AUSTRALIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine aktuelle Studie verknüpft Stealthing mit frühen, tief sitzenden Denkmustern: Wer sich Regeln nicht verpflichtet fühlt oder andere bestrafen will, zeigt deutlich höhere Intentionen, während einer sexuellen Situation heimlich ein Kondom zu entfernen. Gleichzeitig senkt mehr Vertrauen in die korrekte Kondomnutzung offenbar die Bereitschaft, solche Handlungen zu planen. Die Ergebnisse verweisen damit auf einen Ansatz, der über reine Aufklärung hinausgeht und gezielt kognitive Muster in Therapie- und Präventionsprogrammen adressieren soll. Welche Mechanismen dahinter stehen, welche Limitationen die Daten haben und was das für Consent-Strategien in Organisationen bedeutet, wird im Folgenden eingeordnet.

Stealthing – also das heimliche Entfernen oder gezielte Beschädigen eines Kondoms während einer sexuellen Begegnung ohne Einwilligung – wird in der Forschung zunehmend nicht nur als Problem fehlender Aufklärung betrachtet, sondern als Ausdruck spezifischer psychologischer Muster. Eine Studie, die im Journal Psychology, Crime & Law veröffentlicht wurde, stellt Entitlement-Beliefs und eine Tendenz zur Bestrafung anderer in den Zusammenhang mit höherer sexueller Erregung sowie stärkerer Absicht, Stealthing zu planen. Damit verschiebt sich der Blick weg vom reinen „Skill“-Thema hin zu kognitiven Rechtfertigungsmechanismen, die Autonomie systematisch unterminieren.
Rechtlich und ethisch ist der Kern dabei immer derselbe: Kondomnutzung ist in Paarbeziehungen ein sichtbares Signal für gemeinsame Sicherheitsannahmen. Wenn eine Person das Kondom ohne Zustimmung verändert, wird diese stillschweigende Vereinbarung einseitig außer Kraft gesetzt. Die Studie bettet Stealthing deshalb in den Kontext sexueller Gewalt ein, weil Folgen wie sexuell übertragbare Infektionen, ungewollte Schwangerschaften und nachhaltige psychische Belastung beschrieben werden. Experten aus dem klinischen Bereich betonen dabei besonders die langfristige Dynamik: Verletzungen des Selbstbilds und eine verminderte Fähigkeit, Grenzen klar zu artikulieren.
Um kognitive Treiber greifbar zu machen, greifen die Forschenden auf das Konzept „early maladaptive schemas“ zurück. Solche Schemata sind tief verankerte Muster, die aus früheren Erfahrungen entstehen und später als Linse dienen, durch die Menschen die Welt interpretieren. In der Studie wurden genau diese Denk- und Gefühlsmuster mit allgemeiner sexualer Koerzionsbereitschaft verknüpft – beispielsweise mit Kondomnutzungs-„Resistance“, die von verbaler Überzeugung bis hin zu Täuschung reichen kann. Entscheidend ist: Nicht jede Form der Vermeidung ist automatisch violent, aber bestimmte Strategien ignorieren Grenzen, und genau diese Überschneidung wollten die Autorinnen und Autoren modellieren.
Die Datengrundlage bestand aus einer Online-Befragung mit 106 Männern in Australien, im Alter von 19 bis 68 Jahren. Um Datenqualität zu sichern, nutzten die Forschenden Aufmerksamkeitstests und schlossen unvollständige Antworten aus. Erfasst wurden 20 verschiedene early maladaptive schemas über ein anerkanntes psychologisches Fragebogeninstrument. Zusätzlich erhoben die Teilnehmenden ihre bisherigen Strategien, Kondome nicht zu tragen. Für Stealthing wurden drei hypothetische Szenarien präsentiert: das einfache Entfernen, das absichtliche Beschädigen sowie das Fortsetzen des Sex nach einem (scheinbar) zufälligen Verrutschen des Kondoms. Anschließend beurteilten die Probanden Erregung und Absicht.
Die zentralen Befunde waren dabei deutlich. Männer, die ein Schema von Entitlement oder Grandiosität zeigten, reagierten besonders stark auf die Stealthing-Szenarien und berichteten über ein Mehr als dreifaches Maß an Erregung und Intention. Übersetzt in kognitive Logik bedeutet das: Wer glaubt, Regeln würden „für ihn nicht gelten“, kann den eigenen Zugriff auf Sexualität leichter als gerechtfertigt framen – selbst wenn die Autonomie der Partnerperson verletzt wird. Zusätzlich trat Punitiveness zutage: die Neigung, andere zu bestrafen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden. In einem solchen Denkrahmen kann heimliches Entfernen als verdeckte Retaliation wirken.
