LONDON (IT BOLTWISE) – Streit Software bringt mit Version 27.0 eine neue Branchensoftware für SHK-, Elektro- und Dachdeckerbetriebe. Im Fokus stehen KI-gestützte Notizen, die direkt in strukturierte Dokumente übersetzt werden, sowie ein integriertes Aufgabenmanagement für digitale Abläufe. Ergänzend kommen zwei mobile Apps für Lieferscheine und die Werkzeugverwaltung hinzu. Der Schritt fällt in eine Phase spürbaren regulatorischen Drucks rund um Künstliche Intelligenz.

Streit Software stellt mit „Streit Software 27.0“ seine Branchensoftware neu auf und richtet den Funktionsumfang gezielt auf die Praxis in SHK-, Elektro- und Dachdeckerbetrieben. Der Hintergrund ist weniger ein einzelnes Feature als die Richtung: Prozesse auf der Baustelle und im Büro sollen stärker in einem System zusammenlaufen, damit weniger manuelle Übergaben nötig sind. In der Version 27.0 bündelt der Hersteller dafür eine weitreichende Überarbeitung seines Portfolios in „über 90 Programmbereichen“ – eine Größenordnung, die eher nach Plattformpflege als nach einem Update mit Randkorrekturen klingt.
Technisch setzt die Software dabei auf ein integriertes Aufgabenmanagement, das Projekte und interne Abläufe innerhalb der Anwendung zentralisieren soll. Entscheidend ist die Betriebsbrille der Handwerksunternehmen: Wer Arbeitsschritte digital abbildet, reduziert die Abhängigkeit von physischen Aufzeichnungen und gewinnt zugleich einen nachvollziehbaren Status für Planung, Ausführung und Nachbereitung. Damit steigt die Bedeutung sauber gepflegter Datenpunkte, weil Aufgaben und Projektinformationen nicht mehr nur „anzeigen“, sondern direkt in weiteren Arbeitswegen verwendet werden. Dass diese Logik in einer neuen Programmgeneration umgesetzt wird, deutet auf eine stärkere Verzahnung von Termin-, Dokumentations- und Verwaltungsfunktionen innerhalb des gleichen Workflows hin.
Besonders auffällig ist die verstärkte Nutzung von Künstlicher Intelligenz im Dokumentationsbereich. Streit Software 27.0 ermöglicht laut Beschreibung, KI-gestützte Notizen in strukturierte Texte zu überführen sowie Übersetzungen direkt im System vorzunehmen. Das adressiert zwei alltägliche Reibungen: Erstens verkürzt eine schnellere Verschriftlichung den Weg von der Baustellenkommunikation zum Bürotext. Zweitens sinkt das Fehlerrisiko, das bei manuellen Datenübertragungen entsteht – etwa wenn Inhalte mehrfach abgeschrieben oder in unterschiedliche Formate gebracht werden müssen. Gerade in Betrieben, in denen mehrere Gewerke und mehrere Sprachen zusammenkommen, kann eine solche Text- und Strukturhilfe die Dokumentationsqualität messbar stabilisieren.
Damit bleibt es aber nicht bei der Desktop-Logik. Mit „Lieferschein+“ und „Werkzeug+“ ergänzt Streit Software die Kernlösung um zwei mobile Anwendungen, die typische Medienbrüche im Alltag schließen sollen. „Lieferschein+“ nutzt KI-basierte Beleglesung, um physische Lieferscheine zu erfassen und die Informationen unmittelbar in der Projektverwaltung verfügbar zu machen. Der konkrete Nutzen liegt in der Baustellenlogistik: Materiallieferungen lassen sich schneller mit kalkulierten Projektkosten abgleichen, was bei Abweichungen nicht nur Rückfragen reduziert, sondern auch frühere Korrekturen ermöglicht. „Werkzeug+“ wiederum dient der mobilen Verwaltung von Betriebsmitteln – inklusive Auffinden von Werkzeugen und digitaler Dokumentation von Übergaben zwischen Mitarbeitern. Für viele Teams ist das der Teil der Prozesskette, der zwar selten auf PowerPoint-Folien auftaucht, aber Suchzeiten und Verlustquoten im Gerätepark direkt beeinflussen.
