ein Fahrzeug ab, sondern auf ein Systemverständnis, bei dem sich die Zustellung in einen größeren Workflow einbettet – inklusive der Automatisierung der letzten Meile.

Technisch lässt sich „Box-on-Wheels“ als Versuch lesen, ein autonom agierendes Transportelement mit einer robusten Betriebsstrategie für reale Lieferumgebungen zu kombinieren. Statt sich auf eine einzelne Komponente zu beschränken, vereinbaren die Parteien eine gemeinsame Weiterentwicklung, die zunächst in Europa validiert werden soll. Genau dieser Fokus ist für Robotik- und Autonomieprojekte in der Logistik relevant, weil sich Anforderungen an Verkehrswege, Ladezonen, Betriebsszenarien und Sensorik-Umgebungen zwischen Regionen deutlich unterscheiden. Im weiteren Projektverlauf steht deshalb die Bewertung zusätzlicher internationaler Märkte an – ein Ansatz, der typischerweise die Feldtests nach Regionen strukturiert, bevor skaliert wird.

Auch inhaltlich steht nicht allein das Fahrzeug im Zentrum. In der Mitteilung wird explizit nach automatisierten Lösungen für die letzte Meile gesucht – also nach Funktionen, die Lieferungen vom zentralen Umschlagpunkt bis zur Zustellung am Zielort operationalisieren. Für Stellantis klingt das nach einer Produktdefinition, die Services rund um das Handling und die Zustelllogik einschließt: „Professionelle Kunden suchen zunehmend nach Lösungen, die über das Fahrzeug selbst hinausgehen“, sagte Eric Laforge, Global Senior Vice President bei Stellantis Pro One. Damit adressiert der Konzern das Kernproblem vieler Pilotvorhaben: Selbst wenn ein autonomes Fahrzeug im Testbetrieb funktioniert, entscheidet im Produktivbetrieb die Integration in Prozesse, Verantwortlichkeiten und Schnittstellen über den wirtschaftlichen Erfolg.

Die Partnerwahl passt dazu. UQI Robotics ist ein Joint Venture, das 2020 von Ubtech und Miracle Automation gegründet wurde. Laut Angaben des Unternehmens hat das Joint Venture seither kumuliert Verträge über mehr als 260 Millionen Euro abgeschlossen. Damit bringt die Organisation nicht nur Robotik-Know-how, sondern auch eine gewisse Projekterfahrung mit – zumindest im Sinne des Fähigkeitstransfers vom Prototyping hin zu Kundenprojekten. Li Bei, CEO von UQI Robotics, ordnet die Zusammenarbeit ebenfalls als Weg zu einem breiteren System ein: „Gemeinsam wollen wir die Entwicklung einer neuen Generation autonomer Logistikfahrzeuge und Lieferlösungen erforschen, die den Bedürfnissen der Kunden in Europa und anderen internationalen Märkten entsprechen und für einen großflächigen Einsatz konzipiert sind“. Für Unternehmen bedeutet das im Kern, dass die geplanten Liefer- und Robotikfunktionen als „End-to-End“-Ansatz gedacht sind und damit eher in Richtung skalierbarer Flotten-Logik gehen.

Am Kapitalmarkt wird der Schritt unmittelbar spürbar. Die Stellantis-Aktie springt im XETRA-Handel zeitweise um 0,28 Prozent auf 4,55 Euro. Solche kurzfristigen Reaktionen lassen sich in der Regel weniger als Bewertung eines konkreten Produktmeilensteins verstehen, sondern als Signalwirkung: Marktteilnehmer werten Kooperationen in strategischen Zukunftsfeldern oft als Fortschrittsindikator, insbesondere wenn sie die Lücke zwischen Automotive und Logistik-Automation adressieren. Für die Bewertung ist dabei entscheidend, ob sich aus der Zusammenarbeit ein belastbarer Technologietransfer ergibt – etwa über standardisierte Betriebsmodi, Schnittstellen zu Logistikplattformen oder klare Wege zur Markteinführung.

Historisch betrachtet sind autonome Logistiksysteme seit Jahren Gegenstand von Pilotprogrammen, allerdings scheiterte die Skalierung häufig an der Komplexität der letzten Meile: Unklare Lieferfenster, wechselnde Umgebungen, unterschiedliche Infrastruktur und die Notwendigkeit, Ausnahmen sicher zu handhaben. Genau hier setzen Initiativen an, die Fahrzeug- und Robotikfunktionalitäten mit operativen Prozessen zusammendenken. Mit der geplanten europäischen Validierung und der anschließenden Marktprüfung positionieren sich Stellantis und UQI Robotics zudem so, dass sie technische Erkenntnisse in eine reale Lieferarchitektur überführen können. Entscheidend bleibt, wie schnell sich daraus messbare Betriebsdaten für Qualität, Verfügbarkeit und Kosten ableiten lassen – also jene Kennzahlen, die über Pilotverträge hinausgehen.

Für Entwickler und potenzielle Kunden in der Logistiklandschaft liegt die Relevanz vor allem in der Schnittstellenfrage: Ein „Box-on-Wheels“-Ansatz, der zugleich auf eine automatisierte letzte Meile zielt, verlangt nach klaren Integrationswegen in bestehende Systeme wie Tourenplanung, Lager- und Yard-Management sowie Zustellprozesse. Daneben wird die Skalierbarkeit davon abhängen, wie sich die Autonomie-Logik in unterschiedlichen Stadt- und Betriebsumgebungen betreiben lässt, ohne dass jede Region neue Implementierungsarbeit erfordert. Wenn Stellantis Pro One das gemeinsame Vorgehen tatsächlich bis zu einem autonomeren, end-to-end-fähigen System ausbaut, könnte das die Schwelle senken, ab der Unternehmen Robotik nicht mehr als Projekt, sondern als produktiven Bestandteil ihrer Logistikkette betrachten.


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