RIO DE JANEIRO / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Studie des IPAM warnt, dass indigene Gemeinschaften im Amazonasraum überproportional von illegalem Goldabbau betroffen sind. Gleichzeitig nehmen dort extremen Wetterereignisse zu, was die Risiken für Wasser, Mobilität und Nahrungsmittelproduktion verstärkt. Der Bericht beschreibt zudem Quecksilberbelastungen durch die Trennung von Gold und Erz und verweist auf alarmierende Werte im Kontext des Amazonas. Gefordert werden stärkere Schutzmaßnahmen für indigene Gebiete und konkrete Anpassungspläne.

Studie: Illegale Goldminen und Extremwetter treffen indigene Gruppen im Amazonas besonders hart
Studie: Illegale Goldminen und Extremwetter treffen indigene Gruppen im Amazonas besonders hart (Foto: IT BOLTWISE)
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Im Amazonasraum wirken zwei Belastungen nicht unabhängig voneinander, sondern wie ein doppelter Verstärker: illegaler Goldabbau und die zunehmende Intensität extremer Wetterereignisse treffen gerade dort aufeinander, wo indigene Gemeinschaften leben. Zu dieser Schlussfolgerung kommt ein Bericht des Forschungsinstituts für Umweltfragen im Amazonasgebiet (IPAM). Der Kernpunkt ist dabei weniger die abstrakte Kombination von Umweltstressoren, sondern die geographische Überlappung. Wenn Goldschürfen und klimatische Extreme dieselben Regionen betreffen, verstärken sich ihre Auswirkungen gegenseitig – so formuliert es auch einer der Autoren, Ray Pinheiro.

Technisch betrachtet geht es um die Kette von Ressourcenknappheit über Infrastruktur- und Lebenswelteinbußen bis hin zu unmittelbaren gesundheitlichen Folgen. Der Bericht nennt eine zentrale Zwischenwirkung der Dürre: Sie beeinträchtige den Zugang zu Wasser, die Mobilität und die Nahrungsmittelproduktion. Gerade diese Faktoren sind in indigenen Regionen eng gekoppelt, weil Wasser nicht nur zum Trinken dient, sondern auch den Transport, die Verfügbarkeit von Fisch und die Landwirtschaft in der Regen-Trocken-Zyklik prägt. Unter zusätzlichem Druck durch Goldabbau verschärft sich dieser Mechanismus laut IPAM: Belastete Wassersysteme treffen dann auf bereits gestresste Ökosysteme – und die Schwellenwerte, bei denen sich Probleme dauerhaft verfestigen, werden schneller erreicht.

Besonders eindrücklich sind die im Bericht genannten Größenordnungen. Für das Jahr 2024 waren die von Goldsuchern besetzten Flächen im Amazonasgebiet demnach 20-mal so groß wie 1985. In indigenen Gebieten fällt die Entwicklung noch drastischer aus: Dort vergrößerte sich die betroffene Fläche um das 24-Fache. Diese Zahlen machen deutlich, dass es sich nicht nur um einzelne, isolierte Vorfälle handelt, sondern um eine räumliche Ausweitung mit hoher Persistenz. Für Risikoanalysen bedeutet das: Wer nur auf aktuelle Wetterdaten schaut, unterschätzt potenziell die Grundlast durch Landnutzungsänderungen und die dadurch veränderte Wasserverfügbarkeit.

Ein weiterer Block betrifft die Umwelt- und Gesundheitschemie. Goldabbau verursacht laut im Bericht zitierten umweltbezogenen Erhebungen erhebliche Schäden, auch weil bei der Trennung von Gold und Erz oft Quecksilber eingesetzt wird. Das Problem ist nicht nur die lokale Kontamination, sondern ihre Ausbreitungslogik über Wasserwege: Die Verschmutzung könne sich über Wassereinzugsgebiete verbreiten und damit die Folgen von Dürre, Bränden und Überschwemmungen verstärken. Das erklärt auch, warum es für Betroffene nicht zwingend darauf ankommt, ob der Abbau formal „auf“ dem Gebiet eines indigenen Volkes stattfindet. Entscheidend ist vielmehr, ob die betroffenen Prozesse ihre Wirkung bis in die Lebensgrundlagen der Gemeinschaften transportieren.

Auch der Blick auf die Biodiversität unterstreicht die Tragweite. In diesem Zusammenhang verweist eine Umweltorganisation (WWF) auf die schwierige Lage der vom Aussterben bedrohten Amazonas-Rosa-Flussdelfine. Untersuchungen zeigen demnach in ihrem Blut extrem hohe Quecksilber-Konzentrationen – ein alarmierendes Zeichen für den Zustand des gesamten Amazonas als Lebensader der Region. Aus technischer Sicht ist das ein Hinweis darauf, wie schnell Schadstoffe in trophische Ketten gelangen können und warum Schutzmaßnahmen nicht nur punktuell an Tagebau- oder Raffinationsstellen ansetzen dürfen. Wenn sich die Last in Nahrungsketten und Gewässern akkumuliert, werden indirekte Schäden zu einem dauerhaften Risikofaktor.

Der Bericht ordnet die Erkenntnisse schließlich in einen handlungsorientierten Rahmen ein. Empfohlen wird, indigene Gebiete stärker zu schützen und gleichzeitig Anpassungspläne umzusetzen, die auf die reale Kopplung zwischen Klimarisiken und Umweltbelastungen reagieren. Das ist mehr als eine politische Forderung: Anpassung bedeutet in der Praxis, dass Monitoring, Frühwarn- und Bewirtschaftungskonzepte zusammen gedacht werden – etwa für Wasserverfügbarkeit, Landnutzung und die Versorgung in Dürre- und Überschwemmungsphasen. Zugleich macht die Studie klar, dass Schutz allein nicht reicht, wenn externe Belastungen über Einzugsgebiete hinweg wirken. Wer Anpassungspläne nur als „Klimamaßnahmen“ versteht, wird dem Problemfeld deshalb nicht gerecht.

Für die Umsetzung ergeben sich damit auch Implikationen für Organisationen und Entscheidungsträger, die mit Daten, Risiko- und Investitionsplanungen arbeiten. Die beschriebenen Verhältnisse – 20-mal größere Goldflächen gegenüber 1985, im indigenen Raum bis zum 24-fachen – legen nahe, dass sich Belastungen langfristig in Karten- und Modellierungsgrundlagen einschreiben. Gleichzeitig zeigen die Hinweise auf Quecksilber, wie wichtig es ist, Umweltchemie in Monitoringprogramme zu integrieren, statt sich ausschließlich auf Meteorologie und Landcover zu beschränken. Insgesamt liefert der IPAM-Bericht ein technisches Argument für integrierte Betrachtungen: Klimawirkung und extraktive Landnutzung sind im Amazonas nicht zwei getrennte Kapitel, sondern ein gemeinsames System, das sich durch Überlappungen besonders schnell zuspitzt.


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