Interessant ist außerdem die Rolle praktischer Selbstwirksamkeit. Die Forschenden fanden, dass Männer, die sich besonders kompetent fühlten, Kondome korrekt zu verhandeln und anzuwenden, weniger stark auf Stealthing-Szenarien reagierten. Das deutet darauf hin, dass sexuelle Gesundheitskompetenz nicht nur ein „Handwerk“, sondern auch ein Schutzfaktor gegen bestimmte Risikomuster sein kann. Aus Expertensicht könnten Interventionen, die Kommunikation und Konsensfähigkeiten stärken, den Einfluss dysfunktionaler Schemata reduzieren. Im Vergleich zu reinem „Erklär-Content“ ließe sich hier ein stärkerer Fokus auf Verhalten in konkreten Gesprächssituationen erkennen.
Die aktuellen Ergebnisse bauen außerdem auf verwandte Studien derselben Autorengruppe auf und schaffen so einen konsistenteren Erklärungsrahmen. In einer früheren Untersuchung im Journal Psychology & Sexuality, in Kooperation mit dem Cairnmillar Institute in Victoria, wurde Stealthing mit dem „dark triad“ Persönlichkeitsprofil verknüpft – bestehend aus Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie. Während Machiavellismus für einen manipulativen, zynischen Weltblick steht und Narzissmus mit Grandiosität sowie Selbstüberschätzung assoziiert wird, beschreibt Psychopathie vor allem Empathiemangel, hohe Impulsivität und rücksichtslose Handlungsneigung. Dort erklärten sich Intentionen zu Stealthing insbesondere durch psychopatische Merkmale, während Narzissmus ebenfalls relevant blieb.
Ergänzend dazu betrachtet ein weiteres Forschungspaket im Journal Personality and Individual Differences den breiteren Rahmen sexueller Täuschung. In dieser Studie wurden 1.769 Erwachsene (inklusive Männern, Frauen und nicht-binärer Personen) zu früheren Täuschungspraktiken befragt, etwa zu Alter, Einkommen, STI-Status oder Anzahl der Sexualpartner. Insgesamt zeigten sich bei Männern und Frauen ähnliche Gesamtquoten, aber die Themen unterschieden sich: Männer gaben häufiger irreführende Informationen zu Wohlstand, Beruf und Aussehen an, während beide Geschlechter über Lügen zur Anzahl vergangener Partner berichteten. Ein besonders problematischer Befund war die Häufigkeit von Aussagen, man sei auf sexuell übertragbare Infektionen getestet worden, obwohl das offenbar nicht zutraf. Solche Muster werden im Kontext von sexuellem Narzissmus und zwanghaftem Sexualverhalten als wahrscheinlicher verknüpft eingeordnet.
Trotz der klaren Plausibilität bleiben Limitationen: Die Erhebungen beruhen auf Selbstauskünften in Online-Befragungen, und gerade bei stigmatisierten oder rechtlich relevanten Verhaltensweisen besteht ein Risiko von Unter- oder Falschberichterstattung. Das Querschnittsdesign erlaubt zudem keine sichere Kausalitätsaussage: Es zeigt Assoziationen zwischen Schemata bzw. Persönlichkeitsmerkmalen und Intentionen, aber nicht, ob bestimmte Merkmale Stealthing tatsächlich verursachen. Hinzu kommen mögliche Verzerrungen durch ungemessene Variablen und die relativ kleinen Stichproben in den Stealthing-Studien. Zukünftige Forschung wird daher größere, vielfältigere Gruppen und längsschnittliche Designs benötigen, um Ursache-Wirkung-Ketten besser zu prüfen.
Für die Praxis folgt daraus ein zweistufiger Ansatz: Auf der einen Seite braucht es Consent-Education, die nicht nur „Regeln erklärt“, sondern auch kognitive Rechtfertigungslogiken und Kommunikationsmuster anspricht. Auf der anderen Seite wirken klinische Interventionen besonders dann sinnvoll, wenn sie Entitlement- und Punitiveness-Dynamiken gezielt adressieren, statt nur Verhaltensregeln zu wiederholen. Wie Allen betont, könnten Therapieprogramme diese zwei kognitiven Muster unmittelbar bearbeiten, während Prävention in der Community sie in Einwilligungsbildung und die Auseinandersetzung mit schädlichen Geschlechternormen integriert. Unternehmen und Institutionen sollten zudem Datenschutz und ethische Sensibilität ernst nehmen: selbst in Trainingsformaten müssen Befragungen und Sensibilisierung so gestaltet werden, dass Betroffene geschützt bleiben und keine unnötigen Risiken durch Datenmissbrauch entstehen.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- NIEDLICHER BEGLEITER: Eilik ist der ideale Begleiter für Kinder und Erwachsene, die Haustiere, Spiele und intelligente Roboter lieben. Mit vielen Emotionen, Bewegungen und interaktiven Funktionen.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Studie zu Stealthing: Entitlement und Punitiveness erhöhen Risiko" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Studie zu Stealthing: Entitlement und Punitiveness erhöhen Risiko" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Studie zu Stealthing: Entitlement und Punitiveness erhöhen Risiko« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!