Diese Richtung passt zu einer breiteren Entwicklung in der IT-Landschaft von Unternehmen im Bau- und Baunebengewerbe: Vereinfachung durch Konsolidierung statt neue Insellösungen. Laut einer Marktstudie, die im April 2026 veröffentlicht wurde und an der 2.006 Fachkräfte teilnahmen, berichten 19 Prozent der Unternehmen in Deutschland von überdurchschnittlich hohem regulatorischem Druck im Vergleich zu 15 Prozent im globalen Mittel. Als größte Hürde nennen 31 Prozent das Fehlen verbindlicher Mandate. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung eine hohe Dynamik: 50 Prozent evaluieren den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, während 17 Prozent bereits einen konkreten Nutzen sehen. Parallel wollen etwa 52 Prozent ihre digitalen Werkzeuge vereinfachen – und 77 Prozent der IT-Verantwortlichen sorgen sich über steigende Lizenzkosten; nur sieben Prozent planen, ihren Software-Stack unverändert zu lassen.
Für die Praxis bedeutet das: KI-Funktionen wie strukturierende Dokumentation und automatisierte Belegerfassung sind zwar technisch attraktiv, müssen aber in ein konsistentes Betriebs-Setup passen. Wenn Funktionen in einer zentralen Plattform gebündelt werden, sinkt häufig die Zahl der Schnittstellen, über die Daten sonst manuell oder halbautomatisch wandern müssten. Genau darauf verweist Streit Software auch mit dem Ansatz, Aufgabenverwaltung, KI-Dokumentation und mobile Erfassung in einer gemeinsamen Umgebung zusammenzuführen. In der Unternehmensrealität wird damit nicht nur Produktivität angestrebt, sondern auch eine besser planbare Systemlandschaft, die sich eher in bestehende Prozesse integrieren lässt als ein Flickenteppich aus einzelnen Tools.
Gleichzeitig verweist der Hersteller selbst auf den rechtlichen Kontext: Im Umfeld der Europäischen KI-Verordnung („EU AI Act“) braucht es klare Vorstellungen, welche Anforderungen an KI-Systeme gelten und wie Dokumentationspflichten umgesetzt werden. Auch wenn die Handwerkssoftware selbst „KI-gestützte“ Funktionen nutzt, bleibt relevant, wie das Gesamtsystem dokumentiert, betrieben und nachweisbar überwacht wird. Für SHK-, Elektro- und Dachdeckerbetriebe ist damit weniger die Frage „KI ja oder nein“ ausschlaggebend, sondern ob die Implementierung im Tagesgeschäft so gestaltet ist, dass sie administrativ beherrschbar bleibt. In dieser Gemengelage ist Version 27.0 vor allem als Antwort auf zwei gleichzeitige Anforderungen zu lesen: schnellere Datenflüsse in der Ausführung und eine kontrollierbare, zentral konsolidierte IT-Basis im Büro.
Wie weit der Effizienzgewinn im Alltag ausfällt, hängt dabei stark von der Startphase ab: von der Qualität der bestehenden Projekt- und Stammdaten bis zur Schulung im Umgang mit KI-gestützten Notizen sowie den mobilen Erfassungsroutinen für Lieferscheine und Übergaben. Wer diese Punkte sauber adressiert, kann aus dem Update mehr machen als ein Software-Rollout. Dann wird aus der neuen Programmgeneration eine durchgängige Arbeitsweise, bei der Dokumente nicht nur „erstellt“, sondern systematisch aus Aufgaben, Projekten und mobilen Eingaben heraus entstehen.
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