FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Der neue Stresstest von Bundesbank und Finanzaufsicht zeigt, dass rund 1.100 kleinere und mittlere Kreditinstitute in einem mehrjährigen Krisenszenario robust bleiben. Die harte Kernkapitalquote sinkt im Schnitt von 18,4 auf 14,6 Prozent, ohne dass die Institute flächendeckend kollabieren. Gleichzeitig geraten knapp dreißig Banken unter Druck und können Kapitalanforderungen nicht einhalten. Die Aufseher setzen dabei auf enges Nachfassen und wollen zugleich Bürokratie im Stresstest reduzieren.

Der deutsche Bankenmarkt zeigt sich nach einem aktuellen Stresstest weitgehend krisenfest – zumindest dann, wenn Aufseher ein sehr ungünstiges Makro-Szenario durchrechnen. Getestet wurden nach den Angaben von Bundesbank und Finanzaufsicht rund 1.100 kleinere und mittlere Kreditinstitute. Entscheidend ist dabei nicht, dass es keine Schwächen gibt, sondern dass die Mehrheit die simulierten Verluste und Refinanzierungsrisiken rechnerisch abfedern kann. Damit bekommt der Markt ein Signal, wie belastbar die Kapitalbasis in einer ausgeprägten wirtschaftlichen Abkühlung wirklich ist.
Im Kern simulierten die Aufseher eine über drei Jahre andauernde schwere Wirtschaftskrise, deren Auslöser sich wie eine Verdichtung mehrerer Stressoren liest: weltweite Konflikte, darunter ein Krieg, ein Energiepreis-Schock sowie gestörte globale Lieferketten und damit ein Einbruch beim internationalen Handel. Zusätzlich wurde angenommen, dass die Zinsen steigen und es an den Aktien- und Anleihemärkten zu Verwerfungen kommt. Auf dieser Grundlage lässt sich dann nachvollziehen, wie stark typische Risikotreiber wie Kreditrisiken, Marktwertverluste oder Abschreibungsbedarf wirken – und wie viel „Puffer“ die Institute in Form von hartem Kernkapital tatsächlich besitzen.
Die wichtigste Kennzahl in der Auswertung ist die harte Kernkapitalquote: Sie sinkt im Schnitt von 18,4 auf 14,6 Prozent. Diese Quote beschreibt, in welchem Umfang Risikopositionen eines Geldinstituts durch eigenes, hochwertiges Kapital abgesichert sind. Michael Theurer, in seinem Vorstandsposten verantwortlich für die Finanzaufsicht, ordnete das Ergebnis entsprechend ein: Die getesteten Institute seien insgesamt in der Lage, eine solche Krise zu verkraften. Dass die harte Kernkapitalquote trotzdem spürbar fällt, passt dabei zum Charakter von Stresstests – sie messen gerade nicht die Abwesenheit von Verlusten, sondern die Stabilität unter Verlustdruck.
Doch es gibt Ausnahmen. Knapp dreißig Geldhäuser seien nach Angaben von Nikolas Speer im Stresstest „unter Druck“ geraten. Hintergrund ist, dass einige die Kapitalanforderungen der Aufseher rechnerisch nicht einhalten konnten. Für die betroffenen Banken folgt daraus kein pauschales Stigma, aber eine klare Erwartung: Die Aufseher können sie dazu auffordern, für künftige Krisen mehr Geld zur Seite zu legen und Mängel abzustellen. Im Vergleich zum vorherigen Test vor zwei Jahren nennt Speer dabei eine Halbierung der Zahl der Ausreißer – ein Hinweis darauf, dass die Aufsicht früher adressierte Schwachstellen gezielt nachgehalten hat.
Für Marktteilnehmer interessant ist außerdem, wie die Aufsicht mit dem Verfahren selbst umgeht. Speer betonte, dass das gute Abschneiden nicht daran liege, dass der Stresstest inzwischen überarbeitet und vereinfacht worden sei. Vielmehr wurden die im früheren Durchlauf auffälligen Institute in der Folge eng begleitet, mit dem Ziel, Risiken zu verringern und die finanzielle Ausstattung zu verbessern. Zugleich wird im Verfahren nach Angaben der Aufseher aber auch Bürokratie abgebaut; Volker Brühl vom Center for Financial Studies in Frankfurt bezeichnete den Schritt als sinnvoll, weil er kleinere Institute entlastet, ohne die Aussagekraft zu schmälern. Gleichzeitig sei es nicht möglich, ungewöhnliche Entwicklungen oder institutseigene Managementfehler komplett auszuschließen.
Parallel zum reinen Stresstest haben die Aufseher eine Umfrage ausgewertet: Die Kreditinstitute blicken demnach optimistisch in die Zukunft und erwarten bis 2028 steigende Gewinne. Gleichzeitig sehen sie Risiken, die potenziell zunehmen könnten – und Theurer verwies dabei explizit auf einen erwarteten Anstieg notleidender Kredite. Besonders könnten Geschäfte rund um Gewerbeimmobilien Probleme bereiten, weil dort in Stressphasen sowohl Kreditqualität als auch Werthaltigkeit von Sicherheiten unter Druck geraten. Dass einige Institute ihre harte Kernkapitalquote bis 2028 weiter steigern wollen, gehört ebenfalls in die Prognose; allerdings rechnet jedes fünfte Institut laut Bundesbank mit einer fallenden Quote, was die Spanne zwischen „robustem Basisszenario“ und „individueller Verwundbarkeit“ sichtbar macht.
Für die Branche hat das Ergebnis damit zwei Lesarten, die sich nicht widersprechen müssen: Einerseits zeigen die Durchläufe, dass das System insgesamt stabiler ist als in früheren Stressphasen – gerade weil Kapitalpuffer im Durchschnitt ausreichen. Andererseits bleibt ein Teil der Institute erkennbar anfällig, vor allem, wenn Risikoquellen nicht nur im Kreditportfolio liegen, sondern mit Engagements außerhalb des klassischen regionalen Geschäfts zusammenfallen. Seit der weltweiten Finanzkrise setzen die Aufseher daher regelmäßig Stresstests ein, um die Anfälligkeit im Krisenfall sichtbar zu machen. Angesichts der zögerlichen wirtschaftlichen Erholung und anhaltender internationaler Konflikte bleibt für Unternehmen besonders relevant, wie schnell sich ihre Risikoprofile an realweltliche Preis-, Zins- und Konjunkturänderungen anpassen lassen.
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