SYDNEY / LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Studien aus Australien und den USA werfen ein kritisches Licht auf die Verwendung von Cannabis zur Behandlung psychischer Erkrankungen. Trotz der weit verbreiteten Annahme, dass Cannabis bei Angstzuständen und Depressionen helfen kann, zeigen aktuelle Analysen, dass es keine signifikanten Vorteile bietet. Experten warnen zudem vor den potenziellen Risiken, insbesondere bei Jugendlichen und Schwangeren.

In einer umfassenden Analyse von 54 randomisierten kontrollierten Studien, die zwischen 1980 und 2025 veröffentlicht wurden, kamen Forscher zu dem Schluss, dass Cannabis keine wirksame Behandlung für psychische Erkrankungen wie Angstzustände, Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen darstellt. Diese Ergebnisse wurden in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Psychiatry veröffentlicht und werfen ein neues Licht auf die medizinische Verwendung von Cannabis.
Jack Wilson, ein führender Forscher an der Universität von Sydney, betont, dass die meisten Studien sich auf orale Cannabisprodukte wie Kapseln, Sprays oder Öle konzentrierten. In der Praxis wird Cannabis jedoch häufig geraucht, was noch weniger Beweise für eine positive Wirkung auf die psychische Gesundheit liefert. Diese Diskrepanz zwischen Forschung und realer Anwendung wirft Fragen zur Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis auf.
Die Verwendung von Cannabis, insbesondere in hohen Dosen, kann gefährlich sein, insbesondere für gefährdete Gruppen wie Jugendliche und Schwangere. Studien zeigen, dass der Konsum von Cannabis während der Schwangerschaft oder in der Jugend die Gehirnentwicklung beeinträchtigen kann. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Selbstverletzungen und Suizidversuche bei jungen Menschen mit Stimmungsstörungen, die regelmäßig Cannabis konsumieren.
Ein weiteres Problem ist der steigende THC-Gehalt in modernen Cannabisprodukten. Während der THC-Gehalt in den 1970er Jahren bei etwa 4 % lag, liegt er heute durchschnittlich bei 18 bis 20 %. Diese hohe Potenz trägt zu einer Zunahme von Cannabisabhängigkeit bei, die mit Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit und Schlafstörungen einhergeht. Experten empfehlen daher alternative Behandlungsmethoden wie kognitive Verhaltenstherapie und selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs) für psychische Erkrankungen.
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