FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Deutsche Aktienanleger setzen bei Megatrends nicht auf eine einzige Wette, sondern auf gestreute Themenpakete. Laut Umfrage im Auftrag von WisdomTree geben 56 Prozent an, sie könnten nicht sicher einschätzen, welche Themen in den nächsten fünf Jahren besser als der Gesamtmarkt laufen. 62 Prozent würden bevorzugt in zwei bis drei Themen investieren, während 53 Prozent eine einzelne Strategie nennen, die mehrere Wachstumsthemen bündelt. Bei der gewünschten Kapitalallokation liegen Alternative Energien (24 Prozent) knapp vor KI-Infrastruktur und Rechenzentren (23 Prozent).

Die Ausgangslage klingt erst einmal simpel: Wer in „Megatrends“ investieren will, möchte gern wissen, welche Themen die nächsten Jahre tatsächlich besser performen. Doch genau dieser Punkt bleibt für viele Anleger schwer greifbar. In einer Umfrage im Auftrag des ETF-Anbieters WisdomTree sagt eine Mehrheit von 56 Prozent der befragten Privatanleger in Deutschland, sie könne nicht sicher einschätzen, welche Themen in den nächsten fünf Jahren die Nase vorn haben werden. Das führt in der Praxis zu einem Anlageverhalten, das weniger auf Prognosen setzt als auf Streuung.
Damit rückt Diversifikation in den Vordergrund, und zwar auf mehreren Ebenen. 62 Prozent der Befragten würden bevorzugt in zwei bis drei Themen investieren, statt eine einzelne Richtung maximal auszunutzen. Noch deutlicher wird der Wunsch nach Bündelung, wenn 53 Prozent eine einzelne Anlagestrategie bevorzugen, die mehrere Wachstumsthemen umfasst. Technisch betrachtet spiegelt sich darin ein typisches Portfolio-Design-Problem wider: Megatrends laufen oft zeitgleich an, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, und selbst innerhalb eines Trends gibt es Branchen- und Faktor-Risiken. Eine Strategie, die verschiedene Themen gleichzeitig abdeckt, reduziert zwar nicht automatisch jedes Einzelrisiko, kann aber die Abhängigkeit von einem einzigen „Winner“ senken.
Bei der Frage nach der gewünschten Kapitalallokation zeigt die Umfrage ein klares Spannungsfeld zwischen Infrastruktur und Energiepolitik. Alternative Energien liegen mit 24 Prozent knapp vorn, gefolgt von KI-Infrastruktur und Rechenzentren mit 23 Prozent. Diese Rangfolge lässt sich auch als Abbild zweier parallel laufender Investitionslogiken lesen: Einerseits sind Energiewende und Versorgungssicherheit seit Jahren zentrale Ausgaben- und Politikfelder, andererseits entsteht rund um KI ein Infrastrukturbedarf, der von Rechenzentrumsleistung über Netzanbindung bis hin zu Chips und Stromverteilung reicht. Besonders bemerkenswert ist dabei die Begründungsrichtung: Sieben von zehn Befragten bewerten Energiesicherheit als langfristiges globales Problem. Wenn Energie als Engpassrisiko verstanden wird, wirken Investitionen in Erzeugung und Resilienz plausibel als „Stabilisator“ im Portfolio.
Auch innerhalb der KI-Branche ist die Anlegerperspektive in der Umfrage eher konkret als visionär: KI und Big Data erreichen 19 Prozent als Anlagepräferenz. Das kann man als Signal dafür werten, dass Investoren nicht nur die Software- oder Plattformseite im Blick haben, sondern die Wertschöpfungskette, die unmittelbarer mit Skalierung und Datenverarbeitung zusammenhängt. Rechenzentren sind dabei ein besonders anschaulicher Begriff, weil sie als physische Infrastruktur einen direkten Hebel für Wachstum darstellen. Gleichzeitig erhöht genau diese Kopplung die Bedeutung von Strom- und Standortthemen. Für Anleger bedeutet das: KI wird nicht als reines „Trendthema“ betrachtet, sondern zunehmend als Infrastrukturthema, das ohne Energiezugang, Netzausbau und betriebliche Effizienz schwer zu denken ist.
Die Umfrage basiert auf jeweils 1.000 befragten Erwachsenen in Deutschland, Frankreich, Italien und Großbritannien, durchgeführt durch Opinium im Auftrag von WisdomTree. Als Voraussetzung für die Teilnahme nennen die Angaben Kapitalanlagen von mindestens 5.000 Euro beziehungsweise Pfund. Für die Interpretation ist das relevant, weil damit eher Privatanleger mit Portfolioerfahrung und einer Mindestgröße an Vermögen adressiert werden. Um die Aussagekraft für konkrete Investment-Entscheidungen richtig einzuordnen, sollte man zudem bedenken, dass es sich um Präferenzen und Selbsteinschätzungen handelt: Die Werte zeigen, wie Anleger heute gewichten, nicht wie die Zukunft tatsächlich verläuft. Insofern ist die Studie weniger eine Prognose als ein Stimmungsbild zur Risikowahrnehmung.
Für die Anbieter solcher thematischer Produkte ist die Konsequenz daraus klar: Wer Megatrends in Form von ETFs oder Fonds abbildet, muss die Logik „Diversifikation statt einzelne Wette“ in der Konstruktion sichtbar machen. Dass 62 Prozent zwei bis drei Themen bevorzugen und 53 Prozent eine Bündelstrategie wählen, deutet darauf hin, dass Modelle mit klarer Multi-Themen-Logik bei der Platzierung und beim Produktdesign besser ankommen könnten als „Single-Theme“-Ansätze. Gleichzeitig verschiebt die Rangfolge bei Alternative Energien und KI-Infrastruktur die Prioritäten Richtung Infrastruktur und Resilienz: Statt nur Wachstum zu spielen, suchen Anleger offenbar nach Themen, die sie mit langfristiger Versorgungs- und Betriebsfähigkeit verknüpfen. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie sauber die thematische Abgrenzung in der Index- oder Fondsarchitektur erfolgt, etwa bei der Zusammensetzung von Rechenzentrumswerten und Energie-Infrastrukturtiteln.
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